Samstag , 25 Mai 2019
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Stevia – bald in aller Munde?

stevia_pflanzeEine unscheinbare Pflanze macht seit kurzem Furore: Stevia rebaudiana Bertoni, auch Süßkraut oder Honigkraut genannt. Eine Pflanze, die in Südamerika seit Jahrhunderten als Süßungsmittel genutzt wird. Die Guaraní-Indianer (Brasilien, Paraguay) nannten sie Ka’a He’e. Der hierzulande geläufige Name, Stevia, geht auf den spanischen Botaniker Pedro Jaime Esteve zurück, der die Pflanze als erster untersucht haben soll.

Die althergebrachte Verwendung ist einfach. Die Blätter, meist getrocknet, werden in Wasser aufgekocht. Von der dadurch erhaltenen Lösung genügen wenige Tropfen, um eine Tasse Kaffee oder Tee zu süßen. Es mag ein wirklich ganz leichter Geschmack von Kräutern zu bemerken sein, der jedoch keineswegs als unangenehm zu empfinden ist.

Das besondere: Stevia besitzt nicht nur 300x mehr Süßkraft als herkömmlicher Zucker, Stevia ist praktisch auch kalorienfrei und greift die Zähne nicht an. Es soll sogar den Blutzuckerspiegel senken.

Der Haken dabei ist allerdings: Stevia ist in Deutschland nicht als Lebensmittel zugelassen. Alle Lebensmittel müssen in Deutschland den Nachweis erbringen, dass sie nicht gesundheitsschädlich sind. Der aus Steckrüben industriell gewonnene Zucker hat das übrigens nicht müssen, schließlich kam er zu einer Zeit auf den Markt, als es solche und ähnliche Vorschriften noch nicht gab und inzwischen ist Zucker bereits so handelsüblich, dass ein nachgelagerter Nachweis aufgrund der geänderten Gesetzeslage nicht notwendig erscheint.

Stevia hingegen muss diesen Nachweis erbringen. Gesetze zum Lebensmittelschutz sind natürlich überaus begrüßenswert, mögen sie auch auf den ersten Blick streng erscheinen. Und Stevia steht immer noch in Verdacht, womöglich fruchtbarkeitsbeeinträchtigende Wirkungen zu haben. Allerdings in so hohen Dosen, dass vergleichbare Mengen industrieller Zucker auch nicht mehr gesund wären und ein normaler Mensch diese Mengen auch nicht essen würde.

 

In Japan wird schon seit Jahren der Kaffee und der Tee mit Stevia gesüßt. Offenbar ohne bemerkenswerte Langzeitfolgen für die Bevölkerung. Laut Zeit online nutzen über 150 Millionen Menschen weltweit täglich Stevia zum Süßen.

Es kommt der Verdacht auf, dass die Unbedenklichkeitszulassung absichtlich verzögert wird. Dabei war Stevia in Bioläden und Reformhäusern hier in den 90er Jahren schon einmal erhältlich. Und zwar nicht nur als Badezusatz oder Kosmetika wie heutzutage. 1997 änderte sich allerdings die EU-Gesetzgebung und Stevia war plötzlich wieder „neu“. Und nicht nur neu, sondern auch erst einmal verboten. Daran hat sich bis heute im Wesentlichen nichts mehr geändert. Lediglich Frankreich hat sich nun zu einer zweijährigen Testphase entschlossen. Ein Fortschritt für eine Pflanze, die von Europäern bereits 1887 entdeckt und für unbedenklich gehalten wurde.

Stevia könnte eine wirkliche Alternative zu den künstlichen Süßstoffen sein, die seit Jahrzehnten einen lukrativen Markt vor allem auch im Diät-Bereich finden. Natürlich, gesund und kalorienarm. Ob das Produkt gegenüber (höchst umstrittenen) Aspartamen und Co ökonomisch konkurrenzfähig ist, sollten die Verbraucher dann doch bitte selber entscheiden dürfen.

Diverse Medien wie etwa Die Zeit, Spiegel, Brigitte u.a. haben in den vergangene Wochen das Thema Stevia aufgegriffen. Das könnte vielleicht endlich Bewegung in den Zulassungsprozess bringen. Und vielleicht wird dadurch der Konsument eines Tages doch noch für mündig erklärt.

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