Dienstag , 19 Januar 2021
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Christian Wulff gewidmet, dem großen Satiriker und Literaten

blablameter_screenshotAuch wenn es mancher nicht akzeptieren möchte, ich bin ein Schreiber. Ich gestehe trotzdem, zur Reportage tauge ich nicht viel. Als geborener Satiriker fällt es meist doch sehr schwer, die den Journalistinnen und Journalisten abverlangte Objektivität jeweils im Extrakt des eigenen Füllfederhalters wieder zu finden. Meine Redaktion rettet mich stets dadurch, dass sie meine Einreichungen als Satire bezeichnet, was mich grundsätzlich freut. Wenn dies unter keinen Umständen mehr klappen kann, da wird der Report umgehend zum Kommentar erklärt. So funktioniert das meistens. Heute unterliege ich keinerlei Zwängen, berichte ich doch ausschließlich über einen unserer großen Satiriker. Es geht um ihn, der in der gesamten Republik als BUPRÄ wohlbekannt ist. Nun denn…

Einer meiner großen Kollegen in der Satire ist ein nicht ganz unbekannter Niedersachse. Es ist der Christian Wulff. Er führt die Tradition der diesem Bundesland entstammenden Humoristen fort. So hat er vor einigen Jahren übergangslos den vielleicht noch bekannten Gerhard Schröder abgelöst.Kollege Wulff hat momentan jede Menge Ärger und Probleme. Dabei geht es doch nur um ein bisschen Urlaub bei Freunden und um den Erwerb eines ihm angemessenen Einfamilienhauses in Niedersachsen.

Da will man ihm partout ans Leder, weil er sich das Geld bei einer Urlaubsbekanntschaft geliehen hat – oder so ähnlich. Und weil man über die Aktion einen Haufen Schmonz geschrieben hat und weiter schreiben will, deswegen ist der Satiriker Wulff gezwungen, eine Anwaltskanzlei einzusetzen.

Die hat über den besagten Vorgang, in welchem ein Satiriker sich von der Gattin eines Kumpels mal schnell etwas Geld pumpt, welches dann schnellstens zurückbezahlt wird, obwohl es fast keine Zinsen kostete, der Kumpel aber dafür dem Satiriker einen astreinen und noch preiswerteren Bankkredit besorgt, darüber hat die Kanzlei sechs volle Seiten geschrieben. Nur zur Information und wegen der Vollständigkeit, diese sechs Seiten finden sie hier. 

Und weil mir klar war und ist, dass es jetzt richtig ernst ist, deswegen habe ich den Text kopiert und beim BlaBlaMeter, checken lassen. Zur Erklärung, der BlaBlaMeter macht folgendes:

PR-Profis, Politiker, Berater, Werbetexter oder Professoren müssen hier tapfer sein! Das BlaBlaMeter entlarvt schonungslos, wie viel heiße Luft sich in Texte eingeschlichen hat.

Das Ergebnis, verehrte Damen und Herren, es spricht für sich:

Bullshit-Index: 0.33

Ihr Text zeigt schon erste Anzeichen heißer Luft. Für Werbe oder PR-Sprache ist das noch ein guter Wert, bei höheren Ansprüchen sollten Sie vielleicht noch ein wenig daran feilen.

Lieber Kollege Wulff, liebe Rechtsanwälte, das ist wahrhaftig kein schlechter Wert. Den richtigen Ton getroffen – für Werbung und PR, für höhere Ansprüche sollte etwas gefeilt werden. Ich betrachte das als eindeutigen Erfolg für unseren Christian Wulff. So, wie er sich in der ganzen Angelegenheit benimmt, so sollte man davon ausgehen, dass überhaupt keine höheren Ansprüche damit erfüllt werden sollen. So einfach ist das. Wenn ihr dies jetzt auch deutlich der Öffentlichkeit mitteilt, dann ist wirklich wieder alles gut. Das Thema „Mitleid mit dem großen Analytiker Wulff“, es soll für heute erledigt sein.

Nun zum Literaten Wulff. Meines Erachtens wird auch diese Tätigkeit von ihm nicht ausreichend gewürdigt. Dabei ist ein Einblick in sein literarisches Schaffen ganz, ganz leicht. Auf der stets aktuellen Web-Seite www.bundespraesident.de hat man mit einem Mausklick einen Überblick über von ihm gehaltene Reden und über von ihm gegebene Interviews. Da zumindest die Reden alle von ihm geschrieben wurden (na ja, fast alle), deswegen betrachten wir gemeinsam diese Texte heute einmal als Literatur.

Auch die Literatur haben wir testen lassen – sie erinnern sich? Der beigefügte Link: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/ich-schreibe-wie/stiltest-ich-schreibe-wie-11480570.html, er führt zur FAZ auf die Seite: „Ich schreibe wie…“.

Mittels einfacher Texteingabe wird der Schreibstil des eingereichten Textes überprüft und mit großen Schreiberinnen und Schreibern verglichen. Christian Wulff hat es geschafft und trotz anderer wichtiger Aufgaben wie Hausfinanzierung und Urlaubsplanung neulich einen Text geschrieben und veröffentlicht, und zwar unter dem Titel „Weihnachtsansprache 2011“.

Diesen bemerkenswerten Aufsatz habe ich eingegeben und testen und vergleichen lassen. Das Ergebnis ist ganz anders, als sie und ich gedacht haben. Nicht Loriot und nicht Lichtenberg finden sich wieder, es ist Peter Handke. Sie haben richtig gelesen. Christian Wulff schreibt wie Peter Handke, wenn dieser eine Weihnachtsansprache schreiben würde. Das ist ja wohl der Hammer.

Was sagen uns die Ergebnisse der Untersuchungen letztendlich? Wir haben einen Bundespräsidenten, dessen Anwälte Erklärungen mit einem Bullshitfaktor von 0.33 abgeben, welche Ansprüchen an eine PR gerecht werden, nicht aber höhere Weihen erreichen. Und unser Präsident, er schreibt wie Peter Handke.

Fassen wir nochmals zum Schluss kurz zusammen: Buprä ist Satiriker mit einem noch akzeptablen Bullshit-Index und er schreibt wie Peter Handke. Ich bin mir absolut sicher, dass dies in keinem anderen Land dieser Erde ähnlich oder möglich ist. Und für unsere Republik, da ist es auch mehr als genug, ehrlich. Trotzdem, ein guter Grund ist es schon, sich richtig zu freuen. Endlich hat es ein Satiriker an die Spitze des Staates geschafft. Damit über die mir eigene Interpretation keine Missverständnisse entstehen – in WIKIPEDIA kann man über Satire unter anderem folgende Erläuterung nachlesen:

Satire ist eine Spottdichtung, die mangelhafte Tugend oder gesellschaftliche Missstände anklagt. Historische Bezeichnungen sind auch Spottschrift, Stachelschrift und Pasquill (gegen Personen gerichtete satirische Schmähschrift).

Als Realsatire bezeichnet man Vorgänge, die bereits bei nüchterner Beschreibung satirisch wirken.

Bleibt nur noch anzumerken, zumindest den Beweis, dass es sich beim BUPRÄ um einen Realsatiriker handelt, den habe ich wohl angetreten. Das macht Hoffnung, liebe Leute, das macht Hoffnung.

In diesem Sinne…

© Peter Reuter

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