Mittwoch , 17 Juli 2019
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Der Streit um des Propheten Bart

prophet mohammed 1625Um des „Kaisers Bart“ wurde schon im Römischen Reich gestritten. Später wurde diskutiert, ob Friedrich Barbarossas Bart wirklich rot war und Emanuel Geibels widmete diesem Thema, Nichtigkeiten wegen einen Zwist zu entfachen, sogar ein Gedicht. Mit einer neuen Version wartet nun Ägypten auf. Dort streitet man im Moment um des Propheten Bart – und ob es dabei um nichts oder viel geht, darüber scheiden sich die Geister.

Stein des Anstoßes ist ein Polizist, der sich einen Prophetenbart wachsen ließ, was er aber nicht darf. In Ägypten ist es Militär- und Polizeiangehörigen verboten, Bart zu tragen. Innenminister Mohamed Ibrahim gedenkt ganz und gar nicht daran, dieses Gesetz aufzuweichen und hat den Mann kurzerhand suspendiert. Dazu muss man wissen, dass wohl so gut wie alle Salafisten (und die besetzen 25 Prozent der Plätze im ägyptischen Parlament) derartige Bärte tragen. Sie sind mehr oder weniger eine Art Glaubensbekenntnis, das man(n) am Kinn trägt.

Jetzt mag man zu Bärten generell stehen wie man will (ich persönlich mag sie gar nicht), aber man sollte meinen, dass Ägypten ein paar andere Probleme als dieses hat. Ganz besonders im Polizeiapparat, der nach wie vor von Männern aus der Mubarak-Ära durchzogen ist und nur bedingt so funktioniert, wie er das sollte.

Und doch könnte sich der Streit um den Bart zu einem richtigen innerpolitischen Problem auswachsen. Auf der Seite dessen, der es nun genau wissen will, sind nicht nur viele Kollegen, die dafür sicherheitshalber gleich mal unter dem Motto „Befreit den Bart“ und „Ich bin ein bärtiger Polizist“ protestieren gingen, sondern – wie kann es anders sein – natürlich auch die Salafisten.

Nader Bakar, der Sprecher der ultrakonservativen Nour Partei gab zu bedenken, dass der Polizist gegen keine Regeln verstieß, sondern einfach nur der islamischen Glaubenslehre folgte. „Der Minister kann die Polizisten nicht feuern oder versetzen, weil das gegen die islamischen Regeln und gegen ein humanitäres Recht verstößt“, ließ Bakar wissen.

Was der Salafist mit „islamischen Regeln“ meint, ist nicht so ganz klar. Könnte gut sein, dass er damit die Scharia anspricht. Das islamische Rechtssystem hätten die Salafisten nur allzu gerne in Ägypten, aber noch bleibt es beim Konjunktiv, und nach dem in Ägypten geltenden Recht ist es einfach für Polizisten verboten, Bart zu tragen. Punkt.

So leicht wird man es dem Innenminister aber vermutlich nicht machen. Auf Facebook hat sich jedenfalls auch schon eine Gruppe von Polizisten formiert, die angekündigt haben, ihre Bärte wachsen zu lassen. Einige von ihnen durften bereits bei einer Disziplinarkommission vorsprechen.

Dieser Streit – so lächerlich er anmuten mag – kann durchaus als Kräftemessen zwischen Innenminister und Polizei betrachtet werden, und das ist so ziemlich das Letzte, was dieses Land in dieser Situation braucht.

Man muss keine ausgeprägte Islamophobie haben, ein – sich einigermaßen im Gleichgewicht befindliches – ästhetisches Empfinden würde schon ausreichen, um sich auf die Seite des Innenministers zu schlagen. Andererseits: Sollte denn nicht jeder Mensch selbst entscheiden können, wie er aussehen möchte? Da es bei diesem Muskelspiel aber ohnehin nicht um die Optik, sondern um Ideologien geht, bleibt nur zu hoffen, dass diesbezüglich bald ein Konsens gefunden wird, denn andernfalls ist zu befürchten, dass auch der Streit um des Propheten Bart wieder am Rücken des ägyptischen Volkes ausgetragen wird. Sicher ist jedenfalls: So belanglos wie der sprichwörtliche Streit um des „Kaisers Bart“ ist dieses Thema in Ägypten keineswegs.

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