Samstag , 7 Dezember 2019
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Gaddafis letzte Ruhestätte weist den Weg in die Demokratie

libya_dessertOberst Muammar Gaddafi wurde in den Morgenstunden des 25. Oktober in der Nähe der Stadt Misrata beigesetzt. Der genaue Ort seiner letzten Ruhestätte wird geheim halten. Warum? Um Vandalismus zu vermeiden, schreibt der Spiegel. Aber auch, um zu verhindern, dass sein Grab zur Pilgerstätte werden könnte. Noch im Juni waren es mehr als eine Million Menschen, die sich in Tripolis versammelt hatten, um – grüne Fahnen schwenkend – ihre Unterstützung für das rechtmäßige Regime Libyens zu bekunden. Welchen Eindruck würde es erwecken, fänden sich zahlreiche Besucher an seinem Grab ein? Aus dem gleichen Grund wurden auch 2009 von der irakischen Regierung organisierte Pilgerfahrten zu Saddam Husseins letzter Ruhestätte verboten.

Es liegt bereits Jahre zurück, dass die „internationale Gemeinschaft“ Saddam Hussein den Kampf angesagt hatte. Zwar entpuppte sich die Behauptung, der Irak würde über Massenvernichtungswaffen verfügen, sehr rasch als blanke Lüge. Doch blieben ja immer noch die „humanitären Gründe“. Saddam Hussein war schließlich ein Diktator, der wegen der Hinrichtung von 148 Schiiten, im Rahmen eines Schauprozesses, 2006 zum Tod durch den Strang verurteilt wurde. Die verlässlichste Schätzung der Todesopfer zwischen Kriegsbeginn 2003 und 2007 lautet auf 1.033.000. Der staatliche britische Fernsehsender BBC scheute nicht davor zurück, unverblümt über eine Million Kriegswitwen und Millionen verwaister Kinder zu berichten. Wen würde es also wundern, wenn die Mehrzahl der überlebenden Iraker ihrem einstigen Staatsoberhaupt nachtrauert? Und so beschloss die, von den Besatzungsmächten unterstützte, neue irakische Regierung im Jahr 2009, organisierte Pilgerfahrten zu Saddams letzter Ruhestätte in seinem Heimatdorf Al-Awja, in der Nähe von Tikrit, zu verbieten. Auch unorganisiert finden sich regelmäßig Tausende Menschen an seinem Grab ein, ließ Al-Jazeera wissen.

Dem wollte man in Libyen offensichtlich vorbeugen. The Intelligence war eine von wenigen Nachrichtenquellen, die im Juni über die Massendemonstrationen zur Unterstützung Gaddafis berichteten. Auch wenn gelegentlich erklärt wird, dass es den Rebellen gelungen sei, immer mehr libysche Stämme auf ihre Seite zu holen, Gaddafi erfreute sich massiver Unterstützung unter der Zivilbevölkerung – auch wenn viele es vorzogen, nicht zu den Waffen zu greifen, um ihre Heimat zu verteidigen. (Was gegen die Übermacht der NATO letztendlich auch bloß zu mehr Blutvergießen geführt hätte.)

Wäre es den Libyern, die sich nicht durch leere Versprechungen verblenden ließen, zu verdenken, wenn sie ihrem gefallenen Staatsoberhaupt durch den Besuch seines Grabes die letzte Ehre erweisen würden? Wäre es nicht zu erwarten, dass – insbesondere im Zusammenhang mit den zu befürchtenden Veränderungen – Menschen immer wieder zu seinem Grab pilgern könnten? Was für einen Eindruck würde es der Welt vermitteln, würde dies durch Bilder dokumentiert werden? So wie im Juni, als Gaddafi noch am Leben war, und sich mehr als eine Million Menschen in den Straßen von Tripolis versammelt hatten.

Würden es die Bewohner Libyens noch wagen, durch die Verwendung der Grünen Flagge zu bekunden, dass sie mit der jüngsten Revolution nicht einverstanden sind? Kaum. Denn bei der plötzlich bekannt gewordenen Ermordung von 53 Regierungstreuen, deren Leichen in einem Hotel in Sirte entdeckt wurden, handelt es sich mit Sicherheit nur um die Spitze eines Eisberges. Während der vergangenen Monate herrschte in Libyen Terror – mit Mord, Folter und Vergewaltigung. Mit Sicherheit würden Sympathiekundgebungen für Gaddafi Repressalien nach sich ziehen.

Anschläge gegen Besucher von Gaddafis letzter Ruhestätte würden vermutlich gegen die Regeln des Islam verstoßen. Und es brächte schlechte Publicity. Deswegen zogen es die Drahtzieher des Aufstandes vor, den Ort geheim zu halten. So beginnt die neue Demokratie in Libyen. Und in dieser Richtung wird sie sich weiter entwickeln.

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