Dienstag , 11 Mai 2021
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Schuften bis zum Umfallen, zur Freude des Herrn Rösler

senioren_am_strandFolgende Meldung las ich bei DRadio in den Nachrichten. Diesen Sender schätze ich sehr und ich verlasse mich in der Regel auch auf die dort vermittelten Informationen. Mehrmals am Tag schaue ich auf die Nachrichten, welche unter „dradio.de“ angeboten werden. Heute war es wieder einmal ein ganz besonderes Vergnügen. Ich las Neuigkeiten von den „Wirtschaftsweisen“ und der Freude unseres neuen Bundeswirtschaftsministers über diese Weisheiten. Nach dem Genuss der besagten Meldung fühle ich mich als „Wirtschaftswaise“, aber bitte, lesen sie selbst:

Angesichts der Bevölkerungsentwicklung in Deutschland haben die so genannten Wirtschaftsweisen eine Anhebung des Renteneintrittsalters auf 69 Jahre gefordert. Ohne einen solchen Schritt drohe ein dramatischer Anstieg der Staatsschulden, heißt es in einem Bericht des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Darin wird vorgeschlagen, bis zum Jahr 2045 das Rentenalter auf 68 und bis 2060 auf 69 Jahre zu erhöhen. Bundeswirtschaftsminister Rösler begrüßte das Gutachten. Die Lebenserwartung steige, sagte der FDP-Chef in Berlin. Dieses Geschenk müsse man nutzen, um die Arbeitsmärkte und Sozialsysteme für die Zukunft fit zu machen.

Soweit die Information über den Freudenspender von Herrn Rösler. Ich denke bestimmt, der Herr Rösler, als mitfühlender Liberaler vorgestellt, er wird zu einer großen Feier einladen. Aber was wird denn wohl gefeiert werden? Feiert er als Mediziner den Fortschritt der steigenden Lebenserwartung, welcher den früheren Kollegen ein geradeso ausreichendes Einkommen garantiert? Feiert er die wahren Helden der Arbeit, welche auch mit 69 Jahren als erfahrene Kräfte Frau und Mann stehen, damit die Geschichte mit dem Bruttosozialprodukt hinhaut? Müllmänner, Krankenschwestern, Dachdecker, Busfahrerinnen, Polizisten, Putzfrauen – ihr seid gemeint.

Ich habe mich für die Version 2 entschieden. Er meint die Erhöhung der Lebenserwartung nicht, trotz aller wirtschaftlichen Aspekte für die Gesundheitsindustrie. Leute, wir haben Pech, nichts ist mit dem Ausruhen. Herr Rösler meint damit zweifellos die Anhebung der Altersgrenze auf 69, wenn man dann überhaupt noch Rente bekommt. All jenes, welches in 40 bis 50 Jahren Berufsleben einbezahlt wurde, es reicht hinten und vorne nicht, weil es nämlich nicht mehr da ist. Und es ist nicht mehr da, weil alle Regierenden in den letzten 50 Jahren so getan haben, als würde unser Notgroschen, unser Erspartes ihnen persönlich gehören. Und da der Zaster jetzt fehlt, ein Schuldiger dringend gebraucht wird, deswegen kommen wir jetzt wieder ins Spiel – als Schuldige. Es ist mit einem Gesetzesentwurf zu rechnen, welcher ein Ableben nach dem 70. Geburtstag zwingend vorschreibt. In irgendeiner Schublade liegt er schon. Auch ist in diesem Referentenentwurf klar geregelt, dass die Kosten nicht den Arbeitgebern aufgebürdet werden dürfen. Für die sozial Schwachen gibt es eine Sonderregelung, auch an die Gründung eines Entsorgungsfonds wurde gedacht.

Schon gut, schärfste satirische Überzeichnung einer einfachen Freudenkundgebung eines sehr einfachen Wirtschaftsministers. Ich gebe zu, das wird es so nicht geben. Aber was es geben wird, das kann ich ihnen genau sagen. Der Rat der Weisen wird im nächsten Jahr dringend darauf hinweisen, dass die Sozialausgaben nicht geschultert werden können, wenn die Lebensarbeitszeit nicht auf die Grenze von 71 Jahren erhöht wird.

Leute, haltet euch fit, es wird so kommen. Und damit ihr mit 71 noch auf Intensivstationen pflegen könnt, als Polizisten Verbrecher fangen, als Busfahrerinnen Busse fahren werdet, als Dachdecker Dächer decken könnt, und dass ihr dann als Putzfrauen mit 71 noch Referentenbüros reinigt, deswegen geht regelmäßig zum Arzt. Damit ist uns dann allen gedient.

© Peter Reuter

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