Mittwoch , 20 Oktober 2021
Startseite » Politik » Naher Osten » Blutbad in Syrien: Der Westen trägt zumindest Mitschuld

Blutbad in Syrien: Der Westen trägt zumindest Mitschuld

syria revolution violenceDie Zahl der Todesopfer in Syrien wird mittlerweile auf 7.000 geschätzt. Russland und China wird vorgeworfen, dass an ihren „Händen Blut klebe“. Beide Staaten blockierten die jüngste UN-Resolution durch Inanspruchnahme des Vetorechts. Wer den Massenmedien vertraut, glaubt, über ein lückenloses Bild zu verfügen. Die Wahrheit ist wie immer jedoch anders. Zumindest die Hälfte der Bewohner Syriens steht durchaus auf Präsident Assads Seite. The Intelligence sprach mit mehreren Menschen, die über direkte Kontakte in Syrien verfügen. Auch wenn bezüglich der Hintergründe im Zusammenhang mit den Revolten nicht alles eindeutig ist, eines steht fest: Hätte die westliche Welt nicht uniform und wiederholt für die Aufständischen Partei ergriffen, wäre das Blutvergießen schon vor Monaten zu Ende gewesen.

(Link zum Video, dem das Bild entstammt, und das belegt, dass auch die Aufständischen Waffengewalt einsetzen)

Zweifellos ist Syrien gespalten. Dementsprechend schwierig ist es, sich ein Urteil über den Wahrheitsgehalt von Berichten, auch wenn sie direkt aus dem Land stammen, zu bilden. Wer mit den Aufständischen sympathisiert, berichtet von Morden und Massakern. Wer auf Seiten der Regierung steht, weiß von Gerüchten, dass insbesondere die Türkei und Saudi Arabien Waffen und Kämpfer, meist über Libanon, ins Land schicken. Dass es sich zumindest bei einigen der Scharfschützen um bezahlte Provokateure handelt. Dass ausländische Kräfte daran interessiert sind, ein wirtschaftlich intaktes Land zu zerstören.

Kurz zur allgemeinen wirtschaftlichen Lage:

(Die folgenden Angaben entstammen dem CIA-Word-Factbook.) Zwar zählt Syrien keineswegs zu den großen Ölproduzenten, doch übersteigt die tägliche Fördermenge von 401.000 Fass den Verbrauch von 292.000 Fass deutlich. Syrien ist somit nicht von Ölimporten abhängig. Die Außenhandelsbilanz ist ziemlich ausgeglichen. Die Staatsverschuldung beträgt bescheidene 34,4% des Bruttoinlandsprodukts (Deutschland: 81,4%). Auch wenn die Angaben über den Prozentsatz der Menschen, die unter der Armutsgrenze leben, immer nur subjektiv betrachtet werden können, so wird dieser in der gleichen Quelle für Syrien mit 11,9% angegeben, für Deutschland hingegen mit 15,5%. Die Einwohnerzahl beträgt 22,5 Millionen. Davon gelten aber nur 5,64 Millionen als Arbeitskräfte, was ziemlich exakt 25% entspricht. In Deutschland sind es 53,32%, die es notwendig haben, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Kurz gesagt, die Bevölkerung Syriens hat, im Vergleich zu westlichen Staaten, wenig Grund zur Klage.

Wer steht nun auf Assads Seite und wer ist gegen ihn?

Zwar weisen die Massenmedien grundsätzlich nicht darauf hin, doch gibt es auch in Syrien regelmäßig Massenkundgebungen zur Unterstützung der legitimen Regierung unter Präsident Assad. So ist in der englischen Ausgabe von Wikipedia zu lesen:

„Seit Beginn des Aufstandes haben sich große Menschenmassen zusammengefunden, um ihre Unterstützung für die Assad-Regierung auszudrücken. Insbesondere in den Städten Damaskus, Aleppo, Tartus und Latakia. Derartige Kundgebungen werden seit März 2011 abgehalten und haben, seit Syrien aus der Arabischen Liga ausgeschlossen wurden, zugenommen.“

Ist es nicht sonderbar, dass diese Manifestationen in unseren Medien keine Erwähnung finden? Ist es nicht wieder einmal offensichtlich, dass hier ein falscher Eindruck vermittelt wird?

