Montag , 8 August 2022
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Denn sie wissen wirklich nicht, was sie tun

sparschweinAm Samstag las ich in der „Rheinpfalz“ einen mehr als interessanten Artikel von Hartmut Rodenwoldt. Er beschäftigte sich mit Politik am Beispiel des griechischen Sparpaketes. Viele am Mikrophon interessierte Menschen hatten und haben uns mit ihren Stellungnahmen beglückt und auch amüsiert, manche haben uns gelangweilt, wieder andere zwangen mich förmlich, Vergleiche mit gewesenen Rhetorikern aus der politischen Vergangenheit dieses Landes zu ziehen. Dieser, der Vergleich, er ging nicht immer ganz gut aus. Der Titel des gelesenen Berichts, er hat sehr gefallen und er war daher mehr als passend:

„Mein Name ist Hase, aber ich rede über alles“.

Hartmut Rodenwoldt hatte einer Reihe von Politikerinnen und Politikern bzw. deren Büros die einfache Frage gestellt, nämlich diese, ob ihnen das Sparpaket vorläge, auf welches sie mit ihren Äußerungen Bezug genommen hatten. Befragt wurden, neben anderen, Renate Künast und Jürgen Trittin von den Grünen, CDU-Wirtschaftspolitiker Michael Fuchs und der Vertreter des Instituts der Deutschen Wirtschaft, der Herr Jürgen Matthes sowie viele andere mehr. Das Nichtkennen als Ergebnis der Befragung wurde unter anderem damit begründet, dass schließlich einiges in der Zeitung gestanden habe, auch aus dem letzten Bericht der Troika lasse sich reichlich ableiten. Anrufe bei der Grünenfraktion, bei mehreren Mitarbeitern von FDP- und Unionsabgeordneten – alle hatten nichts vorliegen, eventuell auch keine Ahnung. Aus der Politik wurde gerne berichtet, dass die Fraktionen am Morgen mündlich unterrichtet worden seien. Real großartig – wie das so funktioniert.

Dem Kollegen Rodenwoldt danke ich ausdrücklich für einen Bericht, welcher auf fast satirische Art und Weise deutlich macht, dass die meisten Politiker von den Dingen, die sie täglich erledigen oder zu mindest beurteilen sollen, schlicht und ergreifend keine Ahnung haben. In diesem Zusammenhang sei gestanden, das Sparpaket liegt mir auch nicht vor.

Was den Bericht so aussagekräftig macht, nein – es geht nicht darum, dass viele Politikerinnen und Politiker keine Ahnung haben, die finden das alles scheinbar ganz normal. Ehrlich, man muss fast Mitleid mit ihnen haben. Es kann doch wahrhaftig nicht immer Spaß machen, etwas zu tun, von welchem man absolut keine Ahnung hat und wo man anschließend zumindest so tun muss, als habe man welche. Viel gravierender ist aber, die Vergangenheit und die meisten politischen Entscheidungen, sie stellen sich auf einmal in einem ganz anderen Licht dar. Langsam verstehe ich den tieferen Grund all dieser Entscheidungen. Die Menschen, welche sich einbilden, nur sie wüssten, wo es lang zu gehen hat, die haben scheinbar in der Regel keine belastbaren Informationen und damit auch keine Ahnung. Und mit dem Wissen um ihre Ahnungslosigkeit streben sie dann von einer Abstimmung zur nächsten – und sie entscheiden, und wie.

Deswegen wundere ich mich über unsere Politik eh schon lange nicht mehr. Und jetzt, verehrte Leserin, verehrter Leser, jetzt weiß ich auch warum. Einige viele von ihnen, sie stehen nicht auf Information, sie sagen gerne trotzdem etwas dazu und sie stimmen deswegen auch gerne ab – zum Nutzen dieses Landes und zum Nutzen ihrer unterdurchschnittlichen Altersversorgung und ihres Übergangsgeldes und, und, und…

Eine positive Seite hat die ganze Chose. Es lohnt sich wahrhaft, weiter an einer Änderung der Politik mitzuarbeiten. Wenn wir ganz viel Glück haben, vielleicht finden wir dann die eine oder den anderen – mit Ahnung, von uns.

Ach so, was ich noch sagen wollte: Das hier wäre als Satire richtig schön gewesen, ist aber keine.

In diesem Sinne…

© Peter Reuter

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