Dienstag , 21 Mai 2019
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Eine schiefe Optik – Die Verquickung zwischen Politik und Journalisten

parlament_wienWenn sich Politiker zu Gesprächen treffen, kann dem außenstehenden Beobachter durchaus Befremdliches auffallen. Denn eine bekannte Beraterclique taucht äußerst hektisch am Eröffnungstag einer solchen Tagung auf. Gesichtswäsche ist angesagt. Schließlich geht es um Aufträge, die mit öffentlichen Geldern finanziert werden – gemeint sind Hotels, Parkdecks, Einkaufszentren, Wohnparks und diverse öffentliche Infrastruktur. Ein Narr, wer dahinter Peanuts vermutet – es geht um Millionen, es geht um Fördermillionen. Was aber weitaus irritierender wirkt ist der Umstand, diese Veranstaltungen, die sich nach außen hin als unverbindliche Treffen für Erfahrungsaustausch und interner Weiterbildung präsentieren, werden von Politikjournalisten namhafter Medien moderiert.

Ein österreichischer Eventmanager meinte unlängst, man müsse in Österreich jemanden kennen, der wiederum jemanden kennt, welcher dann ebenfalls einen kennt, mit dem die eigene Karriere erfolgreich möglich wird. Nicht die Leistung zählt, sondern das persönliche Netzwerk, die Freunde die man hat. Böse Zungen ergänzen: Man müsse auch noch angepasst und formbar sein, sich der Kunst des Anbiederns verstehen. Das hat etwas vom Höfling, der sich der Herrschaft dienstbar erweist. Wer sich auf diese Art des Netzwerkens nicht versteht, dem scheint die Karriere hierzulande verwehrt. Kein Wunder also, wenn die Beraterclique das kommunale Treffen zum Netzwerken nützt.

Was aber tun Journalisten bei einer solchen Tagung? Dann nämlich, wenn sie nicht in ihrem journalistischen Auftrag anwesend sind. Wenn sie die Veranstaltung und die Podiumsdiskussionen moderieren? So führt ein Chef der Innenpolitik eines öffentlich rechtlichen Senders schon als quasi alter Hase durchs Programm. Er zählt seit ein paar Jahren zum Inventar dieses Politikertreffens.

Und was tut ein Chefredakteur einer österreichischen Tageszeitung als Moderator am Podium dieser Veranstaltung. Einer der Vorgänger des besagten Chefredakteurs moderierte ebenfalls – ein namhafter Vertreter der schreibenden Zunft mit Fachgebiet Politik, der auch bei der deutschen Die Zeit arbeitet. Und der Obmann der Veranstalterorganisation war bis vor ein paar Jahren ebenfalls Chefredakteur und dieser Zunft verpflichtet – Politiker und Journalist.

Auch ein Kommentator österreichischer Innenpolitik einer anderen Tageszeitung moderierte die Politiker an einem dieser drei Tage Netzwerktreffen. Und zur Abrundung des Moderatorenteams gesellte sich noch eine Politikjournalistin einer weiteren Tageszeitung dieses Landes, die sich auch schon beim öffentlich rechtlichen TV-Sender engagiert hatte.

Ich möchte die journalistische Qualität dieser Kollegen nicht infrage stellen. Schließlich erhielten sie Preise – auch für Qualitätsjournalismus. Doch der Eindruck eines gewissen Nahverhältnisses zur Politikelite des Landes könnte schon vermieden werden. Gerade jetzt, wo der Journalismus ins Kreuzfeuer der Kritik durch einen Rupert Murdoch geraten ist, sollte man mehr denn je die eigene Rolle hinterfragen. Denn es gibt professionelle Moderatoren. Die würden diesen Job bei derartigen Veranstaltungen bestimmt ebenso gut bewerkstelligen. Warum sich also dann der österreichischen Politikjournalisten und Chefredakteure bedienen?

Es scheint so, also habe man hierzulande das Bewusstsein für einen Interessenskonflikt völlig verloren. Genauso wenig wie man als Redakteur einer Zeitung gleichzeitig als Anzeigenverkäufer desselben Blattes auftreten kann, genauso sollte es selbstverständlich sein, von Moderatorenrollen generell Abstand zu nehmen. Besonders dann, wenn es sich um Moderation von Veranstaltungen handelt, deren Thema das eigene journalistische Ressort betrifft.

Der oftmals kritisierte Mangel an Objektivität der Medien müsste zur Selbstkritik erziehen. Die enge Verknüpfung zwischen Politik und Medien tut keiner Demokratie gut. Zu nahe ist die Versuchung, sich anfüttern zu lassen oder einer bestimmten politischen Meinung wohlgesinnt entgegen zu treten. Ich spreche dabei aus persönlicher Erfahrung. Auch mir wurden Angebote entgegengetragen, um an die „richtigen Informationen“ zu gelangen, um der Politik in der Region nicht zu schaden. Lehnt man ab, darf man mit Klagsandrohung für veröffentlichte Artikel rechnen. Eine solche bestimmt wohlgemeinte Geste existiert schon in den untersten Rängen dieser eigenartigen „Aristokratie der Politik“ – Kommunalpolitiker bieten sie an. Schließlich sei man geneigt, bei wohlwollender Berichterstattung auch Inserate zu schalten. Wie im Kleinen, wohl auch im Großen – hier lernt Hänschen sein Handwerk.

Ob diese Praxis auch in Deutschland eine gängige ist, sei dahingestellt. Das kleine Österreich scheint sich aber grandios auf einen völlig verharmlosenden Umgang zwischen Politik und Journalismus auf traditionelle Art zu verstehen. Man denke dabei nur an Helmut Zilk – Politiker, Journalist und Spion für den tschechischen Geheimdienst. Zilk begann als Journalist und stieg danach ins Politikgeschäft ein, um jedoch dem Journalisten in ihm bis zu seinem Lebensende treu zu bleiben. Auch er moderierte Sendungen im öffentlich rechtlichen Fernsehen. Eine Karriere nach österreichischem Maß eben. Und kommunale Treffen der österreichischen Politikszene scheinen wohl lohnbringende Netzwerktreffen zu sein. Ganz besonders dann, wenn der moderierende Journalist mit den am Podium zu moderierenden Ministern gemeinsam studiert hat.

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