Dienstag , 20 August 2019
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Diplomatie – Wenn nicht nur diese Kunst mit Füßen getreten wird

release_ai_weiweiEi wei! Wie sehr hat die hohe Kunst der Diplomatie doch gelitten: Einst gab es hie und da noch Meister, die mit geschicktem Taktieren das Bestmögliche für ihre Auftraggeber herausholten, ohne dem Gegenüber die Möglichkeit zu rauben, das Gesicht zu wahren. Heutzutage genügt es völlig, zumindest im Zusammenhang mit unserer Regierung, mit zweitklassiger Wolle einen grobmaschigen Filzpullover zu stricken, schon lässt Mann/Frau/Westerwelle, voll Freude über dieses „wind- und wettertrotzende Kleidungsstück“, die Menschenrechte im Regen stehen.

Rechtzeitig vor Eintreffen der größten China-Delegation seit 1972 in Berlin wurde Regimekritiker Ai Weiwei nach seinem Verschwinden am 3. April 2011 „freigelassen“. Diese von Schuldeingeständnis, Hausarrest und Maulkorb begleitete Tatsache veranlasste unseren Außenminister, China Fortschritte beim Thema Menschenrechte zu attestieren, wie in den Nachrichten zu hören war. Leider vergaß er die eingeschlagene Richtung zu erwähnen, in welche sich diese Schritte fortbewegen. Laut SpiegelOnline reichen schon banale Meldungen via E-Mail oder Twitter und der Schreiber verschwindet spurlos. Menschenrechtsanwälte werden ebenfalls inhaftiert, und fragen Sie mal in China stationierte Mitarbeiter ausländischer Firmen, ob es ihnen jetzt, wie vor einigen Wochen noch, möglich ist, vom privaten Internetanschluss aus ins internationale Netz zu gelangen. Fragen sie dies bitte niemals per Mail bzw. erst nach erfolgreicher Ausreise des Angesprochenen, diese könnte sich sonst verzögern. Erfolgreiche wirtschaftliche Zusammenarbeit ist durchaus auch mit Rückgrat möglich, knüppelt man jedoch ohne Not Werte und eigene Standpunkte nieder, kann es passieren, dass längerfristig nicht nur unsere Wälder abgeholzt werden.

Aber soweit denken unsere schwarz-gelben Möchtegerndiplomaten nicht. Es geht allein ums politische Überleben, da wird selbst die Rentenanpassung zum 1.Juli um sagenhafte 0,99 % als Erfolg verkauft. Dabei sorgt allein schon die Teuerungsrate von 2,3 % dafür, dass dieses Geschenk als schallende Ohrfeige beim Empfänger eintrifft. Die versicherungsfremden Leistungen, die nach wie vor aus der Rentenversicherung finanziert werden, tun ihr Übriges dazu, ebenso die Ungleichbehandlung Pensionären gegenüber.

Einen Erfolg können die solchermaßen instinktlos handelnden Verantwortlichen endlich doch verzeichnen: Sie schafften es tatsächlich, die Geduldigste aller Generationen auf die Straße zu bringen: Die „Rentnerinnen und Rentner Partei“ ruft den 2., bzw. den 9.Juli 2011 zum „Tag des Zorns gegen das Rentenunrecht“ aus; sie kämpfen damit, gemessen an der wohl eher unterdurchschnittlich verbleibenden Lebensrestzeit, überdurchschnittlich engagiert für alle Generationen. Hier kann man Solidarität zeigen, die Teilnahme an den Unterschriftaktionen und Demos erfolgt schließlich ohne Zwang, der Partei beitreten zu müssen. Solidarität jedoch würde auch Tendenzen bei manchem Politiker entgegenwirken, aus reinem Wahlkampfkalkül die Alten als Last für die Jungen darzustellen und einen willkommenen Keil zwischen die Generationen zu treiben: Denn wer streitet, wird abgelenkt von einer uferlosen Selbstbedienungsmentalität, die aktuell unseren Volksvertretern Diätenerhöhungen in den kommenden zwei Jahren von jeweils monatlich bis zu 300 Euro beschert! Diese wiederum erhöhen auch die Pensionsansprüche, die wir, pro Kopf derzeit mit 24.009 Euro Staatsschulden belastet, stemmen müssen. HIER ist diplomatische Zurückhaltung wirklich fehl am Platze.

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