Freitag , 20 September 2019
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Griechenland: Schrecken ohne Ende?

empty_walletDas Sparpaket wurde vom griechischen Parlament angenommen. Und es scheint als wäre das „Ende mit Schrecken“ noch einmal verhindert worden. Oder doch nur verzögert? Oder entwickelt sich die Situation zum „Schrecken ohne Ende“ – und zwar nicht nur für Griechenland? Wird die Kaufkraft der Bürger eines Landes reduziert, wird dadurch gleichzeitig die heimische Wirtschaft abgewürgt. Von den Griechen wird somit erwartet, dass sie härter arbeiten, bei gleichzeitiger Verringerung des Eigenkonsums. Für die Vergrößerung des Exportvolumens müssen sich aber auch Abnehmer finden. Es mag durchaus sein, dass die Hellenen den Ernst der Lage zu spät erkannt haben. Doch glauben Sie nicht, dass es dem Rest Europas um so viel besser geht.

Nachdem die, von der EU geforderten, Sparmaßnahmen vom griechischen Parlament nun doch angenommen wurden, steht einer weiteren Finanzspritze also kaum mehr etwas im Wege. Und wer wird dadurch gerettet? Griechenland als Staat? Das griechische Volk? Oder einige Banken, deren Bilanzen zu hohe Forderungen an Griechenland ausweisen, um einen Ausfall überleben zu können?

Natürlich, das wurde während der Diskussionen der vergangenen Tage und Wochen ja auch mehrmals erwähnt: Wenn die Unterstützung nicht direkt an Griechenland bezahlt wird, das Land damit zahlungsunfähig wäre, stünde das Schicksal einiger Banken auf dem Spiel. In diesem Fall müssten öffentliche Gelder zur Rettung dieser Banken bereitgestellt werden.

Also, wie immer entschieden wird, das Volk wird zur Kasse gebeten. Und welcher europäische Staat kann sich leisten, Griechenland zu unterstützen? Der deutsche Staat ist mit zwei Billionen Euro verschuldet. Das entspricht mehr als 23.000 Euro pro Bürger – und diese Pro-Kopf-Verschuldung ist in jedem anderen westlichen Land ähnlich hoch. Wie kann also von jemandem, der selbst bis über beide Ohren in Schulden steckt, erwartet werden, dass er sich noch tiefer verschuldet, um einem „Freund“ aus einer Notlage zu helfen?

Dem CIA-World-Factbook zufolge, geht es dem griechischen Volk keineswegs sonderlich gut. Nicht weniger als 20 Prozent der Bevölkerung werden als unter der Armutsgrenze ausgewiesen. Die dafür zugrunde liegenden Richtlinien sind natürlich äußerst subjektiv. Sie vermitteln bloß eine gewisse Vorstellung, wie hoch der Anteil jener Menschen in einem Land ist, die sprichwörtlich „zu wenig Geld zum Leben, aber zu viel zum Verhungern“ zur Verfügung haben. Der diesbezüglich für Deutschland angeführte Prozentsatz beträgt 15,5. Auf genau der gleichen Stufe wie Griechenland, also 20 Prozent, liegt übrigens Ägypten.

Es mag schon richtig sein, dass einzelne Gruppen in Griechenland einen gewissen Komfort genießen. Für die heimische Wirtschaft ist dies jedoch durchaus nötig. Wenn zumindest ein Fünftel gerade so über die Runden kommt, dann bedarf es anderer, die konsumieren. Wird deren Kaufkraft nun reduziert, so sinken gleichzeitig die Umsätze von Produzenten und Händlern. Der einzige Ausweg scheint ein Ankurbeln der exportorientierten Wirtschaftszweige.

Hier zeigt sich tatsächlich ein deutliches Problem. Noch im Jahr 2009 standen Importen von 64,2 Milliarden Dollar bloß Exporte von 21,34 Milliarden gegenüber. Zwar hat sich dieses Verhältnis im Vorjahr deutlich verbessert, das Importvolumen fiel auf 44,9 Milliarden, jedoch bei annähernd gleichbleibenden Exporten (Quelle: CIA-World-Factbook).

