Samstag , 25 Mai 2019
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Noch ein Arbeitsloser weniger: Roland Koch bekommt einen Job

koch_spargelstechenIm Mai hat die gesamte Republik gestaunt, als Roland Koch vollkommen unerwartet seinen Rücktritt von allen politischen Ämtern angekündigt hat. Ende August war es dann soweit und nach nun nicht einmal zwei Monaten hat der Mann schon wieder einen Job. Sogar einen ziemlich hoch dotierten, wie man annehmen darf, er wird im kommenden Jahr Vorstandsvorsitzender des Bauriesen Bilfinger Berger. Die Bewerbungsunterlagen waren offenbar nicht lange auf einem Stapel gelegen. Das Jobwunder scheint also doch zu stimmen.

Nicht viele, die in der jüngeren Vergangenheit ihre Arbeitsstelle verloren haben, sei es durch Kündigung oder wie im Fall Koch auf Grund einer eigenen Entscheidung, können so eine schnelle Wiedereingliederung in das Arbeitsleben nachweisen. Was aber auch daran liegen mag, dass sie in ihrem alten Job nicht die Möglichkeit hatten, den neuen Arbeitgeber schon ein bisschen vorzuwärmen und die gegenseitige Sympathie ins Rollen zu bringen. Und ganz sicher nicht durch das Zuschieben von Aufträgen in 2-stelliger Millionenhöhe.

Ein Schelm wer Böses dabei denkt, noch dazu wenn die Person, um die es geht, Roland Koch heißt. Dem würde man so ein unmoralisches Verhalten ganz sicher nicht zutrauen. Als treusorgender hessischer Landesvater war er stets um Aufrichtigkeit bemüht, hat in pflichterfüllender Weise dem Volk gedient, dass ihn – zumindest in den meisten Fällen – gewählt hat und war immer in Sorge, dass auf seiner blütenweißen Weste kein noch so kleiner Fleck zu finden ist. Ein Vorbild an Selbstlosigkeit und ein lupenreiner Demokrat!

ausgekocht_coverDoch halt, das stimmt so nicht ganz. Wie hätte wohl sonst ein Buch seine Daseinsberechtigung, das wir an dieser Stelle allen „Koch-Fans“ ans Herz legen möchten: „Ausgekocht“ heißt es und schildert in brillanter Art und Weise das System Koch. Kein Skandal wird ausgelassen und auch dem Nichthessen bisher womöglich unbekannte Details werden anschaulich erklärt. Ein Best-Of vom Allerfeinsten und als Bonus gibt es auch gleich noch die – irgendwie ähnlichen – Machenschaften seines Amtnachfolgers Volker Bouffier mit obendrauf. Was hauptsächlich daran liegt, dass die beiden Herren seit Jahrzehnten am absolut gleichen Strang ziehen. Vetternwirtschaft par Excellence. Nur Franz Josef Strauß und Helmut Kohl haben jemals in dieser Liga gespielt, allerdings zu Zeiten, in denen das Internet noch nicht für eine schnelle Nachrichtenverbreitung gesorgt hat. Von daher ist das Duo Koch/Bouffier wahrscheinlich sogar noch eine Nummer ausgebuffter. An dieser Stelle ein Dank an die beiden Autoren Pitt von Bebenburg und Matthias Thieme für dieses wirklich lesenswerte Werk, das im Eichborn-Verlag erschienen ist und für 14,95 € auf 218 Seiten „Lesespaß“ bietet. Vorrausgesetzt man hat einen stabilen Magen.

Aber zurück zum aktuellen Geschehen.

Wie man bei der Financial Times Deutschland nachlesen kann, ist die Aktie von Bilfinger Berger heute, direkt nach der Bekanntgabe, erst einmal ein gutes Stück eingebrochen, was man durchaus positiv bewerten kann, offenbar sind unter den Aktionären nicht nur Befürworter der fragwürdigen Personalpolitik. Allerdings steht dort auch geschrieben, dass der momentane Boss des Bauunternehmens, Herbert Bodner, mit jährlich 1,4 Millionen Euro für seinen Aufwand entschädigt wird. Für Koch wird ein Salär von ca. 1,5 Mio Euro pro Jahr prognostiziert, das umgerechnet etwa dem 7,9-fachen von dem entspricht, was man als hessischer Ministerpräsident verdient. Sofern das Wort „verdienen“ hier angebracht ist.

Wie immer gibt es aber auch hier und heute etwas positives, an das man ja stets denken soll. Durch diesen offensichtlichen Deal wird hoffentlich auch der letzte Politik-Ignorant darauf aufmerksam gemacht, dass sich etwas ändern muss. Bei sehr vielen Volksvertretern geht es nicht mehr um die Vertretung des Volkes, sondern einfach nur noch um Macht und das daraus resultierende Geld, dass sich über kurz oder lang auf dem eigenen Bankkonto einfindet. Moral und Anstand sind da schlicht und ergreifend fehl am Platz. Und so wäre es wohl auch nicht verwunderlich, wenn sich die Firma Bilfinger Berger schon in nicht allzu ferner Zukunft abermals einen neuen Vorstandsvorsitzenden suchen muss, weil Roland Koch mit einer dicken Abfindung vorzeitig in den Ruhestand geschickt wurde. Ob er das Geld dann für ein Comeback in der Politik nutzt, fällt natürlich ebenfalls in den spekulativen Bereich. Zuzutrauen wäre es ihm! Aber wie gesagt, denken wir positiv!

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