Montag , 8 August 2022
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Eskalation bei Stuttgart 21 – n-tv hilft bei der Analyse

wasserwerfer_stuttgart21Als Journalist hat man es hin und wieder nicht leicht. Noch dazu wenn es um ein brandheißes Thema geht, in diesem Fall das gestrige Fiasko rund um den Stuttgarter Hauptbahnhof. Die Informationen prasseln auf einen ein, alle paar Minuten gibt es Updates, die das bisherige, vermeintliche Wissen über den Haufen werfen und einen bereits begonnenen Text zu reinen Bits und Bytes degradieren. Definitiv kein Job für Nervenbündel oder Menschen denen das Wort Geduld fremd ist. Schließlich möchte man seine Leser informieren und sich selbst nicht zum Affen machen, in dem man irgendetwas nachplappert, das man nur vom Hörensagen weiß und das sich im Nachhinein als Ente erweist .

Allerdings möchte man auch nicht der Letzte sein, der seinen Text abliefert und damit riskieren, dass die potentiellen Leser bereits aus anderen Quellen umfassend informiert sind. Wesentlich angenehmer ist es daher, wenn keine sich überschlagenden Ereignisse mehr gemeldet werden, sich die Situation also soweit beruhigt hat, dass man einmal ohne massiven Zeitdruck darüber nachdenken kann, was da eigentlich gerade passiert ist. Und noch viel wichtiger, warum das so war. Zeit für eine Analyse und einen entsprechenden Kommentar. So hat auch der Schreiber dieser Zeilen die letzten Stunden des gestrigen Tages verbracht. Und dabei wurden die Gehirnknochen ordentlich auf Trab gehalten, denn es galt ein Rätsel zu knacken, ohne dabei in wilde Theorien zu verfallen.

„In der Politik geschieht nichts ohne einen Grund.“ Diesen Satz kann man sinngemäß an vielen Stellen nachlesen und er bestätigt sich ein ums andere Mal, ab und zu auch mit Verzögerung, aber Gegenbeispiele sucht man vergebens. Der Satz stimmt! Basta! Und schon alleine deswegen muss es eine Begründung dafür geben, warum am Donnerstag zur Mittagsstunde die Situation im Stuttgarter Schlossgarten so dermaßen aus dem Ruder gelaufen ist, zumindest aus Sicht des neutralen Betrachters und wahrscheinlich auch aus Sicht derer, die sich zu einer friedlichen Demonstration zusammengefunden haben.

Dass es dort „nur“ um den Bahnhof geht kann man getrost vernachlässigen. Seit mehreren Wochen ist die Politik das eigentliche Thema und ob am Ende ein neuer Schienenstrang, ein öffentlicher Tischtennis-Park, oder Europas größte Leihbücherei entsteht ist eigentlich nur noch Nebensache. Denn es geht um Geld, um sehr viel Geld und vor allen Dingen: Es geht um Steuergeld. Es gibt viele Argumente PRO und ebenso viele CONTRA, wobei in Zeiten klammer Kassen die Gewichtung der gegnerischen Argumentation mehr und mehr dazu gewinnt. Zumal bei solchen Mammut-Projekten erst am Ende fest steht, wie viel der Spaß wirklich gekostet hat. Aufschläge nicht ausgeschlossen, oder sogar zu erwarten. Aktueller Stand sind gut 4 Milliarden.

Und es geht um Prestige, neben Geld wohl der zweitwichtigste Punkt in der heutigen Gesellschaft. Zumindest für die verantwortlichen Politiker und Bauherren. Sie wollen sich ein Denkmal setzen und vergessen dabei, dass sie durch ihr Handeln möglicherweise schon im kommenden März, dann sind Landtagswahlen in Baden-Württemberg, gar nicht mehr in einer Position sind, die für Denkmäler in Frage kommt. Nach dem gestrigen Großeinsatz wird dies sogar immer wahrscheinlicher. Und der Schatten fällt mittlerweile auch auf die Regierung in Berlin, die zwar durchaus noch andere Probleme hat, aber in Gestalt von Bundeskanzlerin Merkel eine Stuttgart-21-Fürsprecherin besitzt, die laut eigener Aussage die Wahl im März zum Volksentscheid über S21 erklärt hat.

Warum also hat die Polizei gegen, nach aktuellem Wissenstand, friedliche Demonstranten, darunter Kinder, Jugendliche und alte Menschen, so unerbittlich Gas gegeben. Und das nicht nur im übertragenen Sinne des Wortes. Die ersten Ideen zur Beantwortung der Frage formierten sich und dann geschah das vollkommen Unerwartete. Per Twitter traf in der Redaktion ein Link ein, zur Webseite eines deutschen Nachrichtensenders, der unter dem Dach der RTL-Gruppe firmiert. Die Rede ist von n-tv. Nicht unbedingt dafür bekannt, außerordentlich systemkritisch zu sein, von daher war das Erstaunen, über das was es dort zu lesen gab, wohl doppelt so groß. Einen Kommentar mit dem Titel „Schärfere Gangart in Stuttgart: Alle Gewalt geht vom Staate aus von Tilman Aretz, dem man dazu nur gratulieren kann. Besser hätte ich es auch nicht formulieren können, deswegen möchte ich dem nichts mehr hinzufügen. Zumindest an dieser Stelle.

Ich will ihnen diesen Text selbstverständlich nicht vorenthalten und hoffe für den Autor, dass er seinen Job auch dann noch besitzt, wenn der n-tv Chefredakteur seine Zeilen gelesen hat.

Link zum Kommentar bei n-tv

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