Donnerstag , 14 November 2019
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Die falsche Vorstellung von Geld

euros_50sNoch bevor man uns Lesen und Schreiben beibrachte, lernten wir – in bescheidenem Umfang – mit Geld umzugehen. Von allen Faktoren, die Einfluss auf unsere Lebensqualität nehmen, rangiert Geld mit Abstand an erster Stelle. Ursache der derzeitigen, und offensichtlich unlösbaren, Krise ist die Geldpolitik. Während die meisten von uns dazu erzogen wurden, sich „redlich“ zu ernähren, jeder Versuch, „schnelles Geld“ zu verdienen, als unmoralisch eingestuft wird, dürfen wir in den Finanznachrichten regelmäßig nachlesen, wie täglich unzählige Milliarden verschoben werden. Von allen Möglichkeiten des Geldverdienens handelt es sich bei bezahlter Arbeit um die eindeutig schlechteste.

Seit frühester Kindheit sind wir an den Umgang mit Geld gewöhnt. Dass Arbeit entlohnt wird und wir mit dem Verdienten unsere Bedürfnisse finanzieren, erachten wir als Selbstverständlichkeit. Bei Wikipedia werden Geld drei Funktionen zugeschrieben: Zahlungsmittel, Wertaufbewahrungsmittel und Wertmaßstab. Die mittlerweile wichtigste Funktion bleibt jedoch völlig unerwähnt. Geld dient dazu, Geld zu verdienen.

Nachdem es sich bei der Herstellung von sogenanntem Falschgeld um einen Gesetzesbruch handelt, möchte ich natürlich niemand dazu motivieren. Doch stellen Sie sich vor, es gelänge Ihnen, Euroscheine zu drucken, die sich vom Geld der Zentralbanken durch nichts unterscheiden.

An dieser Stelle möchte ich kurz einflechten, dass sich ansehnliche Mengen an „Blüten“ im Umlauf befinden, die so perfekt gefälscht sind, dass es nur eine einzige Möglichkeit gibt, sie als Falschgeld zu erkennen. Es mag überraschend klingen, doch stammt diese Information aus einer verlässlichen Quelle. Im Jahr 2008 fand sich auch eine diesbezügliche Erwähnung in einer österreichischen Tageszeitung. Falschgeldhunde! Dank moderner Technologie, lassen sich, entsprechender Aufwand vorausgesetzt, sowohl alle Sicherheitsmerkmale fälschen als auch die verschiedenen Farbschattierungen perfekt kopieren. Allerdings, die Tinte stammt aus einer anderen Fabrik. Somit riecht sie anders. Einige Polizeihunde haben gelernt, den Unterschied zu erkennen.

Also, gehen wir von der theoretischen Möglichkeit aus, dass es Ihnen gelänge, perfekte Geldscheine herzustellen. In Ihrem Tresor liegen plötzlich zehn Millionen Euro. Zwar haben Sie bereits ein Gesetz gebrochen, doch Schaden haben Sie vorläufig niemandem zugefügt. Schließlich haben Sie schlicht neues Geld erschaffen und niemanden bestohlen.

Sobald Sie damit beginnen, das Geld auszugeben, ergeben sich natürlich Konsequenzen, und zwar positive und negative. Als negativ wäre zu erachten, dass die gesamte Geldsumme unkontrolliert erhöht wurde und zwar, wenn wir von zehn Millionen ausgehen, um 0,0001% (basierend auf der Geldmenge M3 von knapp 10 Billionen Euro). Krise werden Sie damit sicher keine hervorrufen.

Doch nun nehmen wir die positiven Auswirkungen her. Sie kaufen sich erst einmal ein teures Auto, aus deutscher Produktion, versteht sich. Der Autoverkäufer freut sich über die Provision, sein Arbeitgeber über die Umsatzsteigerung und nicht zuletzt tragen Sie zur Sicherung von Arbeitsplätzen in der deutschen Autoindustrie bei.

Nun erwerben Sie ein Grundstück. Nicht nur, dass Sie dem Verkäufer eine Menge Geld dafür in die Hand drücken, auch der Makler verdient seine Provision, der Notar seine Gebühren und dem Staat bezahlen Sie die Grunderwerbsteuer.

