Dienstag , 15 Juni 2021
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Von allen Kräften verlassen? Der Sinneswandel des K.T. zu Guttenberg

guttenberg_ortsschildEinige Stunden ist es nun her, dass Karl Theodor zu Guttenberg die Konsequenzen aus seinem multiplen Fehlverhalten gezogen hat. Und genau seit dem Moment, als er in einer Pressekonferenz während der keine Live-Bilder erlaubt waren(!?), die magischen Worte gesprochen hat, kreiseln meine Gedanken, wie man den Rückzug bewerten und kommentieren sollte. Kein einfaches Unterfangen, denn die Entwicklung war nun doch deutlich schneller als erwartet, zumindest aus meiner persönlichen Sicht. Trotzdem ist es den Versuch wert, das niederzuschreiben, was die cerebralen Windungen durchläuft, auch wenn vieles davon in den spekulativen Bereich fällt und wohl nie aufgeklärt werden kann.

Noch am gestrigen Abend habe ich im Kollegenkreis gemutmaßt, dass es eine spannende Woche wird und ich nicht vor Ende derselben mit einem Rücktritt oder Rauswurf rechne. Dass es irgendwann soweit sein würde, war mir eigentlich klar, aber ich hatte vor längerer Zeit auch schon damit kalkuliert, dass die schwarz-gelbe Koalition den Jahreswechsel 2010/2011 nicht überstehen würde. Man täuscht sich eben doch häufiger als man möchte. Doch diesmal war der Fall ja recht klar. Schwarz auf weiß lagen die Beweise auf dem Tisch und trotz allem wollte der Landadelige nicht zugeben, dass er mit voller Absicht und vorsätzlich gehandelt hat. Oder Handeln hat lassen.

Für so viel Dreistigkeit, gekrönt durch die Unterstützung der Kanzlerin, war meine zutiefst innere Hoffnung das Auftauchen des vermeintlichen Ghostwriters, der durch seine Aussage nicht nur den Minister, sondern auch gleich die komplette Regierungskoalition in die ewigen Jagdgründe befördert hätte und als Kollateralschaden die Bild-Zeitung gleich mit. Denn in diesem Augenblick wäre wohl auch der dumpfsten Dumpfbacke in diesem Land klar geworden, dass hier nicht nur plagiiert, sondern auch hochgradig manipuliert wurde. Was nun zu den potentiellen Gründen für den überraschend schnellen Rückzug führt:

Hat man innerhalb des Beraterstabes bemerkt, dass die Sache nicht einfach auszusitzen ist? Der Versuch ist natürlich legitim, wenn auch nicht ehrenvoll und es wäre nicht das erste Mal in der Geschichte, dass diese Strategie aufgeht. Dummerweise wurde die Rechnung aber ohne die Variable „Internet“ gemacht, die sicherlich einen gehörigen Teil zum Misslingen beigetragen hat. Spannend ist hier der Gedanke, was bei Helmut Kohls Spender-Schweigen herausgekommen wäre, wenn Twitter und Facebook bereits existiert hätten.

Waren die kommenden Landtagswahlen der ausschlaggebende Punkt für den „spontanen“ Schwenk? Immerhin stehen in den kommenden vier Wochen drei Entscheidungen im Kalender und selbstverständlich möchte man in Unionskreisen vermeiden noch ein zusätzliches Argument gegen das Wahlkreuz an der richtigen Stelle ins Rennen zu schicken. Der Sachsen-Anhaltinische Ministerpräsident Böhmer hatte in den vergangenen Tagen ja bereits präventiv Abstand vom Karl Theodor genommen um wenigstens im eigenen Bundesland keine Stimmeinbußen hinnehmen zu müssen, obwohl er selbst nicht mehr kandidiert. Ein cleverer Schachzug, der dem Kollegen Mappus in Baden-Württemberg nicht in den Sinn gekommen ist? Wir werden es nie erfahren.

Oder war es am Ende – und jetzt wird es höchstspekulativ, wir nennen es besser satirisch – zum Schutz der Bild-Zeitung, die bei weiteren möglichen Offenlegungen ihre „Reputation“ als Stimme des Volkes hätte verlieren können? Kam der Befehl zum Rücktritt also von ganz oben? Wer in zehn Jahren ein Drittel seiner Auflage verliert und unter die 3-Millionen-Grenze „abrutscht“ muss sehr wohl abwägen, ab wann es gefährlich wird. Hier geht es nämlich nicht um Ehre, Politik und Freundschaft, sondern um Geld – VIEL Geld wie man vermuten darf. Zudem ist dort auch Verwandtschaft beschäftigt. Man könnte in dem Fall also auch von interfamiliärer Arbeitsplatzsicherung sprechen.

Nun ja, wie bereits oben erwähnt sind das nur Gedanken die einem durch den Kopf schwirren und letzten Endes zählt ja, dass man mit manchen Sachen eben doch nicht so einfach durchkommt, egal wie beliebt man ist und wer einem alles die Stange hält. Ein kleines bisschen Demokratie gibt es schließlich noch, auch wenn sie gefühlt in der Minderheit ist.

Als kleine Randbeobachtung sei noch erwähnt, dass die Frau Merkel bei ihrem Statement heute Nachmittag erstaunlich gut gelaunt war, obwohl die gesagten Worte etwas anderes ausdrücken sollten. Ein wohlwollendes Lächeln und die Zulassung einer dritten Frage durch die anwesenden Journalisten waren aber nicht zu übersehen. Geberlaune durch innere Freude über das Abdanken des einzigen noch verbliebenen potentiellen Konkurrenten? Auch das natürlich reine Spekulation. Aber Gedanken wird man sich ja noch machen dürfen!

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