Dienstag , 15 Juni 2021
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Es wird immer unerträglicher: Bild startet „Ein Herz für Guttenberg“

bams_titel_guttenbergAls der Mann mit den vielen Vornamen, nennen wir ihn hier kurz KTzG, im Jahr 2009 seinen Job als Interims-Wirtschaftsminister angetreten hat, war mein erster Gedanke: Schau an, die CSU hat mal was jung-dynamisches aus der Schublade geholt. Möglicherweise lag meine damalige Sympathie auch in der Tatsache begründet, dass KTzG und ich das musikalische Schaffen von AC/DC gut finden und wir beide fränkischen Ursprungs sind. Auch sind wir beide Träger eines Titels, wobei ich unverblümt zugebe, dass mein „Lord of Glencairn“ auf minimalem Landbesitz – ein Squarefoot – in Schottland zurückgeht, bei ebay zu bekommen ist und mir weiland als Geburtstagsgeschenk überreicht wurde. Adoptionsanfragen sind also sinnlos!

In der Folgezeit habe ich das was KTzG getan und geleistet hat mit zunehmend kritischerem Blick beobachtet und musste an manchen Stellen zwar mit dem Kopf schütteln, konnte aber nicht umhin, ihn als überaus geschickten Politiker anzusehen. Bis dann, vor nunmehr knapp zwei Wochen, diese unsägliche Doktorarbeit unter die größte Lupe aller Zeiten gezerrt wurde. Mein spontaner Kommentar den ich damals via Twitter abgesondert habe: „Der Guttenberg hat abgeschrieben? Wenn jetzt noch rauskommt, dass er seine Frau beim Poker gewonnen hat, wirkt er beinahe menschlich!“ Für mich stand fest, dass er auch diese Krise, sofern es denn eine wird, das stand an dem Tag noch nicht fest, meisterhaft überstehen würde. Adel verpflichtet schließlich und wer einen Bock schießt sollte dazu stehen.

Sind wir mal ehrlich, jeder – und ich betone JEDER – hat schon einmal ähnliches getan, wie KTzG. Möglicherweise nicht im gleichen Umfang und in derselben Liga, aber eben vorsätzlich und in der starken Hoffnung nicht erwischt zu werden. Wer frei von Schuld ist, werfe bitte den ersten Stein!

Eine KTzG-Aussage wie „Ja ich habe damals keine Lust mehr gehabt, dafür umso mehr Mut zur Lücke. Ich gestehe alles, Menschen machen Fehler, ich werde mit den Konsequenzen leben, ich nehme alle Schuld auf mich“, wäre daher aus meiner Sicht die Lösung des Problems gewesen. Gefolgt von einer guten Portion spöttischer Kommentare hätte man den Fall recht schnell vergessen, da bin ich mir sicher. Aber was macht unser Vorzeige-Polit-Shooting-Star? Er stellt sich, man verzeihe mir das folgende Wort, kackendreist hin und spricht von „abstrus“, anschließend von „handwerklichen Fehlern“ und zieht auch noch die Mitleidskarte mit „junger Familienvater“*.

Wer sich an dieser Stelle nicht ebenso wie ich persönlich belogen und betrogen fühlt, dem spreche ich jeglichen – ich betone: JEGLICHEN – gesunden Menschenverstand ab. Und damit wären wir auch an dem Punkt angelangt, der mich mittlerweile zwischen auswandern und innerlich Amok laufen wanken lässt. Laut Telefonumfrage der Zeitung mit den vier Buchstaben sind es fast 90% der deutschen Menschheit auf die das zutrifft. Erstaunlicherweise waren es bei einer Online-Umfrage auf gleichnamiger Webseite nur 35%, was mich beinahe in Euphorie hat ausbrechen lassen. Aber dieses Ergebnis wurde von amtlicher Stelle mit dem Argument weggebügelt, dass hier offenbar viele der rund 600.000 Teilnehmer doppelt und mehrfach abgestimmt hätten. Natürlich käme niemand – ich betone: NIEMAND – auf die Idee mehrfach anzurufen, es kostet schließlich Geld. Das ist außerdem sogar glaubwürdig, denn egal wie viele Anrufe da eingegangen sein mögen und welche der beiden Pro- oder Contra-Rufnummern mehr frequentiert waren, das Ergebnis stand bereits vorher fest, es ist nämlich Teil der von wem auch immer finanzierten Kampagne „Ein Herz für Guttenberg“ die heute mit der auf der Titelseite zu findenden Schlagzeile „So leidet Guttenberg“ ihren vorerst traurigen Höhepunkt gefunden hat.

Apropos „finden“, ich lebe seit einigen Tagen in der Hoffnung, dass der ominöse Ghostwriter der „Doktorarbeit“ gefunden wird oder selbst an die Öffentlichkeit tritt und dann die ganze verlogene Bande die Quittung für ihr widerwärtiges Handeln bekommt. Es ist schlicht und ergreifend unerträglich, wie man uns hier für dumm verkauft.

* Ein „Best of KTzG-Aussagen“ ist auf der Homepage der Tagesschau zu finden, nur falls jemand noch Nachholbedarf hat.

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