Dienstag , 19 Oktober 2021
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Die Empörten kommen! Occupy Wallstreet – Konzertierte Manipulation der Masse?

occupy_wake_upSeit einigen Tagen beobachte ich die Aktivitäten rund um den kommenden weltweiten Protesttag, den 15. Oktober. Beim Durchstöbern von Facebook finde ich folgende Kommentare in einem Threat, der zur Teilnahme an den Demos aufruft: „ich habe auch nichts mehr zu verlieren … nichts als diese scheiß unsicherheit, prekarität und null zukunftsperspektive“. Und weiter unten lese ich dann: „ich habe drei Kinder zu ernähren … und das ohne Hartz4 … und wenn ich mir die Welt so angucke … frage ich mich… ob ich noch Lust habe jeden Morgen aufzustehen… und meine Kinder diesem System anzuvertrauen….“

Das ist wohl der Treibstoff, aus dem Revolutionen gemacht werden. Es ist aber auch der Nährboden für totalitäre Regime. Denn wenn die Not am Größten ist, nimmt man jede Rettung an, stellt keine Fragen mehr nach dem Preis, den man für eine Rettung zahlt. Hauptsache, der Weg zurück in die Komfortzone der eigenen Vergangenheit wird durch die Rettung in Aussicht gestellt. Und Zeiten des Umbruches werden immer von chaotischen Zuständen begleitet – dieses Phänomen kennt sogar die Physik und weiß, der Wechsel von einem Aggregatzustand zum nächsten ist von Chaos begleitet.

Der Mensch ist einfach gestrickt und es ist bekannt, dass die Ursprünge der Public Relations als „Propaganda“ bezeichnet wurden. Der Vater der PR, Edward L. Bernays, war 1928 der Auffassung, dass der Wille des Einzelnen gebrochen werden muss, damit man eine kontrollierbare Masse erhält, die den Interessen des Marktes zu nützen hat. Dass dabei Ideen und Bedürfnisse gemacht werden, dies logischer Teil unseres demokratischen Systems ist, stellt Bernays als natürliche Konsequenz hin. Eine große Menge an Individuen muss auf diese Art geformt werden, damit unsere demokratische Gesellschaft funktioniert. Nach Bernays werden wir von ein paar Wenigen, Unsichtbaren regiert, welche die sozialen Muster und Verhaltensweisen der Massen verstehen und zu lenken vermögen. Der Vater der PR inspirierte unter anderem auch Josef Goebbels. Bernays, ein Schreibtischtäter?

Unsere Mainstreammedien sind von Public Relations durchsetzt – viele von ihnen veröffentlichen Reportagen im Interesse von Unternehmen und Lobbyisten. Diese Artikel gelten aber als bezahlte PR-Einschaltungen. Dem Leser sind diese Reportagen nur schwer als gemachte Meinung von Lobbyisten erkennbar. Selbst bei Journalismusausbildungen werden die Grenzen zwischen berichterstattendem Journalismus und Meinung machender PR verwischt. Wer als Journalismusabsolvent keinen Job in einer Redaktion findet, hat immer noch die Möglichkeit, in der PR-Branche unterzukommen, was so auch von den Ausbildungsinstitutionen propagiert wird. Bewusstsein dafür, dass Ersteres die vierte Macht im Staat, der Wahrheit und Objektivität verpflichtet ist, das Zweite öffentliche Meinung mit manipulativen Mitteln macht, scheint verschwunden zu sein.

occupy_goetheZurück zu den Demonstrationen am 15. Oktober. Die Masse scheint vorbereitet zu sein, die Zahl der Unzufriedenen mit dem System – der Wutbürger – steigt. Die Medien haben bereits für eine (fiktive) Bedrohung des Einzelnen gesorgt. Wer die Gesetze des Marktes beherrscht – das sind all jene, gegen die sich die Demonstranten, die Empörten richten – der vermag es auch Revolutionen anzuzetteln. Bestes Beispiel dazu sind die Revolutionsberater von Canvas, vormals Otpor. Diese serbische Organisation, die weltweit in über 30 Staaten aktiv ist, um die dortigen Regime zu stürzen, hat auch den arabischen Frühling organisiert. Ziel ist wohl, den Boden für jene Form von Demokratie zu bereiten, die als Verwaltungsstruktur dem Marktkapitalismus dient.

