Montag , 22 Juli 2019
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Es reicht satt, das mit den Lebens-Mitteln…

brokkoli1Tja, meine Damen und Herren, es geht um unsere europäischen Bäuche. Da ich selbst stolzer Besitzer einer etwas größeren Ausführung bin, deshalb darf ich so beginnen. Überall sehen und spüren, hören und lesen wir, was Mutter Natur dieses Jahr mit uns anstellt – und nicht für uns. Da kommt doch wirklich aus der Grübelei nicht raus. Warum tut sie dieses, welchen Plan verfolgt die von uns so geliebte Allmutter? Das fragen wir uns wirklich und ehrlich. Intensivst kümmern wir uns um die betagte Dame, auf das alles frisch bleibt – für uns. Muttchen will scheinbar nicht mehr so richtig. Sie fängt zu zicken an, uns so zu behandeln, wie wir sie die letzten 300 Jahre verwöhnt haben. Das sollte und darf die doch gar nicht. Die Olle ist sauer, ist angefressen, wie es in der Fachsprache heißt.

Aber, wozu haben und bezahlen wir schließlich die EU? Herrn Oettinger und seinen Kollegen wird doch noch etwas einfallen, damit nicht wir einfallen, oder nicht? Gehen wir einfach davon aus, es wird gelingen, der Hauptkommissar Oettinger kriegt das auf die Reihe. Wunderbar – wunderbar?

Preise und Versorgungslage werden sich nicht mehr groß verändern. Der Grund dafür ist relativ einfach. Während die Natur mit Hilfe von Erlassen, Verordnungen, Gesetzen und angepassten Rahmenbedingungen wieder einmal eingespurt wird, so hat die Brüsseler Verwaltung beschlossen, Menschenwerk, sofern es sich um Banken, Lebensmittelgroßerzeuger, Agrarhändler und die allmächtige Saatgutindustrie handelt, tutto kompletto außen vorzulassen.

Die Spekulanten und Konzerne haben schon lange geschnallt, um was es geht. Das Öl für die Autos produziert zu große Aufmerksamkeit, Skandale, und noch schlimmer, viel zu hohe Kosten. Da hat dann einer gedacht, es gibt doch auch noch anderes Öl. Ab diesem Moment war es Essig mit fairen Bedingungen für Kleinbetriebe und den bäuerlichen Mittelstand, überall auf der Welt.

Gründe für das Desaster? Es gibt einen Hauptgrund: Weil wir alle essen müssen, gibt es große Bedarfe. Diese Bedarfe haben in der Regel mit viel Geld zu tun. Geld, welches es zu verdienen gilt, das ist wie in der Landwirtschaft. Kühe melken und Rahm abschöpfen, darum geht es. Es ist schwer, verlässliche Zahlen zu bekommen. Anbei ein Wert, der die Größenordnung auf das Beste demonstriert: Finanzfonds haben im ersten Quartal 2008 mit 40 Mrd. Dollar an Rohstoffmärkten spekuliert. Davon betrafen 30 Mrd. Dollar alleine den Agrarsektor. Lecker, oder? Ich quäle Sie nicht weiter mit obskuren Zahlen und Statistiken, keine Angst. Aber einige Anmerkungen zu diesem existenziellen Thema mag ich nicht lassen.

Fakt ist, einige wenige Konzerne kaufen weltweit fruchtbare Ackerflächen auf, meist in Entwicklungsländern. Fakt ist, an der Warenterminbörse sind Ernten und Erträge für mehr als die nächsten 100 Jahre im Handel, oder anders ausgedrückt, bereits verzockt. Fakt ist, dass der Vorstandsvorsitzende von Nestlé vor einiger Zeit mokierte, die Wasserversorgung habe in öffentlichen Händen nichts verloren, es wäre endlich Zeit für den Markt. Fakt ist, einer der großen Agrarkonzerne versucht momentan, auf Brokkoli ein Patent anzumelden. Nein, nicht was Sie denken, keinen behandelten. Es geht um stinknormalen Brokkoli, welcher in unseren Gärten wächst. Das Patentamt überlegt ernsthaft, dieses Patent zu erteilen. Fakt ist, die Deutsche Bank hatte vor 2 Jahren auf die Brötchentüten der Frankfurter Bäcker folgende Werbung platziert: „Freuen Sie sich über steigende Preise? Alle Welt spricht über Rohstoffe – mit dem Agriculture Euro Fond haben Sie die Möglichkeit an der Wertentwicklung von sieben der wichtigsten Agrarrohstoffe zu partizipieren. Investition in etwas Greifbares“.

Was fällt mir zu all dem ein: „Mahlzeit Leute“

Der Ausblick in die Zukunft lässt einiges erahnen: Das mit Brokkoli und dem anderen Gemüse wird klappen. Die Mama wird weiter und systematisch enteignet, die Menschen sowieso. Der Hunger nimmt zu und trifft die wirtschaftlich wenig Leistenden. Der Markt selektiert und trifft die Auslese. Die paar verhungerten Menschen, na ja, Kollateralschaden halt. Damit kennen wir uns doch langsam wirklich aus. Weniger Menschen werden den Profit nicht reduzieren. Wenn nur noch wenige Anbieter da sind, dann kann man wunderbar die Preise steuern und den Speisezettel. Man kann dann auch wieder Kapazitäten reduzieren, und – und – und.

Wenn der Garten, das Feld, die Quelle, der Kochtopf, der Backofen, der Grill komplett kassiert sind, dann kommt der Rest der Natur dran. Es wird eine Atemluftwirtschaft geben, einen Anbieter mit dem Patent für Luft. Es wird eine Emotions-AG geben, patentiert werden Liebe, Hoffnung, Melancholie, Schmerz usw. Es wird eine Lust-AG gegründt, welche die Rechte am Austausch sämtlicher Zärtlichkeiten hält. Es wird eine Freiheits-AG geben, welche die Patente auf sämtliche Menschenrechte hält.

Es wird, es wird, es wird…

In den diversen Aufsichtsgremien sitzen Geldgeber, Banken und Politiker – und deshalb wird alles gut. Mutter Natur und wir, wir sind unwichtig. Für all dies werden wir nicht gebraucht, zu wenig Geld, zu wenig Zielklientel. Es ist wie immer (öfter).

Sie werden jetzt sagen oder feststellen, dass dies alles interessant ist oder überlegenswert, trotzdem habe der Reuter die ganze Geschichte etwas holprig geschrieben. Da haben Sie Recht. Es war und ist kein appetitliches Thema. Laufend musste ich aufstoßen, bis zum befreienden Rülpsen. Beim Schreiben habe ich schwarzgesehen – und gelb wurde ich auch im Gesicht. Daher bitte ich heute um Ihre Nachsicht, Dank dafür.

Jetzt bin ich fertig und gehe essen, Mahlzeit.

 

© Peter Reuter

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