Samstag , 25 Mai 2019
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Chessboxing – Eine Sportart nicht nur für Männer

schachboxen_chessSchachboxen, in Berlin durch Iepe Rubingh erfunden, ist die ultimative Herausforderung für Körper und Geist. Inspiriert durch fiktionale Darstellungen des Französischen Comiczeichners und Filmemachers Enki Bilal in seinem Comic-Roman Froid Équateur im Jahr 1992, wurde das Konzept zunächst als Performance-Kunst, und später als Sportverein zunächst in Berlin (CBCB) ins Leben gerufen, inzwischen auch in anderen Teilen der Welt. Die erste Weltmeisterschaft fand in Amsterdam im Jahr 2003 statt. Das Hauptziel der World Chess Boxing Organisation (WCBO) ist es, Schachboxen als international anerkannte sportliche Disziplin zu fördern. Die Hoffnung ist, dass Schachboxen eines Tages bei den Olympischen Spielen anerkannt wird. Während eines Schachboxkampfs spielt die Kontrolle von Aggression eine große Rolle. Deshalb ist das Motto der WCBO: “Gekämpft wird im Ring, und Kriege werden auf dem Schachbrett geführt.”

Der Wettbewerb beginnt mit einer Runde Schach, gefolgt von einer Box-Runde, gefolgt von einer weiteren Runde Schach und so weiter. Ein Wettbewerb besteht aus 11 Runden, 6 Runden Schach und 5 Runden Boxen. Eine Runde Schach dauert 4 Minuten. Jeder Teilnehmer hat 12 Minuten auf der Schachuhr. Eine Runde Boxen dauert 3 Minuten. Zwischen den Runden gibt es eine Minute Pause, während der die Kämpfer ihre Ausrüstung wechseln. Der Wettbewerb wird auf folgende Weisen entschieden: Schachmatt (Schach Runde), Überschreitung des Zeitlimits (Schach Runde), Ausscheiden eines Gegners (Schach oder Boxrunde), K.O. (Boxrunde) oder Schiedsrichter-Entscheidung (Boxrunde). Wenn das Schachspiel unentschieden endet, dann gewinnt der Gegner mit der höheren Punktzahl im Boxen. Wenn es die gleiche Punktzahl ist, dann der Gegner, der schwarz spielt.

Kürzlich trat Berlin gegen London in einem Städtekampf an. Zwei Tage vor dem Kampf, auf der Pressekonferenz in Berlin, klagte Tim Woolgar, der Leiter des Schachbox Clubs in London (LCBC), über einen schlechten Empfang in Berlin (kein Auto am Flughafen, kein Tee, kein herzliches Willkommen in Berlin). Iepe Rubingh antwortete, dass der Tee serviert wird nachdem die Londoner besiegt werden, und sagte einen 3:0-Sieg für Berlin vor. Als Reaktion darauf schickte Tim Woolgar ein vergrößertes Foto aus dem Jahr 1978 an die Presse, das angeblich beweisen sollte, dass Schachboxen tatsächlich in London und nicht in Berlin erfunden wurde. Bevor Iepe Rubingh eine Chance hatte, auf die Provokation zu reagieren, stand Tim Woolgar mitten in der Pressekonferenz auf und ging, was für einiges Aufsehen bei den anwesenden Pressevertretern sorgte.

Dem Team aus London gelang es siegreich nach Hause zu fahren. Sie besiegten Berlin in zwei von drei Kämpfen  (jedes Mal auf dem Schachbrett), der Berliner Nils Becker holte sich den Sieg im zweiten Kampf.

1. Vorkampf: Alex ‘The Snake’ Troll (CBCB) vs. Tim Bendfield (LCBC)
2. Vorkampf: Nils ‘the Berlin Bull’ Becker (CBCB) vs. Nick ‘the Show Stopper’ Cornish (LCBC)
Hauptkampf: Lukasz ‘Frog’ Kosowski (CBCB) vs. Daniel Rivas Lizarraga (LCBC)

Kampf der Geschlechter

Iepe Rubingh & Co. hatten die einzigartige und privilegierte Chance eine neue Sportart zu erfinden oder neu zu erfinden (wenn man Tim Woolgars Fotobeweis auf der Pressekonferenz in Berlin ernst nehmen möchte), die im Wesentlichen ein philosophisches Streben nach dem Ausgleich des Körpers und des Geistes trägt. Zwar wurden zwei sehr unterschiedlich anspruchsvolle Sportarten kombiniert, in einer rigorosen Suche nach dem stärksten und intelligentesten “Mann” der Welt, was aber völlig versäumt wurde, war diese Gelegenheit zu ergreifen, um die Geschlechterrollen in beiden Sportarten zu revolutionieren.

schachboxen_pause

Auch die Rhetorik der Suche nach dem stärksten und intelligentesten “Mann” ist an die Spektakularisierung der Kämpfe gerichtet. Bereits während der Pressekonferenz begannen die metaphorischen Schläge, als die beiden Club-Gründer versuchten, die Spannung vor dem Kampf sensationell durch den Austausch von Provokationen und Beschimpfungen aufzubauen.

