Sonntag , 26 Mai 2019
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Irgendwas war noch … ach ja, Fukushima!

fukushima_arbeiter_planZu Zeiten des Eisernen Vorhangs konnte man die Dinge noch leicht in schwarz-weiß einteilen – der veraltete Fernsehempfänger half da noch dazu. Sprach man vom großen Staatszirkus, tourten fremdartige Artisten durchs Land, die sich in ihrer Akrobatik genauso atemberaubend perfekt verbogen wie deren Aufpasser, um jedweden Kontakt mit der von westlichen Einflüssen kontaminierten Außenwelt zu verhindern. Der Zirkus um Fukushima vermag  indes stümperhaft den Blick auf die Ruine unter Plastikplanen verhüllen, nicht aber die ein oder andere Information über die hilflosen Reparaturversuche der Betreiberfirma. Zugegeben, das Informationsbächlein kann bei Weitem nicht mehr mithalten mit der Flut an kontaminierenden Stoffen zu Lande, zu Wasser und in der Luft. In Japan selbst kommen Informationen für die um Japans künftige Energiepolitik diskutierenden Politiker von eben den Bürokraten, die ihren Landsleuten die Atomkraft bisher als absolut sicher verkauft haben. Dies kritisieren zumindest Anti-Atomkraft-Aktivisten, wie in einem Artikel der Financial Times Deutschland vom 22.06.2011 zu lesen ist. Und die Welt schaut erschrocken und scheinbar tatenlos zu.

Anscheinend ist alles noch viel schlimmer: Mit Hilfe ausgeklügelter Technik made in USA und Frankreich sollten mehr als 100.000 Tonnen Wasser, das nach der Havarie zur Kühlung der Reaktoren eingesetzt wurde, von Cäsium und anderen radioaktiven Materialien sowie Öl und Meersalz befreit werden. Das aufbereitete Wasser sollte dann zur weiteren Kühlung verwendet werden. Wie auf tagesschau.de weiterhin zu erfahren war, endete der für mindestens einen Monat veranschlagte Pumpeneinsatz nach genau fünf Stunden. Systemschäden entstanden „womöglich wegen einer höher als erwarteten Strahlenbelastung“, „möglicherweise sei besonders stark verseuchter Dreck in die Anlage eingedrungen und habe diese verschmutzt.“ Mit anderen Worten: Egal, ob Fernost, überm Großen Teich oder (nebenan) in Europa: Nirgendwo scheint die Technik der von Menschenhand geschaffenen Energiegewinnung beherrschbar zu sein. Wenn bisher kein Argument der Kritiker stach – dann wohl dieses.

Möglicherweise steht den Amerikanern derzeit auch aus eben diesen Gründen, nicht nur im Überschwemmungsgebiet des Missouri, das Wasser bis zum Hals: Das sonst schon fast reißerische Mitteilungsbedürfnis ertrank – bisher haben nur wenige überregionale US-amerikanische und europäische Medien über den Vorfall berichtet.

Mit den gesundheitsgefährdenden Folgen aus solchen „Zwischenfällen“ steht es kaum besser: Laut dpa wurde rund drei Monate nach der Katastrophe in Fukushima bei einer Einfuhrkontrolle am Pariser Flughafen Charles de Gaulle in einer Lieferung radioaktives Cäsium nachgewiesen. Die französische Generaldirektion für Verbraucherschutz teilte mit, dass die Belastung mehr als doppelt so hoch gewesen sei wie erlaubt.

Weit beunruhigender als solche kaum überraschenden Veröffentlichungen dürfte sein, was NICHT mitgeteilt wird. Solange die WHO beispielsweise noch durch die Resolution WHA12-40 in ihrer Informationspolitik von der IAEO geknebelt werden kann, wir berichteten darüber, dürfte eine schonungslose Aufklärung der Bevölkerung nicht gegeben sein.

So gesehen müsste sich die Zahl der friedlichen und mit demokratischen Mitteln entstandenen Mahnwachen nicht nur verzehnfachen, sondern potenzieren – nicht zuletzt deshalb, um extrem ausufernder Gewalt, egal welcher Couleur, den auf Frust gedeihenden Nährboden zu entziehen. Wenn wir diesem Zirkus weiterhin tatenlos schulterzuckend zusehen und die ohnehin spärlich empfundenen Möglichkeiten einer Demokratie achtlos brachliegen lassen, werden wir sie womöglich nur mehr mit fesselnden Kettenbahnen verschlossen vorfinden.

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