Hört man noch etwas von Aktiven, die sich in Ägypten um eine freie Gesellschaft bemühen? Nein, da wurden wohl andere Interessen verfolgt und umso bestürzender ist die Tatsache, dass Otpor in ihrem Kampf im ehemaligen Jugoslawien vom CIA bezahlt worden war. Heute schweigt man dezent zu den Sponsoren dieser Demokratiebewegung, welche soziale Netzwerke zur Organisation ihres „Beratungsportfolios“ nützt. Denn Umstürze anzuzetteln, auch wenn dies mit Mitteln des gewaltfreien Widerstandes passiert, um den Weg für westliche Wirtschaftsinteressen freizuschaufeln, fällt wohl eher in die Kategorie Lobbyismus als in zivilen Ungehorsam für Freiheit und Menschenrechte.

Canvas zettelt also Revolutionen an. Und in westlichen Wirtschaftskreisen diskutiert man, die Demokratie abschaffen zu wollen, weil sie die Interessen der Großkonzerne behindert – zu viele Auflagen und lästige Bürgerinitiativen. Hat man einmal begriffen, dass man Menschen auch zum Widerstand motivieren kann, manipulieren kann, dann könnte hinter den weltweiten Widerständen der „Occupy Wallstreet Bewegung“ durchaus auch gemachte Strategie stecken. Zu sehr wurde in den vergangenen Wochen die weltwirtschaftliche Lage als bedrohlich für die Finanzmärkte von den Mainstream-Medien eingestuft. Ein Schuldenschnitt steht an – wohl nicht nur für Griechenland. Die Öffentlichkeit soll glauben, dass harte Zeiten auf uns zukommen. Das ist klischeehafte Angstmache vor Arbeitslosigkeit und Inflation. Harte Zeiten erfordern dann auch harte Maßnahmen. Wer so infiltriert wird, stimmt zu allem zu. Besonders dann, wenn die persönlichen Lebensumstände beginnen unerträglich zu werden.

Ihnen erscheinen diese Gedankengänge als zu abgehoben, zu sehr irgendwelchen Verschwörungstheorien zugeordnet? Dann möchte ich auf das Buch von Friedrich von Borries verweisen, auf „1WTC“, das auf Tatsachen beruht. Und schließlich sind die Theorien von Bernays, dem Vater der PR, ebenso Tatsache wie die daraus hervorgegangenen mentalen Programmiertechniken (beispielsweise NLP, Neurolinguistisches Programmieren) und Kommunikationsmethoden, die heute im Management westlicher Konzerne alltägliches Werkzeug geworden sind. Wer den ultimativen Egoshooter, das ultimative Spiel beherrscht, so wie es in „1WTC“ beschrieben ist, der hat die Kontrolle über die Gesellschaft. Wer es versteht, der Masse glaubhaft eine Krise zu vermitteln, die es in Wahrheit in der Realwirtschaft, der realen Welt, nicht gibt, sondern nur auf einem fiktiven Geldmarkt, dem Finanzmarkt, der wird zum Spieler eines Egoshooters kapitalistischer Art.

Auch Gunter Dueck, Cheftechnologe bei IBM Deutschland, weist in seinem Buch „Lean Brain Management“ (2006) darauf hin, wie man aus Individuen eine Art „ferngesteuertes“ Humankapital macht, gesteuert von willenlosen Idioten, die einem Oberidioten (Ober-Morone) unterstehen. Das Buch wurde wohl von den Wirtschaftseliten missverstanden – es wurde zum Wirtschaftsbuch des Jahres gekürt und so manche Leser sahen darin eine Anleitung für modernes effizientes Management.

Soviel zur Gehirnwäsche in der Führungsebene, die von der rosaroten Wolke ihrer verzerrten Realitätswahrnehmung geblendet ist (siehe dazu auch „Smile or Die“ von Barbara Ehrenreich). Apropos: Besonders im Management findet sich krankhaftes Verhalten, das die Psychotherapie als APS bezeichnet – Antisoziale Persönlichkeitsstörung. Kennzeichen sind häufiges Lügen, irrationales kurzsichtiges Verhalten, überzogene Vorstellungen an Realität, Handlungen an der Grenze zur Kriminalität, ein sehr lockerer Umgang mit Geld, mangelndes Einfühlungsvermögen und Mitgefühl, impulsive Angriffe gegenüber Kritikern. Besonders in Führungseliten findet sich APS als Krankheitsbild. Sie gilt als nicht therapierbar. Studien haben bewiesen, dass mit wachsenden Einkommen die Empathie verloren geht. Das soziale Empfinden ist nur gering bei Höchstverdienern vorhanden. Werden wir – die von den Demonstranten skandierten 99 Prozent – von einer kleinen Elite hochgradig psychisch Gestörter regiert und manipuliert?