Jetzt beauftragen Sie ein Bauunternehmen mit der Errichtung eines ansehnlichen Hauses. Wieder schaffen sie Arbeitsplätze, tragen zur Umsatzerhöhung einer ganzen Menge von Unternehmen bei, fördern den Staat durch Bezahlen von Mehrwertsteuer. Und selbstverständlich tragen Sie auch in anderen Bereichen dazu bei, dass das Rad der Wirtschaft in Schwung bleibt. Sie speisen in guten Restaurants, leisten sich ein paar nette Reisen, kaufen sich neue Anzüge oder Kleider, qualitative Schuhe und vielleicht helfen Sie sogar einigen Freunden aus einem finanziellen Engpass.

Wir können dieses Gedankenspiel allerdings auch noch einen Schritt weiter führen. Wenn Sie gefälschte Euros im Wert von zehn Millionen in Umlauf setzen, dann haben Sie selbst jegliche Kontrolle über die ausgegebenen Geldschein verloren. Es könnte also sein, dass irgendjemand mit einem Hunderter bezahlen will, der plötzlich doch als Blüte entlarvt wird. Der Schein wird ohne Entschädigung eingezogen und somit hätten sie letztendlich ja doch jemandem geschadet.

Nehmen wir an, es wäre möglich, durch eine geschickt inszenierte Transaktion, diese zehn Millionen einfach Ihrem Bankkonto gutzuschreiben. Jetzt denken Sie erst einmal gar nicht daran, das Geld auszugeben, sondern Sie investieren es. Sie kaufen festverzinsliche Wertpapiere, Goldzertifikate, verschiedene Aktien, vielleicht sogar durch Put-Optionen gegen Kursverluste abgesichert, kurz gesagt, Sie lassen dieses Geld für sich arbeiten. Sie erzielen eine Rendite von 7% pro Jahr, was bedeutet, dass Sie nach fünf Jahren rund 3,5 Millionen Euro, abzüglich der Steuern, verdient haben. Nachdem Sie ein gewissenhafter Mensch sind und die von Ihnen gestiftete Unordnung – damit meine ich die Erhöhung des Geldvolumens um 0,0001% – wieder ins Lot bringen möchten, machen Sie die ursprüngliche Transaktion wieder rückgängig. Die zehn Millionen verschwinden von Ihrem Bankkonto. Es gibt Sie nicht mehr. Somit kann auch nicht der geringste Schaden entstanden sein. Zweifellos übten Sie jedoch einen positiven Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung aus. Zuerst als Investor und danach als Konsument.

Ungeachtet von welcher Seite wir es betrachten, im zweiten beschriebenen Fall entsteht tatsächlich nicht der geringste Schaden. Warum bleibt trotzdem ein gewisser Beigeschmack von Unkorrektheit, um nicht zu sagen von Betrug? Lediglich deswegen, weil es vom Gesetz verboten ist, dient nur als oberflächliche Erklärung. Überzeugender wirken bereits Überlegungen, dass derartige Aktionen dem Gemeinschaftsdenken widersprechen. Alle Ihre Freunde, Bekannten und Nachbarn verdienen Ihr Geld durch ehrliche Arbeit, während Sie einen geschickten Trick anwenden, um in fünf Jahren mehr zu verdienen als die meisten Ihrer Freunde während des ganzen Lebens. So etwas kann doch nicht korrekt sein.

Und wo kommen die vielen Milliarden her, mit denen täglich an den Börsen gespielt wird? Woher stammen die 9.580.000.000.000 Euro, die sich in Umlauf befinden (Geldmenge M3)? Ist das die Summe der Ersparnisse arbeitender Menschen zuzüglich der redlich erwirtschafteten Gewinne von Unternehmen? Von Januar 2008 bis März 2011 stieg die Euro-Geldmenge um nicht weniger als 812 Milliarden an. Handelt es sich um eine wunderbare Geldvermehrung oder steht jemandem, aber natürlich nicht Ihnen, das Recht zu, Geld in Umlauf zu setzen?

Wie schon mehrmals erklärt, dürfen Geschäftsbanken Geld kreieren. Natürlich gibt es Regelungen und Beschränkungen. Doch genau das, wofür man Sie einsperren würde, nämlich einfach ein Guthaben auf einem Konto zu verbuchen, ist das legitime Recht von Banken. Ja, natürlich, Sicherheiten werden gefordert und für die neu erschaffenen Geldbeträge werden ja auch Zinsen verrechnet. Wenn sich Banken gegenseitig Geld leihen, liegen die Zinssätze allerdings meist niedriger als die Rendite festverzinslicher Wertpapiere.

