Samstag , 24 August 2019
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Die Hysterie hat einen Namen: de Maiziere

Nie sei die Sicherheit Deutschlands so bedroht gewesen, wie in diesen Tagen, verkündet er vor laufenden Kameras und die Gazetten drucken eifrig ab, was ihnen da präsentiert wird. Und siehe da: Pünktlich vor der Innenministerkonferenz findet sich ein gefährliches Gepäckstück in einem Flugzeug aus Namibia, das Richtung Deutschland unterwegs ist.  Waffenstarrende Polizei ist plötzlich auf den Straßen. Der Chef der Polizeigewerkschaft GdP lässt öffentlich beim Bundesinnenminister anfragen, wie sich denn die Bevölkerung nun verhalten solle. Den Polizeibeamten wird gar der Urlaub gestrichen, weil Gefahr im Verzuge sei. Hoch schwillt die Welle der Angst.

anti_terror_kaempferOnline-Ausgaben von Zeitungen testen ihre Leserschaft mit der Frage nach deren Sicherheitsgefühl. Und siehe da: Kaum ist die Innenministerkonferenz vorüber, eilt der Bundesinnenminister erneut vor die Mikrofone, um der erstaunten Öffentlichkeit mitzuteilen, jenes Gepäckstück dort im fernen Afrika sei ein „Testkoffer“ gewesen und er könne nicht ausschließen, dass eben jener „Testkoffer“ „von deutschen Sicherheitsbehörden platziert“ worden sei.

Ja, wo samma denn? „Er könne nicht ausschließen?“ Was weiß der Innenminister eigentlich? Wie koppelt er sich eigentlich mit dem Kanzleramt? Es ist unglaublich lächerlich. Avanti Dilettanti! Zeigt grobe handwerkliche Fehler in einem hochsensiblen Feld: der Innenpolitik. Das Parlament reagiert prompt. Debatten nach „Vorratsdatenspeicherung“ werden erneut lautstark geführt. Die Protagonisten der jeweiligen Position tönen ihre alten Argumente erneut in immer noch bereitstehende Mikrofone. Das Land erregt sich. Und fängt an zu lachen.

Bei Facebook und Twitter werden die Kommentare bissig und zynisch. Die Leute beginnen, „die da oben“ einfach auszulachen. Der „Test“ geht nach hinten los. Typischer „Testkoffer“: ein Furz eben.

Diese ganze Sicherheitshysterie ist ein gewaltiger Irrglaube: dass der Staat die Menschen von Anschlägen sichern könnte in Zeiten privatisierter Gewalt. (Eppler) Es ist ebenso ein gewaltiger Irrtum, zu glauben, dass sich die Sicherheit durch „Warnungen“ wie die des Bundesinnenministers erhöhen ließe. Studien vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung zeigen, dass häufig das Gegenteil der Fall ist. Im Übrigen zeigt die nüchterne Statistik, dass die Wahrscheinlichkeit, durch einen Terroranschlag ums Leben zu kommen um ein Vieltausendfaches niedriger liegt, als im Lotto einen Sechser zu gewinnen.

Die Sicherheitsbehörden sollen in der Stille ihre Arbeit tun. Aber sie sollen aufhören, mit der Angst der Leute zu spielen. Was also ist die Botschaft jener bizarren Geschichte vom „Testkoffer aus Namibia“? Die Botschaft soll sein: „wir haben alles im Griff. Die Sicherheitsbehörden funktionieren. Der Staat ist handlungsfähig.“ Aber das ist nicht die Botschaft.

Die reale Botschaft ist: „wir haben euch verklapst. Wir haben mit euren Ängsten gespielt. Denn wir wissen wie Ihr: eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Kann es nicht geben. Denn das Leben lässt sich nicht versichern.“

Ein Gastbeitrag von Ulrich Kasparick

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