Dienstag , 21 Mai 2019
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Der Overkill-Faktor wird um ein Viertel reduziert

trident_I_C-4_raktenabschussWie der Spiegel-Online heute berichtet, ist es nach monatelangen Verhandlungen nun zu einer Einigung gekommen. Die Vereinigten Staaten und Russland wollen jeweils ein Viertel ihrer Atomwaffen und die Hälfte der Trägersysteme vernichten. Abgesehen davon, dass dieses Abkommen in beiden Ländern erst von den Parlamenten Bestätigung finden muss, was würde eine derartige Reduktion der militärischen Schlagkraft letztendlich bewirken? Wie viele Atomsprengköpfe stehen den beiden Supermächten danach noch zur Verfügung und wie sieht der Vergleich mit anderen Atommächten aus?

Ersten Angaben zufolge, wollen beide Länder die Zahl der verfügbaren Atomsprengköpfe auf jeweils 1.550 limitieren (warum eigentlich nicht 1.500?). Die Zahl der einsatzbereiten Trägersysteme soll auf 800 beschränkt werden. Wie sieht die Situation zum gegebenen Zeitpunkt aus?

Selbstverständlich ist auf die angegebenen Zahlen kein hundertprozentiger Verlass, schließlich gehören militärische Daten zu den best gehütetsten Geheimnissen. Den Angaben in Wikipedia zufolge,  verfügen die USA über 9.400 nukleare Sprengköpfe, von denen 2.626 aktiv sein sollen. In Russland liegt die Zahl deutlich höher: 12.000, davon 4.650 aktiv.

Wer steht an dritter Stelle? NATO-Partner Frankreich, mit 300 aktiven Sprengköpfen. Erst dann folgt China, wo es, sofern die Angaben halbwegs der Wahrheit entsprechen, 240, davon 180 aktiv, geben soll.

Am wenigsten Transparenz zeigt dabei die Atommacht Israel. Offiziell hat dieser Staat nie bekundet, über Atomwaffen zu verfügen. Bestätigung fanden diesbezügliche Gerüchte u. a. durch die Affäre um Mordechai Vanunu, der Geheimnisse preisgab, und deswegen zu 18 Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Die Schätzungen der nuklearen Sprengköpfe in Israel liegen jedenfalls zwischen 75 und 400.

Zurück zu den beiden Supermächten. Ungeachtet der nicht miteinander korrespondierenden Angaben zu den Zahlen, was würde es für die Weltsicherheit bedeuten, wenn beide Länder über nicht mehr als 1.550 Atomsprengköpfe verfügten? Atomwaffen sind keine Duellpistolen, sondern es handelt sich um ein Instrument, das zur restlosen Vernichtung unseres Planeten führen kann. Dabei macht es ziemlich wenig Unterschied, ob 300 Sprengköpfe detonieren, 500 oder 1.500. Würde eine, in einem Siedlungsgebiet ansässige Sprengstofffabrik ihre Lagerbestände halbieren, wären die Folgen, im Falle einer Explosion, nicht minder dramatisch.

Natürlich handelt es sich um einen Fortschritt. Gehen wir davon aus, dass dieses Abkommen verifiziert wird, dann könnte schließlich eine weitere Gesprächsrunde folgen, und dann noch eine – und vielleicht, bis zum Ende dieses Jahrhunderts, …

Die Grundsatzfrage, die es zu überlegen gäbe, wäre eigentlich, warum in einer Welt der internationalen Kommunikation überhaupt Bedarf an derartigem Potential von Massenvernichtungswaffen besteht. Solange zwei, an der Oberfläche konträre, politische Systeme nach Vorherrschaft suchten, während der Zeit des „Kalten Krieges“, wirkte der Rüstungswettlauf noch irgendwie logisch. Aber jetzt? Wen gilt es, zu bedrohen? Gegen wen soll sich die mögliche Verteidigung richten? Wer ist der Aggressor, der nicht bereit ist, seine ideologischen Ziele dem Rest der Welt anzupassen?

In diesem Zusammenhang, möchte ich auf den kürzlich erschienen Kommentar von Konstantin Sivkov verweisen. Seinen Analysen zufolge, handelt es sich bei den derzeitigen Konfliktgegnern um kapitalistische gegen ideologische Interessen. Auch ohne der Meinung eines Wissenschaftlers, der vielleicht von nationalen Interessen beeinflusst sein könnte, blindes Vertrauen zu schenken, basieren seine Ausführen mit Sicherheit auf allgemein verständlicher Logik. Seine Ansichten würden sogar erklären, warum in einer hochtechnisierten Welt selbst die Bevölkerung der führenden Industriestaaten immer mehr Not zu leiden beginnt.

Wir sollten erwarten, dass sich die Führer unserer Welt an den Grünen Tisch setzen, um an den grundsätzlichen Problemen zu arbeiten, Spannungen zu lösen, Vereinbarungen treffen, um für den Großteil der Menschheit das Leben auch lebenswert zu gestalten. Und dazu gehört keinesfalls, alle Bürger dieser Erde dem Konsumzwang zu unterwerfen. Stattdessen gibt man sich Bemühungen hin, den Faktor des Overkills etwas zu reduzieren. Ein möglicher nuklearer Konflikt hätte deswegen nicht minder dramatische Auswirkungen.

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