Samstag , 18 Januar 2020
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Worte eines Spinners oder ein Anstoß zum Nachdenken

Ahmadinedschad1Wieder einmal ist es dem iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad gelungen, für Schlagzeilen zu sorgen. Mitglieder der US-Regierung seien in die Anschläge vom 11. September 2001 verwickelt gewesen. Nicht weniger als 27 Diplomaten verließen daraufhin spontan den Saal. Vieles ist man von ihm gewöhnt, doch nun schließt er sich den Mutmaßungen von Verschwörungs-Theoretikern an. Wie nicht anders zu erwarten, wird diese Behauptung als unverschämte Lächerlichkeit abgetan. Allerdings, auch der Iran verfügt über einen Geheimdienst. Mit Sicherheit setzte sich auch dieser mit den einschneidenden Vorfällen auseinander. Können wir wirklich glauben, dass der Präsident des Landes schlichten Unsinn von sich gibt?

Neun Jahre liegt die tragische Katastrophe, die fast 3.000 Menschenleben forderte, zurück. Wir kennen die offizielle Version mit Osama Bin Laden und Al-Kaida als Drahtzieher und wir wissen von, gewiss nicht unberechtigten, Zweifeln. In Dutzenden von Büchern und Dokumentationen wurden solche im Detail aufgerollt. Für die meisten Menschen scheint der Prozess der Meinungsbildung diesbezüglich abgeschlossen zu sein. Während ein Teil sich einfach nicht vorstellen kann, dass die gesamte Darstellung, wie sie von der US-Regierung abgesegnet wurde, auf Lügen basiert, kümmert sich mittlerweile keine offizielle Instanz mehr darum, die offenen Fragen neu zu behandeln.

Als der ehemalige deutsche Politiker Andreas von Bülow im Jahr 2003 sein Buch „Die CIA und der 11. September“ veröffentlichte, sah er sich natürlich ebenfalls mit schweren Vorwürfen konfrontiert. Bemüht sich jemand, ein verbreitetes Konzept zu widerlegen, ist entsprechende Kritik vorgeplant. Setzt sich jedoch ein Mann, der über politische Erfahrung verfügt, solcher Kritik aus, dann weiß er was er tut. Während Enthüllungsjournalisten umstrittene Theorien aufrollen, um ihren Ruf zu erhalten, bewirken Politiker, auch ehemalige, die das gleiche tun, genau das Gegenteil. Somit könnte man eigentlich davon ausgehen, dass es Andreas von Bülow nicht einfach darum ging, von sich reden zu machen, sondern eher, seine Überzeugung mitzuteilen. Dieser Umstand sollte eigentlich zum Nachdenken anregen.

Wie lässt sich die gegebene Situation nun verstehen, wenn ein amtierender Staatspräsident ebenfalls von sich gibt, dass es durchaus wahrscheinlich ist, dass die Anschläge nicht von Terroristen, sondern von Politikern und Geheimdiensten organisiert wurden? Bleiben wir im Bereich der Objektivität, wenn wir uns herausnehmen, Ahmadinedschad schlicht als dumm, als provokant, als inkompetent, einfach als Spinner  einzustufen? Wäre es nicht zu einfach, die Äußerung eines Staatsmannes, auch wenn dieser allgemein als umstritten gilt, als Unsinn abzutun? Könnte Ahmadinedschad die Äußerungen vor der UN-Vollversammlung bloß von sich gegeben haben, um fragwürdige Sympathien zu gewinnen? Wessen Sympathien?

Grundsätzlich können wir davon ausgehen, dass Ahmadinedschad, in seiner Position, durchaus bessere Informationen zur Verfügung stehen als jedem Journalisten auf dieser Welt. Warum sollte er, wider besseren Wissens, unbegründbare Behauptungen von sich geben, bloß um den westlichen Medien neuen Anlass zu geben, über ihn herzufallen?

Natürlich, entstammten die Zweifel einem anderen Mund, etwa dem eines europäischen, amtierenden Präsidenten oder Kanzlers, wäre es etwas anderes. Dem würde man gewiss mehr Glauben schenken. Aber, was wären die Folgen, würde ein westlicher Staatsmann ähnliche Skepsis äußern? Würde dies zu einem plötzlichen Erwachen führen oder würden wir nicht doch eher in den Zeitungen lesen, Herr oder Frau „Soundso“ sei übergeschnappt, sei zum Verschwörungstheoretiker geworden? Dipolomatische Beziehungen würden darunter leiden. Rücktrittsforderungen stünden im Vordergrund. Die Karriere dieses Ketzers wäre über Nacht zu Ende. Wir können mit Sicherheit davon ausgehen, dass sich kein westlicher Staatsmann finden wird, der dieses Schicksal auf sich nimmt.

Was immer wir über die Menschen, die im Iran leben, und dessen Präsident Mahmud Ahmadinedschad auch denken mögen, was immer wir glauben, was die Ziele der dortigen Politik sein könnten, die jüngsten Äußerungen sind kein harmloser Scherz. Es handelt sich um eine gewagte Behauptung. Es steht uns frei, zu glauben, dass diese aus dem Mund eines geistig unzurechnungsfähigen, gefährlichen Monsters stammt. Wir können Ahmadinedschads Rede vor der UN-Vollversammlung aber auch zum Anlass nehmen, über die Widersprüche im Zusammenhang mit den Hintergründen des Anschlages neu nachzudenken. Eines von vielen Zitaten zur Meinungsänderung lautet, dass dies niemanden verwehrt werden kann, denn schließlich ist es jedem Menschen gestattet, klüger zu werden.

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