Aber das eigentliche Problem der Ungleichheit der Geschlechter ist vorallem während den Wettkämpfen erkennbar, in denen Männer als Kämpfer und Helden gefeiert werden, in ihrem Kampf um den Titel der intelligentesten und der stärksten, während die Frauen nur Nebenrollen haben, den Schachtisch aufzubauen (weibliche Clubmitglieder), oder in engen Outfits im Ring kreisen und die Plakate halten, die die nächste Runde ansagen (Hostessen).

schachboxen_runde7Als ich die Hostessen gefragt habe, was sie von ihrer Rolle im Wettkampf hielten, erzählten sie, dass sie noch nie zuvor von Schachboxen gehört hatten, dass sie gecastet wurden, und für das Casting ihre Fotos und ihre Ma?e (einschließlich Schuh- und BH-Größen) einreichen mussten. Obwohl es ihnen bewusst war, dass Männer eine dominierende Rolle in dem ganzen Spektakel hatten, und dass sie selbst von den Zuschauern objektiviert wurden, schienen sie ihre Rolle zu akzeptieren, da die Geschlechterrollen in den Sportarten so von Anfang an aufgebaut wurden.

Dann fragte ich Tim Woolgar über seine Eindrücke der Geschlechter-Dynamik im Schachboxen, und er erwähnte stolz den ersten weiblichen Schachboxkampf in London im kommenden September.

Ich hatte auch die Gelegenheit, eines der weiblichen Mitglieder des Berliner Schachbox Clubs zu befragen, die seit fünf Jahren im Club trainiert und schon bei mehreren Meisterschaften mitgeholfen hat, aber selber nicht kämpfen will. Sie wies darauf hin, dass Frauen von den Männern im Club sehr respektvoll behandelt werden, aber wenn sie nicht selbst kämpfen, die einzige Weise an der Meisterschaft teilzunehmen der Aufbau des Schachtisches ist oder in der Ringecke zu helfen (was bis jetzt auch nur von den Männern getan wurde).

Schließlich bekam ich auch die Möglichkeit, Iepe Rubingh über seine Ansichten zur Geschlechter-Frage beim Schachboxen zu befragen:

KS: Beim Wettkampf fiel einem die begrenzte und oft objektivierte Rolle der Frauen in der Veranstaltung auf. Während die Männer sich im Ring und auf dem Schachbrett als die stärksten und klügsten beweisen können, hatten die Frauen nur eine untergeordnete Rolle, als Aushilfe oder als Hostessen. Wie kommt das?

IR: Nun wird es den ersten weiblichen Schachboxkampf in London im September geben. Wir sind alle sehr gespannt darauf.

KS: Wenn man über Kultur, kulturelle Trends, und Geschlechterrollen nachdenkt und schreibt, fällt einem doch der Mangel an Innovation und Fortschritt in diesem Bereich auf. Als Erfinder des Schachboxen, und als sozial- und politisch engagierter Künstler hatten Sie die einmalige Chance, den Sport in Bezug auf Geschlechterrollen zu revolutionieren, aber vielleicht entschieden sich darauf weniger Wert zu legen. Warum?

IR: Wie sollte ich das tun? Wir suchen dauernd weibliche Kämpfer und haben auch die weiblichen Mitglieder unseres Vereins gefragt, ohne Erfolg bis jetzt. Schachboxer sind eine seltene Rasse und Schach und Boxen sind immer noch männlich-dominierte Sportarten, bei denen Frauen auf dem Vormarsch sind. Männliche Schachboxer zu finden ist hart genug, bei Schachboxerinnen ist es sogar noch schwieriger. Übrigens haben wir auch explizit auf unserer Website geschrieben: “Wir bereiten uns auf Kämpfe in Europa, Russland und in den USA vor, und suchen neue Schachboxer aus der ganzen Welt. Frauen / Männer aus allen Gewichtsklassen sind gewollt und willkommen.”

Wie wäre es mit einem Aufruf: Wir suchen die intelligentesten und härtesten Frauen der Welt! Bewerben Sie sich hier: http://wcbo.org.

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