Welche Produkte „made in Greece“ verfügen über eine entsprechende Reputation, um gegen die Konkurrenz der Weltmärkte zu bestehen? Griechischer Wein, Olivenöl, Fisch? Textilien und Chemieprodukte werden genannt. Doch was sollte ganz plötzlich zum griechischen Exportschlager werden, um die Umsätze zumindest zu verdoppeln? Es gibt Länder mit niedrigerem Lohnniveau, die ihre Waren auf den Weltmärkten anbieten. Aus welchem Grund sollten „internationale Investoren“ Produktionsanlagen nach Griechenland verlegen, wenn es Länder gibt, in denen die Lohnkosten nur einen Bruchteil davon betragen? Genau dieser Umstand hat schließlich China während der vergangenen zwei Jahrzehnte derartige Exportüberschüsse eingebracht, dass dieses Land nicht nur weitgehend schuldenfrei ist, sondern auch noch über gigantische Überschüsse verfügt. Hierbei handelt es sich um ein Kernproblem der sogenannten „freien Marktwirtschaft“. Die Produktion wird in Länder mit Niedriglöhnen verlagert. Für einen bestimmten Zeitraum lassen sich jene Länder, in denen die Kaufkraft höher liegt, mit Billigprodukten versorgen. Zumindest, solange Werte zum Bezahlen zur Verfügung stehen. Sind diese aufgebraucht und sind die Schulden zu hoch angestiegen, was passiert dann?

Es wirkt banal. Es wirkt zu banal. Doch wo soll diese „freie Marktwirtschaft“ am Ende hinführen, wenn alles, was in Europa produziert wird, zu teuer ist, um es auf den Weltmärkten verkaufen zu können? Natürlich hat das Spiel bis jetzt funktioniert. Wer seine Aufmerksamkeit Teilbereichen der Wirtschaft widmet, mag Dutzende Argumente finden, die ein Weiterbestehen dieses Systems versprechen. Doch wie soll das System in seiner Gesamtheit langfristig überleben können, solange es weltweit derartige Unterschiede im Preisniveau gibt? Vorübergehend lassen sich enorme Gewinne erzielen, wenn in Ländern, in denen Einkommen weniger als 100 Euro pro Monat betragen, produziert und in den sogenannten „reichen Ländern“ konsumiert wird? Doch sind diese Länder keineswegs reich. Sie sind restlos verschuldet. Wenn das durchschnittliche Einkommen eines Deutschen zwanzigmal höher liegt als das einen Chinesen, dann bedeutet dies keineswegs, dass der Deutsche reicher ist. Es besagt lediglich, dass das Preisniveau in seinem Land zwanzigmal höher liegt als in China. In beiden genannten Ländern reicht ein Monatslohn gerade dazu aus, die Lebenshaltungskosten für einen Monat zu finanzieren.

Nicht Griechenland ist das Problemkind der Eurozone. Durch die Situation Griechenlands wird lediglich verdeutlicht, wie die Zukunft Europas aussieht. Wir sind restlos verschuldet, in den eigenen Ländern fehlt es immer mehr an Kaufkraft und die Exportmöglichkeiten gestalten sich, auf Grund des höher liegenden Preisniveaus, zusehends schwieriger. Einzelbeispiele, wie die Flugzeugindustrie, ändern absolut nichts am Gesamtbild. Die europäische (und amerikanische) Politik der vergangenen Jahrzehnte hat unsere Länder ruiniert. Wir haben uns an ein System verkauft, dass uns jeglicher Lebensgrundlage beraubt. Der Großteil unserer Bürger ist besitzlos. Wir haben unsere Funktion als Abnehmer verloren und als Arbeitskräfte sind wir zu teuer, wenn wir mit Chinesen und Indern konkurrieren sollen.

Der einzige, der wirklich einzige Ausweg aus dieser Krise wäre eine drastische Veränderung des Systems. Fiat-Währungen, Globalisierung, freie Marktwirtschaft – all diese Instrumente berauben uns der eigenen Lebensgrundlagen. Warum sind es immer noch so wenige Menschen, die das erkennen?

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