Eine, im Dezember des Vorjahres veröffentlichte Meinungsumfrage, bei der sich 55% für die Assad-Regierung ausgesprochen haben, wird im gleichen Artikel, aufgrund zu geringer Beteiligung, relativiert. Diesbezüglich mit einem objektiven Ergebnis zu rechnen, ist aus mehreren Gründen auch weitgehend auszuschließen. Es hängt nämlich überwiegend davon ab, in welcher Gegend und in welchen Bevölkerungsschichten diese Befragung durchgeführt wird.

Die Bevölkerung Syriens besteht zu 90% aus Arabern, der Rest sind überwiegend Kurden und Armenier. 74% gehören dem sunnitischen Glauben an. 16% gelten als Alawiten, Drusen und Sunniten. 10% sind Christen.

Von den nicht-sunnitischen Minderheiten steht die überwiegende Mehrheit hinter Assad. Dies hat einerseits wirtschaftliche Ursachen, andererseits wird davon ausgegangen, dass eine radikale sunnitische Regierung die Sicherheit dieser Menschen nicht gewährleisten könnte.

Die Annahme, dass sich die sunnitische Mehrheit nun einheitlich gegen den, der alawitischen Minderheit angehörenden, Assad ausspricht, der wiederum politische und wirtschaftliche Schlüsselpositionen durch seine Glaubensgenossen besetzt hält, entspricht nicht den Tatsachen. Zwar stehen keine exakten Zahlenangaben zur Verfügung, doch etwa die Hälfte dieser Gruppe genießt durchaus Wohlstand. Nicht, dass jeder zweite Syrer reich ist, doch viele sind Kleinunternehmer, Händler, Ladenbesitzer und ähnliches. Und diese finanziell besser gestellte Hälfte der Sunniten sehnt sich keineswegs nach einer politischen Veränderung. Im Gegenteil. Die allgemeine Stimmung im Land ist von Sorge erfüllt, um Sorge für die Zukunft, um den Fortbestand des – bis zum Beginn der Unruhen – angenehmen Lebens.

Diesen, direkt aus Syrien stammenden, Informationen zufolge, dürfte das Ergebnis der Umfrage im Dezember, das von 55% Unterstützung für das Assad-Regime ausgeht, von den Tatsachen gar nicht so weit entfernt liegen. Zweifellos wird auch in Kreisen der Assad-Befürworter das harte und oft brutale Vorgehen kritisiert. Zweifellos wird den Opfern und deren Angehörigen Mitgefühl entgegen gebracht. Trotzdem haben diese Menschen in erster Linie ihre eigene Zukunft ebenso im Auge wie die Zukunft des Landes. Und es ist ihnen völlig bewusst, welchen negativen Einfluss die Berichte in westlichen Zeitungen, die natürlich auch in Syrien gelesen werden, auf die Entwicklung der Ausschreitungen ausüben.

Wie schon an anderer Stelle erwähnt, ist es die Aufgabe jeder Regierung, Ruhe, Sicherheit und Ordnung im Land zu gewährleisten. Wo immer auf der Welt Menschenmassen revoltieren, schreiten die Sicherheitskräfte ein. Auch in Deutschland wäre das nicht anders. Doch die syrischen Aufwiegler, ungeachtet direkter Unterstützung durch Waffenlieferungen aus dem Ausland, fühlen sich in ihrem Unterfangen immer wieder bestätigt. US-Außenministerin Hillary Clinton sprach Assad schon vor Monaten seine Legitimität ab. Nikolas Sarkozy fordert seinen Rücktritt. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdo?an drückt unmissverständliche Unterstützung für die Rebellen aus und selbst Guido Westerwelle gab erst dieser Tage von sich, dass er für Assad keine Zukunft mehr sehe.

