Donnerstag , 18 Juli 2019
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Warum es mit Weihnachten dieses Jahr nicht so klappt (Achtung Satire!)

engelschorUnd es begab sich zu der Zeit, als die Menschen vergessen hatten, dass die Weihnacht kein Halbjahresfest ist, welches Ende Juni mit den ersten Dominosteinen begonnen wird. Auch die Erkenntnis, dass die wackeren Weihnachtsmänner nicht unbedingt in der Badehose und im Robinson-Club ihre Zeit verbringen, auch diese Erkenntnis hatte sich aus dem Staub gemacht, die Weihnachtsleute ebenfalls, und zwar in Richtung Ferienclub.

Die himmlische Kampagneneröffnungsbesprechung dauerte ob dieser Umstände deutlich länger als in den Vorjahren. Einige Ausschüsse mit Vorsitzenden und mit Vizepräsidenten hatten sich des Problems angenommen und Lösungsvorschläge erarbeitet, welche zur Abstimmung standen. Ich kürze ab, das Konzeptpapier der Kreativagentur „Wolke 17“ überzeugte alle Anwesenden auf Anhieb. Die Umsetzung erschien derart einfach, dass man die Realisierung schon für das laufende Jahr beschloss und in Auftrag gab.

Nur am Rand sei auf eine kleine, mittlerweile aber wieder ausgeräumte, Verstimmung hingewiesen. Das bereits erwähnte Konzept, es war aus einem Guss, es versprach Erfolg und es kostete fast nichts, würde es genügen, die Menschen wieder auf den Weg zum Ursprung des Weihnachtsfestes zurückzuführen, kam es rechtzeitig genug, oder war es bereits zu spät?
Warum war man nicht vorher auf den Gedanken gekommen, mittels eines Festumzuges die Menschheit wieder auf die Ursprünge des meist nicht vorhandenen Glaubens … Tja, es war nicht so, dass der liebe Gott mit der bisherigen Arbeit seines Prokuristen gänzlich unzufrieden war. Das konnte und durfte man wirklich nicht behaupten.

Aber war es nicht so, dass die Marketingaktivitäten der letzten 2.000 Jahre mehr als spärlich gewesen waren. War es nicht ebenfalls so, dass die dringend notwendige Erledigungsdynamik wegen des Alters des Hauptabteilungsleiters, er hieß Petrus, nicht immer im gewünschten Umfang abrufbar war? Gott dachte an den Einsatz einer Unternehmensberatung, um diese Punkte nach der diesjährigen Kampagne überprüfen zu lassen. Nun gut, das notwendige Gespräch mit Petrus hatte noch etwas Zeit.

Das in höchsten Tönen gelobte Konzept sah vor, dass eine Abordnung himmlischer Verantwortungsträger an dem Tag, welchen die Menschen „Heiliger Abend“ nannten, dass an diesem Tag durch und mit den Verantwortungsträgern in einer Hauptstadt auf einer Hauptstraße eine Parade stattfinden sollte. Goldene Karossen, Engel in ihrem schönsten Festgewand, Maria und Josef mit Krönchen, die Jünger in einem Trikot des FC Himmelspforte, subalterne sonstige Himmelsbewohner, es gab sie tatsächlich, musikalisch unterstützend als himmlischer Chor – es würde großartig werden. Die Vorbereitungen waren getroffen, allen hatten geduscht und sich schön angezogen, Manna und Bibeln waren gelagert, der Ort ausgesucht – es konnte losgehen. Der liebe Gott und sein Sohn, Petrus ebenfalls, sie nahmen auf der Tribünenwolke Platz, tranken heißen Tee mit etwas Rum – und freuten sich auf die Parade.

