Dienstag , 29 September 2020
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Markt oder Mensch? Freiheit für beide ist ausgeschlossen!

business_cityWir loben die Demokratie, die Pressefreiheit und die freie Marktwirtschaft. Wir sprechen von freien Ländern und schließen ein freies Volk als selbstredend mit ein. Bei den derzeit in Israel angehenden Protesten tauchte ein vielsagender Slogan auf: „Ein Wirtschaftsmodell ist kein Naturgesetz. Nun wissen wir, dass es der Markt ist, der völlig frei ist – bestohlen wird die Öffentlichkeit“. Es ist eigentlich völlig logisch. In einer gesetzlosen Gesellschaft regiert der Stärkere. Um die Märkte brauchen wir uns nicht zu kümmern, wird uns erzählt, denn die regulierten sich schließlich von selbst. Und damit unterliegen sie dem, was wir das „Gesetz des Stärkeren“ nennen.

Beide Länder liegen am Mittelmeer, doch dabei handelt es sich um die einzige Gemeinsamkeit. In Libyen leben Muslime, von Stammesdenken geprägt, unter der Herrschaft eines Diktators. Doch die wirtschaftliche Situation für die Bewohner ist beispielhaft. Keine oder minimale Steuern, kostenlose Ausbildung, kostenloses Gesundheitswesen, teils niedrige, teils überhaupt keine Mieten. Israelis gehören überwiegend dem jüdischen Glauben an, ihre Stämme sind längst zerfallen, sie leben in einer Demokratie. Sie leiden unter extrem hohen Steuern, unter Spekulation und Wucher.

In Libyen griffen einige Stämme zu den Waffen, um sich gegen die Vorherrschaft des Gaddafi-Clans zu erheben. In Israel demonstrieren die Massen gegen die Vorherrschaft einer Finanz-Elite.

Wir brauchen uns nicht näher mit den möglichen Auswüchsen einer gesetzlosen Gesellschaft auseinander zu setzen. Denn wir wissen, dass in solch einem Fall rohe Gewalt dominiert.

Warum fürchten wir nicht die Brutalität, die grenzenlose Gier, die Skrupellosigkeit der freien Märkte? Weil sich alle Extreme früher oder später ohnehin systembedingt glätten müssten? Wenn nach, durch Spekulation massiv vorangetriebenen, Preissteigerungen für Nahungsmittel ein Teil der Menschheit verhungert ist, müssten die Preise ohnehin, mangels Bedarfs, wieder absinken. Kleine Betriebe fallen der potenteren Konkurrenz zum Opfer. Löhne sinken, weil der Markt mit Arbeitkräften überversorgt ist. Wieder tritt die Selbstregulierung ein. Fehlt es den Menschen an Kaufkraft, müsste dies letztendlich auch zum Fall der allesverschlingenden Konzerne führen, sobald niemand mehr über die Mittel verfügt, ihre Produkte zu kaufen.

Horrorszenarien einer gesetzlosen Gesellschaft kennen wir nur aus, meist billig produzierten, Phantasiefilmen. Das Horrorszenario freier Märkte spielt sich jedoch vor unseren Augen ab. Zweifellos beschützt uns der Staat vor dem aggressiven Nachbarn, vor Räubern und Straßendieben. Schließlich erachten wir uns als zivilisiert. Und die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen eingeschränkt wird.

In den Märkten herrscht jedoch Faustrecht. Natürlich nicht in der Form, dass der Pate der Stadt, der einen bestimmten Geschäftszweig dominiert, ungestraft die Produktionsanlagen der Konkurrenz in die Luft sprengen kann. Doch darf er sich der Macht des Geldes bedienen, für den finanzschwachen Konkurrenten unbezahlbare Werbekampagnen in die Wege leiten, er kauft die Rohmaterialien in unvergleichlich größeren Mengen zu deutlich niedrigem Preis. Vielleicht kann er sich auch leisten, mehr Abgeordnete auf seine Lohnliste zu setzen. Die Spielregeln erlauben viele Mittel, die zwar nicht fair, aber trotzdem legal sind.

Was interessiert mich das alles, mag der Eine oder Andere nun denken. Ich hab meinen Job und damit mein Auslangen. Mein Arbeitgeber ist einer der großen Konzerne und mir geht es doch nicht schlecht.

Die Freien Märkte haben das Kleinunternehmertum verdrängt. Die Freien Märkte haben Arbeitslosigkeit provoziert. Die Freien Märkte erlauben Spekulationsprofite, was steigende Preise mit sich bringt.

Wird die heimische Landwirtschaft nicht geschützt, verschwindet sie, weil sich Nahrungsmittel von irgendwoher billiger importieren lassen. Wenn der heimische Arbeiter 80 oder 100 Euro pro Tag verdient, dann führt die freie Marktwirtschaft dazu, dass immer mehr Fabriken in Billigländer abwandern. Wenn Finanzinstitute nur dem symbolischen Faustrecht der Märkte unterliegen, dann verschlingt der Mächtigere die kleinen Fische wie der Wal die Sardinen.

Es gibt ja trotzdem Regelungen und Vorschriften. Und die heimische Landwirtschaft wird durchaus geschützt. Auch gibt es für Importe Beschränkungen. Und zumindest in unseren Breiten gibt es wohl wenige Menschen, die tatsächlich des Hungers sterben. Und wenn es ein Mensch überhaupt nicht schafft, ein Einkommen zu erzielen, dann bekommt er sogar Unterstützung. Leben wir nicht immer noch in einer „heilen Welt“?

Zweifellos wurden einige Bremsmechanismen eingesetzt, um die letzten Konsequenzen der freien Marktwirtschaft zu verzögern. Wer sich hier in Einzelbeispielen verliert, läuft Gefahr, am Gesamtbild vorbeizusehen. Und wie hat sich dieses während der vergangenen fünfzig Jahre verändert? Weil sich die Märkte so entwickelt hätten. Weil es die Konsumenten so wollten. Weil den Menschen einfach nichts übrig blieb als sich dem Stärkeren zu unterwerfen. In diesem Fall nicht der physischen Gewalt, sondern der Macht des Kapitals, dem es gelungen ist, sich durch genau diese Macht die eigene Freiheit zu sichern. Und was den Menschen betrifft, so ist er ja immer noch frei, all das zu tun, was ihm seine persönlichen finanziellen Mittel erlauben – sofern er noch über solche verfügt.

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