Sie sehen also, unser System lässt sich eigentlich mit einem monetären Schlaraffenland vergleichen, zumindest, wenn man dem elitären Kreis der Banker angehört. Und selbstverständlich funktioniert es auch nur dann, wenn die überwiegende Mehrheit des Volkes sich aus diesem Spiel heraushält, schicht einer Arbeit nachgeht, sich dafür bezahlen lässt, und das Geld wieder ausgibt. An jeder einzelnen Transaktion verdient irgend jemand mit. Wer immer verdient ist die Bank, die das verwendete Geld gegen Zinsen in Umlauf setzt.

Wie die meisten von uns aus eigener Erfahrung wissen, wird Geldverdienen immer schwieriger. In Relation zur verfügbaren Kaufkraft, sind die Märkte praktisch mit allem restlos übersättigt. Millionen von Menschen würden gerne mehr produzieren, doch es fehlt der Absatz. Millionen von Menschen würden gerne mehr konsumieren, doch es fehlt an Geld. Ohne selbst durch Kriege Schaden erlitten zu haben, wie es in Europa der Fall war, fanden sich die Vereinigten Staaten schon in den 1930er-Jahren in einer ähnlichen Situation. Damals allerdings ohne Schuldenprobleme.

Stellen Sie sich aber trotzdem vor, es würden sich plötzlich neue Nischen öffnen. Nehmen wir an, Studien würden belegen, dass Bierkonsum die Gesundheit fördert. Frei nach dem Motto: „A Pils every day keeps the doctor away!“ Was würde Ihnen als erstes in den Sinn kommen, um an dem zu erwartenden Boom mitzuverdienen?

Es könnte sein, dass Sie daran denken, sich in der nächsten Kneipe um einen Job zu bewerben. Mehr Biertrinker bedeutet mehr Gäste. Mehr Gäste, mehr Umsatz. Mehr Umsatz, mehr Angestellte. Allerdings, nachdem während der vergangenen Jahre eine Menge Kneipen ihre Pforten schließen mussten, gäbe es natürlich auch die Möglichkeit, eine neue aufzusperren. Sie schaffen es, 100.000 Euro auftreiben, um damit ein kleines Lokal einzurichten. Dann dürfen Sie täglich zehn bis fünfzehn Stunden arbeiten, Miete und Steuern bezahlen, und wenn alles gut geht, bleibt auch noch etwas Gewinn für Sie übrig.

Gäbe es eine bessere Idee?

Aber natürlich. Vorausgesetzt, Sie haben die 100.000 Euro wirklich zur Verfügung, kaufen Sie damit einfach Brauereiaktien. Und zwar nicht für 100.000, sondern für 500.000 Euro. Wir gehen von einer ausgeglichenen Marktsituation aus, in der ein Einschuss von 20% für den Erwerb solider Aktien ausreicht. Während sich arbeitende Deutsche wieder regelmäßig in der Kneipe treffen oder am Heimweg einen Kasten Bier mitnehmen, steigen die Aktienkurse jeden Monat um einige Prozentpunkte an. Nach einem Jahr besitzen Sie Papiere im Wert von einer Million. Sie verkaufen, zahlen die 400.000 Kredit plus Zinsen zurück und freuen sich darüber, dass Ihre ursprünglichen 100.000 auf mehr als eine halbe Million angewachsen sind. Wie lange hätten Sie als Kellner dafür gearbeitet? Wie lange hätten Sie Ihre eigene Kneipe betreiben müssen, um so viel Geld damit zu verdienen?

Leider funktioniert es selten so einfach. Mit einem Wirtschaftsboom dürfen wir in naher und mittlerer Zukunft wohl kaum rechnen. Einträgliche Informationen, wie etwas die plötzliche Abwertung des Schweizer Frankens, stehen ausschließlich elitären Kreisen zur Verfügung. Und in vielen Fällen fehlt es natürlich auch am Grundkapital. Das kapitalistische System funktioniert ja nur dann, wenn sich die Zahl der Kapitalisten in Grenzen hält. Jeglicher Wertzuwachs basiert letztendlich auf der Arbeit und dem Konsum der Massen. Und diese Funktion wurde letztendlich uns zugedacht, auch wenn es sich dabei um die schlechteste im ganzen System handelt. Trotzdem, nachdem wir alle täglich Geld verwenden, sollte eigentlich jeder Mensch besser darüber bescheid wissen. Mit Sicherheit würde dies der vorherrschenden Einseitigkeit entgegen wirken.

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