Ich kürze abermals ab, es wurde ein schwarzer Tag und es ging schief, aber wie. Das Festkomitee hatte sich für Berlin entschieden und eine große und mehrspurige Straße ausgeguckt, welche in Richtung des Regierungsviertels führte. Da dort eine Partei mit an der Regierung war, welche das „Christlich“ sogar im Namen führte, deswegen waren alle davon überzeugt, eine gute Wahl getroffen zu haben. Welch grausamer Irrtum würde über die himmlischen Entscheider und über den kompletten Festzug herein brechen. Und niemand ahnte auch nur das Geringste.

Weitere Details aus der oberen Etage möchte ich uns ersparen. Es gilt nun zu berichten, was eigentlich am 24. Dezember in Berlin passierte. Ich habe lange überlegt, wie, in welcher Form ich es ihnen berichten soll. Es hat mir arges Kopfzerbrechen bereitet – eine angemessene Form für das Fiasko ließ sich einfach nicht finden. Deswegen zitiere ich aus einem Bericht, welchen der Berliner Polizeipräsident am Nachmittag des 24. von einem Boten erhielt, diesen Bericht las und abzeichnete und mit einem handschriftlichen „Gut gemacht“ adelte.

Am 24. Dezember gegen 14.45 Uhr (MEZ) wurde die zuständige Wache am Reichstag durch einen besorgten Bürger darüber unterrichtet, dass sich Horden von seltsam gekleideten Wesen in Richtung des Kanzleramtes bewegten. Durch eine Feinaufklärung mittels Helikopter wurde festgestellt, dass dies tatsächlich zutrifft. Die Kanzlerin und ihr Gatte wurden mittels eines Flugzeugs sofort in Sicherheit gebracht. Bedauerlicherweise musste wegen der Aktion das Ritual des Weihnachtskaffees im Kanzleramt unterbrochen werden. Sämtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden ebenfalls geborgen und in Sicherheit gebracht. Eine Kompanie Landjäger verbrachte diesen Personenkreis zur rückwärtigen Pforte des Amtes.

Die unbekannte Marschkolonne wurde kurz vor Erreichen des Kanzleramtes durch die 48. Panzerdivision, einer Abteilung GSG 9 und dem gesamten KSK gestellt und eingekesselt. Eine Verständigung mit den Verdächtigen war nicht möglich, keiner der Dolmetscher konnte dem Einsatzleiter in irgendeiner Form helfen. Die Verdächtigen wurden allesamt in Vorbeugungshaft genommen. Die Staatsanwaltschaft erhob umgehende Klage wegen Verstoß gegen das Vermummungsgebot. Vorbeugend wurde das Auswärtige Amt gebeten, bei all den Staaten Protest einzulegen, welche man eh nicht versteht.

Die Staatsanwaltschaft arbeitet umgehend en einer Ausweisungsverfügung für den in Haft genommenen Personenkreis.

Die Verdächtigen wurden zur besseren Überwachung im Olympiastadion untergebracht. Die ergriffenen und durchgeführten Maßnahmen haben zweifellos einen auf die Kanzlerin dieser Republik geplanten Anschlag verhindert. Ferner wurde sichergestellt, dass sie Feststimmung des „Heiligen Abends“ in keinster Weise gestört wurde. Die Möglichkeit zum uneingeschränkten Besuch des Weihnachtsgottesdienstes in der gesamten Stadt wurde durch die unter dem Codewort „Heiliger Himmel“ durchgeführte Aktion sichergestellt. Wir werden durch geeignete Maßnahmen für Ruhe an den Feiertage garantieren. Eine Rechtsverordnung, welche das Tragen von Bekleidung in der Öffentlichkeit verbietet wurde im Schnellverfahren ebenfalls erlassen.

Gez. F… D…

Einsatzleiter“

 

Weiter gilt es zum Vorgang nichts mehr zu sagen. Gehen sie davon aus, sie wissen jetzt Bescheid, über uns und über Weihnachten und so … Jetzt verbleibt mir nur noch, ihnen eine gesegnete Weihnacht zu wünschen.

In diesem Sinne…

© Peter Reuter

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