Samstag , 7 Dezember 2019
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Stammesfehden schwächen Gaddafi-Gegner

bengazi_fighting_july_31Wie von The Intelligence schon mehrfach berichtet wurde, handelt es sich bei den innerlibyschen Konflikten um keinen Volksaufstand, sondern um einen Stammeskrieg. Seit der desertierte Generalmajor Abdul Fatah Younis von Gaddafi-Gegnern getötet wurde, häufen sich die Meldungen über Kampfhandlungen zwischen einzelnen Rebellengruppen in der Stadt Bengasi. Anhaltende Luftangriffe durch die NATO führen zu immer mehr Unterstützung für Gaddafi, wie regelmäßige Massenkundgebungen bezeugen. Noch ist unklar, wie die NATO-Mächte auf diese Entwicklung reagieren werden.

Seit mehr als vier Monaten ist Libyen Opfer anhaltender Luftangriffe. Nicht nur, dass dabei eine nicht näher bekannte Zahl von Zivilisten ums Leben kam, auch leidet die Bevölkerung immer mehr unter der geschwächten Infrastruktur. Wie kürzlich bekannt wurde, scheuen die NATO-Truppen nicht einmal davor zurück, die Wasserversorgung des Landes zu bombardieren.

Über die wahren Gründe des Krieges gegen Libyen häufen sich die Spekulationen. Neben respektablen Ölvorkommen, gegen deren Privatisierung sich Gaddafi offensichtlich zu wehren versuchte, unterstützte der selbsternannte Revolutionsführer auch das Islamic Banking und soll außerdem Pläne einer unabhängigen afrikanischen Währungsunion gesponnen haben. Nachdem von Anfang an Bilder aufgebrachter Massen fehlten, wie sie uns aus Tunesien und Ägypten übermittelt wurden, erscheint die Behauptung, dass sich das Volk gegen den Diktator erhob, als weitgehend unglaubwürdig. Was uns immer wieder gezeigt wurde, waren bewaffnete Rebellen.

Wie ebenfalls schon mehrmals erwähnt, sorgte Gaddafi, dem die Unterdrückung des Volkes vorgeworfen wird, für kostenloses Gesundheitswesen, freie Ausbildung, niedrige Mieten, förderte die Landwirtschaft und baute ein aufwendiges System der Wasserversorgung. Das sogenannte „Great-Man-Made- River-Poject“.

Allerdings, der Beduine Gaddafi gehört einem sehr kleinen Stamm an, den Guededfa. Es wird über ihn behauptet, dass er die Spannungen unter den anderen, wesentlich größeren, Stämmen dazu genutzt habe, seine eigene Macht auszubauen. („Teile und herrsche“ – deswegen gibt es in Demokratien ja auch mehrere Parteien, die sich in sinnlosen Streitigkeiten verlieren!) Der größte der Stämme, Warfalla, wird auf über eine Million Mitglieder geschätzt. Es lässt sich vermuten, dass die ursprünglichen Umsturzpläne aus deren Reihen stammen (und vielleicht auch durch ausländische Versprechungen gefördert wurden).

Bis vor kurzem vermittelten die innerlibyschen Kampfhandlungen den Eindruck, als hätten sich einige Stämme den Warfalla angeschlossen, während andere die Gaddafi-Regierung offen unterstützten. Mittlerweile scheint es jedoch insofern zu einer Veränderung gekommen zu sein, dass auch Konflikte innerhalb der Gaddafi-Gegner ausgebrochen sind, wie Kampfhandlungen in der Rebellenhochburg Bengasi zeigen:

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Was außerdem noch beachtet werden sollte, sind die unterschiedlichen Anschauungen über die Rolle des Islam. Während die Regelungen unter Gaddafi, insbesondere Frauen gegenüber, als durchaus liberal zu beurteilen sind, gibt es innerhalb der Rebellen extrem konservative Gruppen, deren Ziel die Schaffung eines „islamischen Gottesstaates“ zu sein scheint.

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