Ungeachtet aller Spekulationen, dass der Bürgerkrieg in Syrien von Anfang an durch ausländische Kräfte angezettelt worden sein könnte, stellen Sie sich irgend ein Land auf der Welt vor, in dem sich ein Teil der Bevölkerung gegen die Regierung erhebt. Im Normalfall würde es für die Sicherheitskräfte kein sonderliches Problem darstellen, die Massen davon zu überzeugen, dass es für alle besser wäre, gewaltsame Ausschreitungen zu unterlassen. Doch plötzlich finden sich in allen westlichen Zeitungen, die dank des Internets schließlich weltweit zu lesen sind, Unterstützungserklärungen Amerikas, Frankreichs, Englands, Italiens, Spaniens, Deutschland etc. Die höchsten Regierungsmitglieder dieser Länder sprechen sich für den Umsturz aus. Und die Medien vermitteln tagtäglich den Eindruck, als würde es nicht mehr lange bis zum Sturz des Präsidenten dauern. Was könnte mehr zum Fortführen der Revolten, der Demonstrationen, der Gewaltakte anspornen? Und was bleibt der legitimen Regierung letztendlich anderes übrig als den aufgebrachten Massen mit Gewalt entgegen zu treten?

Würden sich die Militärs aus den Straßen zurückziehen, würde Präsident Assad das Land verlassen und die Regierungsgeschäfte den Revolutionären überlassen, würde er damit seine Verantwortung gegenüber dem Bürgertum, gegenüber den Minderheiten, gegenüber Syrien nachkommen?

Wer hat Blut an den Händen?

Als Russland und China gegen die jüngst geplante UN-Resolution ihr Veto einbrachten, stand in mehreren Zeitungen (z. B. Die Zeit, Focus) schon in der Schlagzeile: „Blut an Händen“. Wer bitte hat hier Blut an den Händen? Jene beiden Staaten, die einer Wiederholung eines NATO-Massakers, wie es in Libyen im Vorjahr geschah, vorbeugen möchten? Oder doch eher die Politiker der westlichen Staaten, die Massenmedien und natürlich jene Kreise, denen es daran gelegen ist, Syrien zu zerstören? Ohne dieser ständig wiederholten Ermunterung, ohne den immer und immer wieder von neuem angeheizten Propaganda-Kampagnen gegen Baschar al-Assad, hätten sich die Tumulte in Syrien mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit schon vor Monaten gelegt. Tausende der Todesopfer wären heute noch am Leben. Wer bitte hat hier Blut an den Händen kleben?

Warum bemüht sich die westliche Welt, gerade jene Regierungen zu stürzen, unter deren Herrschaft keine Schuldenberge angehäuft werden? Warum richtet sich die Propaganda gegen Staaten, die noch nicht von den internationalen Konzernen und Finanzinstituten beherrscht werden? Warum lässt man die Menschen in diesen Ländern nicht weiterhin ihr traditionelles Leben führen? Ist es vom Standpunkt der „internationalen Gemeinschaft“ aus wirklich so untragbar, wenn es reicht, dass ein Viertel der Bevölkerung, anstatt der Hälfte, als Arbeitskräfte zur Verfügung steht? Dass es das einzige Ziel einer Gesellschaft ist, im Vierjahresrhythmus an einer Wahl teilzunehmen, wird hoffentlich niemand ernsthaft glauben. Der finanziell schlechter gestellte Teil der Bevölkerung mag auf eine wundersame Verbesserung hoffen. Doch dies liegt vermutlich daran, dass sie keine Ahnung davon haben, was im Rest der Welt vor sich geht.

Check Also

Islamischer Staat: Die Maske des Bösen

Inhaltsverzeichnis1 Islamischer Staat – wer ist der eigentliche Drahtzieher?2 Ist der Nahe Osten eigentlich bereit …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.