Darf man also den 15. Oktober als Teil eines perfiden Planes verhaltensgestörter Eliten verstehen? Als Ausdruck höchster Perfektion in der Manipulation der Massen, im besten Sinn des Vaters der PR? Als Teil eines konzertierten Supercrash mit Schuldenschnitt hin zur Weltregierung und Einheitswährung? Hin zur totalen Kontrolle des Individuums (die Infrastruktur der Videoüberwachung im öffentlichen Raum ist bereits vorhanden), der als Wutbürger zu Demonstrationen aufgehusst wird? Schließlich apert ja parallel zu den Aktivitäten von „Occupy Wallstreet“ das wahre Gesicht des Marktkapitalismus heraus. Nämlich ein menschenverachtendes System, das den Willen des Individuums mittels Werbung und Medien zugunsten unkontrolliertem Konsum von Gütern und Krediten bricht. Einem System, das sich des Euphemismus als Fachsprache bedient, aus Verlusten „Wertberichtigungen“, aus Bankenhilfen „Finanzmarktstabilitätsgesetze“ macht.

Was also tun? Darf ich zur Demo am kommenden Samstag gehen? Ich denke, wir sollten nicht gegen, sondern FÜR etwas auf die Straße gehen. Für die Werte einer neuen Gesellschaft, welche wir freilich erst definieren müssen. Solange wir gegen die Wallstreet, gegen Finanzmärkte, den Marktkapitalismus und die von ihm angezettelten Kriege marschieren, solange geben wir diesen die Menschlichkeit zerstörenden Kräfte nur Aufmerksamkeit und Energie.

Ziviler Ungehorsam ist nicht die Demonstration. Ziviler Ungehorsam ist das Verständnis, wie Missbrauch am Individuum betrieben wird, um aus diesem Missbrauchssystem auszusteigen. Ganz nach der Methode asiatischer Kampfsportarten, welche die Energie des Angreifers ins Leere gehen lässt. Ziviler Ungehorsam ist die Rückkehr zu den Grundwerten des Menschseins, die wir uns niemals nehmen lassen dürfen. Wenn wir Veränderung wollen, müssen wir Teil dieser Veränderung sein und das Gewünschte täglich umsetzen. Wir müssen aufhören Kredite aufzunehmen, müssen fondsgebundene Altersvorsorgen verweigern, bei regionalen Produzenten unsere Lebensmittel einkaufen, sinnlosen Verbrauch von Konsumgütern einstellen, Car-Sharing betreiben und neue Nutzungsmodelle erfinden, die zum Leben nötige Energie durch Sonne, Wind und Wasser und Erdwärme selbst erzeugen, gemeinschaftliches Wohnen gestalten, unsere Kinder selbst erziehen und unterrichten, Almenden gründen, Tauschkreise fördern, soziale Versorgung selbst organisieren. Wir dürfen nicht zulassen, dass ein gutes Leben von monetären Einkünften und Einflüssen zu den Zirkeln der Machteliten abhängig gemacht wird. Ein gutes Leben ist das Grundrecht eines jeden Menschen, der geboren wird. Sonst hätte man sich die Geburt ja auch sparen können.

Man kann ein Problem nicht damit lösen, indem man den Verursacher des Problems zu ändern versucht oder ihn an den Pranger stellt. Wir müssen über den Tellerrand blicken und mit Kenntnis über die Funktionsweise des angeprangerten Systems aus diesem aussteigen. Statt Demonstrationen zu organisieren, sollten wir Gruppen organisieren, in denen wir uns gegenseitig beim Ausstieg aus dem System und unserer eigenen kontrollierenden Verhaltensweisen unterstützen. Der Treibstoff der kapitalistischen Marktdiktatur muss abgegraben werden, mit Menschlichkeit, Toleranz und Frieden. Und nicht mit einer neuen Form des Marktes in einem bestehen bleibenden Menschen- und Gesellschaftsbild, das von Egoismen und koabhängigen Beziehungen geprägt ist.

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