Samstag , 18 Januar 2020
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Zahlen beweisen: Banker-Rettung ist Bürgerpflicht

banker_silhouettenWarum auch immer, einen Bericht aus dem „Spiegel“ vom Oktober 2007 habe ich mir aufgehoben. Den Grund weiß so genau nicht mehr, wahrscheinlich wollte ich eine Geschichte daraus machen. Lang und breit wird in diesem Bericht die Situation derer beschrieben, welche zum Stamm der Sozialversicherungseinbezahler gehören. Es geht also um sie, um dich und um mich. Anschaulich vergleicht der Bericht die Höhe der Beiträge und der Leistungen, sowie der Anteil des dauernd sinkenden freiverfügbaren Einkommens. Es ist anschaulich beschrieben, aber nicht mehr wirklich überraschend, mittlerweile aber in einem Affenzahn von der Realität überholt worden. 

Bei der Durchsicht der alten Unterlagen habe ich mir das gute und alte Radio angemacht. Herrlich, tagsüber Radio hören zu können. Wegen des Verzichts auf Werbeblöcke, und weil sie auch sonst ein gutes Programm machen, ich schalte den Deutschlandfunk oder SWR 2 ein.

Heute war es der Deutschlandfunk, und es kamen Nachrichten. Ohne besonderes Interesse vernahm ich die Ergebnisse des Bankentestes. Eine hat nicht bestanden, teilweise gehört sie mir, bzw. bezahle ich für Sie. Die anderen sind alle wieder gesund, auch diese musste ich not-alimentieren. Auch die Tagung des Beitragsfindungsgremiums für den Fond der Krankenversicherung wollte mich nicht zum Schauer treiben. Es ist das übliche Spiel, Professoren und Politikern drückt der Schuh, gemeinsam wird das Feld der Pfründe neu vermessen und eingeteilt, so wird es wohl beiden Gruppen bis zur übernächsten Wahl reichen. Alles wie gehabt, keinerlei Überraschung, weder für sie, noch für mich.

Der nächste Bericht aber, die nächste Meldung, die hatte es wirklich in sich. Es ging um die Gefahr, dass die talentiertesten Investmentbanker wohl bald einen Riesenbogen um diese Republik machen. Frecherweise hat man doch tatsächlich die Höhe der Boni und Gratifikationen begrenzt. Dieser Schritt, welcher zweifellos die Schicksale einiger im Alter unter 30 Jahren liegender Bankerinnen und Banker besiegelt, er zerstört die Fundamente dessen, was in Vorträgen von Herrn Ackermann immer „soziale Marktwirtschaft“ heißt. Ich selbst finde und fand die Meldung und den Riesenbogen der Investmentbankster große klasse, anders formuliert: Ich war erfreut.

In diesem Moment fragte ich mich, was wohl aus dem Sozialstatus der Bankmanager geworden wäre, hätten wir nicht stützend eingegriffen, wir, – die Steuerzahler. Weiter muss man sich und ihnen die Frage stellen, welche unzumutbaren Einbussen auf die beratenden und begutachtenden Professoren herein gebrochen wäre, hätten diese Kollegen nicht eine Überlebenschance für das Unternehmen attestiert. Wir sind uns doch wirklich und eindeutig einig, dies wäre schlicht und ergreifend unzumutbar.

Der durchschnittliche Verdiener hat lediglich einen Abstieg von, sagen wir einmal netto 2.500,– € auf den Regelsatz von 372,– € hinzunehmen. Ich gebe zu, es mag schmerzhaft sein, aber – einige Millionen unserer Mitbürger zeigen uns, es geht gerade mal so, aber nicht richtig. Und wenn die alle arbeiten wollten, alles wäre besser.

Aus welcher Höhe stürzt ein Bankmanager, wenn es richtig kracht. Nun ja, die Knaben verdienen nicht ganz so schlecht. Es gibt wohl eine Bandbreite, die liegt zwischen € 5.000.000,– und einem Spezi aus den USA, der hat sich das Jahr mit 1,5 Milliarden Dollar bezahlen lassen. Wir wollen aber heute nicht polemisch werden, als Mittelmaß legen wir heute gerade einmal 20.000.000,– € an. Ich gebe zu, dies ist etwas knapp, aber für diesen Fall muss es einfach reichen.

Jetzt zur alles entscheidenden Rechnung:

Während der angeführte Durchschnittsverdiener lediglich um den Faktor 6,7 leidlich bequem nach unten transportiert wird und er über noch immer 14,9 % des vorherigen Einkommens verfügt, da ist der arme Banker deutlich schlechter dran. Von 20 Millionen auf 372 Knöpfe runter, das ist schon richtig derb. Ich versuche, es Ihnen in Zahlen etwas transparenter zu machen. Die armen Kerle würden um den Faktor 53.763 abstürzen, prozentual blieben nach dieser Höllenfahrt läppische 0,00186 % des vorherigen und wohlverdienten Einkommens. Wunderbar, wenn es klemmt, erinnern wir uns gerne der sozialen Marktwirtschaft, wenn es mit der freien nicht so recht klappen mag.

Also, was machen wir? Zunächst sozialisieren wir das Risiko für das Unternehmen, deren Aktionäre und für alle Banken, die sonst nicht zahlen wollen. Und weil ein Risiko ohne Risikoträger nicht so richtig was taugt, deswegen kommen wir Sozialversicherungseinbezahler endlich auch zu unserem Recht. Nein – nein, wir tragen nicht nur das Risiko, zahlen ist angesagt, und zwar richtig.

Deswegen ist es eine große und heroische Tat, die faulen Banken und faulen Versicherungen nicht platzen zu lassen. Einen Absturz um die vorhin errechneten 99,998 % will die soziale Marktwirtschaft selbst Bankern nicht zumuten. Deswegen bleiben die hohen Gehälter geschützt, um die Politiker in den Aufsichtsräten brauchen wir uns auch nicht zu sorgen, das Zubrot für die Professoren geht ebenfalls nicht flöten. Und so sind fast alle Beteiligten glücklich und zufrieden. Damit das System auch in Zukunft bezahlbar bleibt, und nur deshalb, ein Vorschlag von zwei Professoren: Man solle doch Hartz 4 auf 172,– € im Monat reduzieren. Laut ihren Berechnungen reiche das völlig aus.

Immerhin entspräche das immer noch einem Faktor von 14,53, das neue Einkommen läge immerhin noch bei 6,88 % des alten Wertes. Über diesen Vorschlag sollte schnell entschieden werden, von unseren Bankern, unseren Politikern und unseren Professoren, denn Gerechtigkeit muss sein. Sehen Sie das etwa anders?

© Peter Reuter

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