Freitag , 24 Januar 2020
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Apocalypse now oder Warten auf Godot – Wann kommt der Euro-Crash?

7_tage_1_meinung_logoDie Krisen häufen sich gerade dermaßen, dass man fast den Überblick verlieren könnte: Euro-Krise, Schuldenkrise, Börsen-Sturz, Rezessionsgefahr usw. Einen Crash hat es bisher allerdings noch nicht gegeben. Da haben viele Propheten Schiffbruch erlitten. Weder jede einzelne Krise noch deren Häufung brachten bisher das System zum Einsturz. Fast scheint es, als würde es den politischen und ökonomischen Spitzen gelingen, immer wieder im letzten Augenblick den Kopf aus der Schlinge zu ziehen und sich wichtige Zeit zu erkaufen. Der Bevölkerung mutet das alles oftmals so kompliziert an, dass kaum Widerstand aufkommt.

Dabei stellt sich aber erst einmal die Frage, was denn „Systemcrash“ eigentlich heißen soll. Viele reden davon, aber es wird oft nicht klar, was damit gemeint ist. Es gibt im Grunde zwei Extrempositionen zu dem Thema. Die einen verstehen unter dem Systemcrash den Zusammenbruch des gesamten Geld- und Finanzsystems. Danach kommt nicht ein anderes Geld, sondern eine völlig neue Form des Wirtschaftens, womöglich sogar auf kleine Räume bezogen und sehr basisorientiert. Die anderen verstehen unter einen Crash einfach eine schwere Wirtschafts- und Finanzkrise, bei der es zu einer Währungsreform kommt, wie immer am Schluss die Währung dann heißen mag. Irgendwo dazwischen liegen die Vertreter der österreichischen Schule der Nationalökonomie, die in der ständigen Geldschaffung durch Verschuldung das Problem sehen. Manche hoffen nach einem Crash diesen unseligen, zu immer neuen Krisen führenden, Kreislauf stoppen zu können.

Wie grundlegend wird der Einschnitt tatsächlich sein? Ehrlich beantworten kann das niemand. Dazu müsste man alle Bedingungen dieses großen Krisenspiels kennen und auch die gegenseitigen Wechselwirkungen und Verflechtungen berücksichtigen. Das vermag kein Mensch. Es ist durchaus möglich, dass es durch ein ganz radikales Zusammenwirken von Umständen zu einem derartigen Zusammenbruch kommt, dass unsere Generation sich auf eine völlig neue Art des Wirtschaftens einstellen muss. Möglich ist das, es ist aber nicht wahrscheinlich, ja sogar ziemlich unwahrscheinlich. Viel realistischer, dass es gelingt, die Krise einzudämmen und es am Ende „nur“ zu einer Wirtschaftskrise mit Währungsreform kommt. Allen Apokalyptikern, die jetzt enttäuscht sind, sei gesagt, dass auch dieses Szenario zu großen Friktionen führen wird, eingeschlossen einen Wandel der politischen Klasse und eine Umformung des Parteiensystems.

Bleibt noch die Frage nach dem Zeitraum. Manche sehen in diesem Jahr den Crash, manche in fünf Jahren. In Anbetracht der Reserven, die das Wirtschaftssystem besitzt, kann man getrost von fünf Jahren ausgehen. Die Herrschenden haben einfach zu viel Kredit und geben sich auch gegenseitig zu viel Kredit, als dass es zu einem schnellen Kollaps kommen könnte. Dabei ist nicht nur der finanzielle Kredit gemeint, sondern auch der Kredit bei der Bevölkerung. Der ist noch lange nicht aufgebraucht. Zudem verdient die Finanzindustrie sehr viel Geld mit der Euro-Krise und wird das erst einmal so weiterführen wollen. Und im Übrigen werden sich die Rating-Agenturen hüten, Deutschlands finanzielle Kreditwürdigkeit herunterzustufen, denn damit würden sie das System, auf dem die EU beruht, zum Einsturz bringen. Daran hat niemand ein Interesse. Noch nicht.

Ein Kommentar von Christian Weilmeier

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