Mittwoch , 22 Mai 2019
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Ermordung syrischer Soldaten durch Rebellen! Der Krieg zeigt sein wahres Gesicht

syria prisoners executionDie westlichen Medien geben sich überrascht. Syrische Rebellen ermorden unbewaffnete Soldaten, die am Boden liegend um Gnade flehen. So wie das Bild dieses Bürgerkrieges gezeichnet wird, sollte ein derart brutales Vorgehen doch nur den Regierungstruppen zuzutrauen sein. Diese Vorstellung ist blanker Unsinn. Krieg ist brutal. Krieg bedeutet Mord. Krieg macht aus harmlosen Männern blutrünstige Bastarde, ungeachtet, auf welcher Seite sie stehen.

Veröffentlicht wurde das Video, das die Ermordung von bereits entwaffneten syrischen Soldaten zeigt, von der „Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter“. In einzelnen Berichten findet das Wort „Kriegsverbrechen“ Verwendung. Auch wenn in den meisten Meldungen erwähnt wird, dass die Authentizität der Aufnahmen erst überprüft werden muss, die Situation ist eindeutig. Sie zeigt, wozu Menschen fähig werden, wenn sie sich bewaffneten Auseinandersetzungen anschließen.

Wer Krieg nur aus Filmen und Medienberichten kennt, wer noch nie ausführlich und vertraut mit Menschen gesprochen hat, die Krieg selbst erlebten, dem fällt es schwer, auch nur eine blasse Vorstellung des Grauens zu finden, ein Bild von der Entmenschlichung des Menschen, von Skrupellosigkeit und tief verankertem Hass.

Es geschah zum ersten Mal im Jahr 1991, als Bagdad von US-Truppen bombardiert wurde, dass die Fernsehkanäle mit Aufnahmen versorgt wurden, die an einen chirurgischen Eingriff erinnerten. Den Zusehern wurde dasselbe Bild vorgesetzt, dass der Pilot des Fighter-Jets vor sich sah. Ein Gebäude im Fadenkreuz, ein Geschoss, das sich diesem näherte – und dann eine Explosion. Treffer!

Nichts erinnerte an die Menschen, die sich in den gezeigten, zerstörten Gebäuden befanden. An zerfetze Körper, an die unter qualvollen Schmerzen leidenden Verletzten. Die Aufnahmen ähnelten Computerspielen, die damals, im Jahr 1991, noch ziemlich neu und unausgereift waren.

Wirkte das, von Wikileaks veröffentlichte, Video „Collateral Murder“ nicht ebenfalls wie ein Spiel? Unscharfe Schwarz-Weiß-Bilder, vom Kampfhubschrauber aus aufgenommen, zeigen eine Gruppe unbewaffneter Männer, die im Feuerhagel zu Boden fallen. Waren das richtige, kurz davor noch lebende Menschen? Wie sollen unsere Gehirnen, durch Hollywood-Produktionen an grauenhaftere Anblicke gewöhnt, den Unterschied erfassen? Dann ist noch die Stimme aus dem Hubschrauber zu hören, die den Vorgesetzten anfleht, zuerst auf einen Verletzten schießen zu dürfen und danach auf Menschen, die sich in einem Fahrzeug nähern, um dem am Boden Liegenden zu Hilfe zu eilen. In dem besagten Fahrzeug saßen auch Kinder. Nichts wirkte bedrohlich. Keine Waffen waren zu sehen. Doch die Soldaten wollten schießen, sie bettelten um Erlaubnis.

Sind wir nicht innerlich bereits völlig abgestumpft, wenn wir von den Kriegen hören, die auf der Welt passieren? Wenn wir die Bilder von Toten sehen. Wenn wir daran erinnert werden, dass im Irak eine Million Zivilisten starben. Wenn deutsche Soldaten in Afghanistan töten und getötet werden. Wenn Zigtausende Bombenangriffe auf Libyen geflogen werden. Wenn wir vernehmen, dass Regierungstruppen und Rebellen gleichermaßen morden und foltern. Was soll den Unterschied in unser Bewusstsein bringen, ob es sich nun tatsächlich um die Ermordung von Menschen handelt, um eine gestellte Filmszene oder überhaupt bloß um ein Spiel? Wäre die Menschheit fähig, den Schreckensmeldungen mit solcher Gleichgültigkeit zu begegnen, wenn ihnen der Unterschied bewusst wäre?

US-Soldaten, die sich dabei fotografieren lassen, wie sie auf gefallene Gegner pinkeln, wird vorgeworfen, dass es ihnen an Respekt fehle. Wie soll ein junger Mann, der zum Töten gedrillt wird, den Feind als Mensch betrachten, ihm Respekt entgegenbringen, wenn es seine Aufgabe ist, ihn zu töten – begleitet von der Angst um sein eigenes Leben?

Ungeachtet, ob es sich um syrische Berufssoldaten handelt, um patriotische Idealisten, um eingeschleuste Söldner oder um fanatische Terroristen, der Alltag des Krieges erlaubt kein menschliches Gefühl. Die eine Sekunde des Zögerns, wenn es darum geht, im Kampf einem anderen Menschen das Leben zu nehmen, könnte das eigene Leben kosten. Für das, was wir als Menschlichkeit bezeichnen, gibt es in Kriegen keinen Platz. Da helfen auch Drohungen mit späterer Bestrafung wegen Kriegsverbrechen nicht das geringste.

Das angesprochene Video, das den Weg zu Youtube fand, sollte nicht in erster Linie die Frage aufwerfen, ob sich die Rebellen brutaler verhalten als Regierungstruppen. Es sollte als Erinnerung dienen, was Krieg wirklich bedeutet. Ungeachtet, ob Assad in Syrien regiert oder jemand anderer, es sollte eigentlich alles getan werden, dem Blutvergießen ein Ende zu setzen – anstatt beide Seiten mit Waffen zu beliefern. Die eine Seite durch Russland und Iran, die andere durch NATO-Länder und einige arabische Staaten. Doch um dies zu verstehen, wäre es notwendig, der Wahrheit ins Auge zu sehen. Auch wenn sie nicht wirklich einladend aussieht.

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