Mittwoch , 22 Mai 2019
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Sinnloser Massenmord

breivik_facebookDie Brutalität des doppelten Terroranschlages in Norwegen ist beispiellos. Ein 32-jähriger Mann namens Anders Behring Breivik gilt als Verantwortlicher für den verheerenden Bombenanschlag in Oslo. Das Ermorden von zumindest 84 Jugendlichen ist jedoch der Gipfel bestialischer Grausamkeit. Es finden sich Hinweise auf rechtsradikales Gedankengut, auf christlichen Fundamentalismus, unumstritten handelt es sich jedenfalls um die völlig unverständliche Tat eines Menschen, für den die Bezeichnung „Wahnsinniger“ bei weitem zu harmlos erscheint. Jede Frage nach einem Warum endet in hilfloser Fassungslosigkeit.

Die Informationen, die von den norwegischen Behörden über den Massenmörder weitergegeben werden, halten sich noch in Grenzen. Ob es sich tatsächlich um einen Einzeltäter handelt oder ob er möglicherweise einer, vermutlich kleinen, Gruppe von Terroristen angehört, ist zum gegebenen Zeitpunkt noch nicht bekannt. Fest steht, dass ihm ein kleiner Bauernhof gehört, was ihm Zugang zu Tonnen von Düngemitteln verschaffte, die zum Bau von Bomben verwendet werden können. Er besaß mehrere registrierte Waffen. Und es soll seit längerem eine Polizeiakte über ihn geben.

Kein Verbrechen lässt sich entschuldigen. Trotzdem taucht bei einer Bluttat dieser Ausmaße unwillkürlich die Frage nach den Beweggründen und den Zielen auf. Selbst die Gedankengänge eines kranken Geistes sollten sich bis zu einem gewissen Grade analysieren lassen. Was kann in einem Gehirn vor sich gehen, das zu solcher Abscheulichkeit fähig ist?

Norwegen wurde in einigen Kommentaren als beispielhaftes Einwanderungsland zitiert. Laut Wikipedia lebten zu Beginn des Jahres 2010 rund 550.000 Zuwanderer – oder 11,4% der Bevölkerung – in dem Land mit einer Fläche von 385.000 Quadratkilometern. Dass 210.000 davon aus westlichen Ländern stammen, sagt relativ wenig über die ethnische Zusammensetzung aus. Es mag auch andere Anpassungen an den modernen Zeitgeist geben, wie etwa ein EU-befriedigender Anteil erwerbstätiger Frauen, die traditionellen Anschauungen widerstreben. Doch selbst wenn wir davon ausgehen, dass Breivik unter krankhaft übersteigendem Patriotismus litt, der Massenmord an Jugendlichen übertrifft immer noch alles Vorstellbare.

Was immer im Gehirn dieses – es fällt mir schwer, das Wort „Mensch“ zu verwenden – dieser Kreatur vor sich ging, etwa blinder Hass gegen die sozialistische Regierung, was konnte ihn dazu bewegen, dieses Massaker unter Teenagern anzurichten? Ich will mit diesen Überlegungen, auch nicht unterschwellig, den Bombenanschlag im Regierungsviertel von Oslo rechtfertigen. Mit Sicherheit nicht. Es beschäftigt mich die Frage, wenn ein Geistesgestörter eine Bluttat solcher Ausmaße begeht, was will er damit bezwecken? Kein auch noch so verblendeter Mensch auf dieser Welt wird jemals Verständnis dafür aufbringen, dass er unter dem Nachwuchs einer politischen Partei, die er für von ihm unerwünschte Entwicklungen in seinem Land für verantwortlich halten möge, ein beispielloses Blutbad anrichtet. Selbst unverbesserliche Rechtsradikale sollten auf dieses grauenhafte Verbrechen mit Abscheu reagieren. Was wollte dieser Anders Behring Breivik bewirken?

Ich fürchte, wir werden keine Antwort darauf finden. Gedankengänge, die sich so fern jeglicher Menschlichkeit bewegen, lassen sich einfach nicht nachvollziehen. Das Entsetzen über das Unvorstellbare wird wohl auf immer in unseren Gemütern verankert bleiben.

Allerdings, eine Korrektur in unserem Denken hat dieser Anders Behring Breivik sehr wohl hervorgerufen. Er hat das Bild der Terrorgefahr verändert. Durch die weltbewegenden Anschläge vom 11. September 2001 wurde eine Assoziation eingeleitet: Terrorist = Islamist. Nicht der blonde, blauäugige Flugzeugpassagier wurde von seinen Mitreisenden mit skeptischem Blick gemustert, sondern der vollbärtige schwarzhaarige mit dunklem Teint. Oft fehlte das Verständnis, wenn ein algerischer Einwanderer am Flughafen von Paris überprüfte, ob wir ein Sicherheitsrisiko darstellten. Terroristen fanden sich doch nicht, so waren wir bis vor kurzem überzeugt, in unseren Reihen. Kontrolliert doch die Anderen. Wir sind rechtschaffene Bürger. Das sieht man doch auf den ersten Blick.

Diese Einstellung ist seit gestern nicht mehr gerechtfertigt. Jetzt gibt es ein tragisches Beispiel, dass geistesgestörte Terroristen nicht von woanders kommen müssen. Sie können unter uns leben, aussehen wie wir, können freundlich im Umgang mit ihren Nachbarn sein, können ein Gesicht zeigen, das nicht das geringste Misstrauen erweckt.

Und die Sicherheitskräfte Europas werden sich danach ausrichten. Jeder wird Verständnis dafür aufbringen, dass eine Wiederholung dieses Verbrechens in Norwegen niemals und nirgends geschehen darf. Und es wird mehr Maßnahmen zur Vorbeugung geben. Es werden mehr Kontrollmechanismen eingeführt werden. Und die Rechtfertigung wird von niemandem angezweifelt werden.

In diesem Sinne hat Anders Behring Breivik seinen Teil dazu beigetragen, das ohnehin schon angeschlagene Verhältnis zwischen Mitmenschen noch weiter zu beeinträchtigen. Die Folgen dieses abscheulichen Massenmordes werden weit über die Grenzen Norwegens hinausreichen. Wir fühlen mit den Opfern, ihren Angehörigen und allen Menschen, die von dieser unvorstellbaren Bluttat direkt betroffen sind. Doch auch nachdem sich die Wogen der Trauer geglättet haben werden, die Folgen dieser sinnlosen Tat werden noch wesentlich länger zu spüren sein.

Es erinnert an die Antwort, die Gavrilo Princip, der Mörder des österreichischen Kronprinzen Franz Ferdinand, am 28. Juni 1914, auf die Frage: „Was hast du getan?“, gegeben hatte. „Ich habe einen Mann getötet!“. Auf einer alten Zeichnung wurden die Worte hinzugefügt: „Was heißt einen? Es waren elf Millionen!“ So viele Menschen verloren ihr Leben durch den folgenden ersten Weltkrieg.

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