Samstag , 18 September 2021
Startseite » Politik » Naher Osten » Saudi-Arabiens König kauft sich die Treue des Volkes

Saudi-Arabiens König kauft sich die Treue des Volkes

koenig_abdullahVon Tunesien nach Ägypten, weiter nach Libyen, nach Bahrein, Jemen und Syrien – die arabische Welt wird von Unruhen erschüttert. Wie weit werden sich Demonstrationen ausweiten? Wie sieht es mit Saudi Arabien aus, einer absoluten Monarchie. König Abdullah al Saud ist sowohl Staatsoberhaupt als auch Regierungschef. Sein Stellvertreter ist sein Bruder und Thronfolger Sultan Al Saud. Kein Parlament, keine Wahlen, keine Opposition. Diktatur pur! Ist also zu erwarten, dass sich auch das Volk Saudi-Arabiens erheben wird, um endlich in das moderne Zeitalter der Demokratie vorzudringen? Kaum. Knapp 100 Milliarden Euro hat König Abdullah unters Volk geworfen, um sich dessen Gefolgschaft zu sichern.

Sogleich als der Volkszorn in Tunesien und kurz darauf in Ägypten entbrannte, um ganz plötzlich ihre Jahrzehnte überdauernden Regierungen abzuschütteln, wurden Befürchtungen laut, dass die Unruhen auch auf Saudi Arabien übergreifen könnten. Abgesehen davon, dass sich die heiligsten Stätten der mohammedanischen Welt, Mekka und Medina, in Saudi-Arabien befinden, rund ein Fünftel der Ölreserven der ganzen Welt befinden sich unter dem saudi-arabischen Wüstensand.

Kontrolliert wird der Ölreichtum durch ein Unternehmen, in Staats- und somit in königlichem Besitz. Bei Wikipedia wird der Wert von Saudi Amco auf zwischen 2,2 und 7 Billionen Dollar geschätzt. Bei einer Förderung von 3,4 Milliarden Fass pro Jahr, brachte dies 2008 einen ansehnlichen Gewinn von 233 Milliarden Dollar. Bei kaum mehr als 55.000 Angestellten entspricht dies rund 4,2 Millionen pro Mitarbeiter. Wer würde so ein Unternehmen nicht gerne besitzen?

Es ist schwer zu sagen, wie viel König Abdullah an die internationale Finanzlobby abtritt. Mit Sicherheit lasten jedoch einige neidische Blicke auf diesem Reichtum. In Gaddafis Libyen fließt nur ein Fünftel der saudi-arabischen Ölmengen und er wurde kurzerhand zum Weltfeind Nr. 1 erklärt. Wie lohnend könnte es da doch sein, einigen Saudis Schießgewehre in die Hand zu drücken – etc, etc, etc.?

Doch seine Majestät hat vorgebeugt. Schon am 9. März berichtete Voice of America von einem Hilfspaket im Wert von 37 Milliarden Dollar, das von König Abdullah angekündigt wurde. Schuldenerlass, Lohnerhöhungen für Beamte, zinsenfreie Kredite bei Familien- und Geschäftsgründung. Trotzdem wurden in dem Artikel Bedenken geäußert, ob sich die absolute Monarchie in Saudi-Arabien schlicht durch Geldgeschenke erhalten ließe. Akademiker, Aktivisten und Geschäftsleute, so steht geschrieben, würden politische Reformen und ein Mehrparteiensystem fordern.

Es dauerte rund zwei Wochen und König Abdullah legte ein Schäuflein nach. Wie u. a. Foreign Policy und die indische Webseite Moneycontroll wissen lassen, kündigte König Abdullah selbst in einer Fernsehansprache an, weitere 93 Milliarden Dollar zuzulegen. Zumindest ein Teil davon soll der Errichtung von 500.000 neuen Wohnungen dienen.

Zusammen wären das 130 Milliarden. Während die Bürger demokratischer Länder von Steuererhöhungen um Sparmaßnahmen geplagt werden, strotzt König Abdullah vor Großzügigkeit. Das sollte eigentlich jegliches Verlangen nach Demokratie eindämmen. Um Hand an Abdullahs Vermögen zu legen, muss sich die „internationale Staatengemeinschaft“ etwas anderes als die Unterstützung des Volkes einfallen lassen.

Check Also

Islamischer Staat: Die Maske des Bösen

Inhaltsverzeichnis1 Islamischer Staat – wer ist der eigentliche Drahtzieher?2 Ist der Nahe Osten eigentlich bereit …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.