Samstag , 17 November 2018
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Wenn militärische Geheimnisse „zufällig“ gelüftet werden

Zuerst kam die Meldung, dass der Krieg nur 30 Tage dauern werde. Der Krieg gegen den Iran. Was der Welt scheinbar als Beruhigung dienen soll, wird jetzt noch weiter untermauert. Ein Blogger namens Richard Silverstein behauptet, ihm seien die geheimen Angriffspläne in die Hände gespielt worden. Und in Blitzesschnelle berichteten Hunderte von Zeitungen, wie es den Israelis nun tatsächlich gelingen könnte, den Iran innerhalb weniger Tage zu vernichten.

israeli fighterjets moonlight

Gelegentlich kann es durchaus geschehen, dass Geheimnisse ungewollt an die Öffentlichkeit gelangen. Etwa 1986, als Mordechai Vanunu der Londoner Sunday Times Unterlagen über die Herstellung von Atomwaffen in Israel zur Verfügung stellte. Dafür verbrachte er, nachdem er illegal aus Rom entführt wurde, 18 Jahre in Kerkern. Seit seiner „Freilassung“ im Jahr 2004 wurden lediglich die Grenzen seines Gefängnisses etwas ausgedehnt. Er darf weder Israel verlassen noch mit Ausländern Gespräche führen.

Dass ein gewisser Richard Silverstein „Geheimpläne“ preisgibt, scheint die israelische Führung keineswegs sonderlich zu stören. Zu den ersten Zeitungen, die darüber berichteten, zählten YnetNews,Arutz Sheva und Jediot Schronot. Rasch folgten internationale und auch deutsche Medien.

„Bibi“ Netanjahu nutze – so Silverstein – die detaillierten Berichte dazu, den aus acht Mitgliedern bestehenden israelischen Sicherheitsrat von der Einfachheit eines Angriffes auf den Iran zu überzeugen.

Beschrieben wird ein „chirurgischer“ Eingriff. Eine Cyber-Attacke würde erst einmal jegliche Kommunikation, Telefon, Internet, Radio und TV lahmlegen. Sogleich würden Bomben- und Raketenangriffe folgen. Und auch das gesamte Stromnetz des Landes ließe sich restlos ausschalten.

Um welche Tragödie es sich beim restlosen Zusammenbruch jeglicher Infrastruktur insbesondere für die vielen Millionen Bewohner der Städte handeln würde, findet keine nähere Ausführung. Auch für Teheran hat das 21. Jahrhundert schon lange begonnen. Und wenn wir daran denken, was in unseren Landen ohne Strom, ohne Internet und ohne Telefonverbindung alles nicht mehr funktioniert, dann lässt sich leicht vorstellen, was sich in iranischen Städten in kürzester Zeit abspielen würde, wenn es plötzlich an allem Notwendigen, vermutlich mit Trinkwasser beginnend bis zu Lebensmitteln, fehlen sollte.

Viele der Berichte klingen jedoch skeptisch. So einfach sickern militärische Geheimnisse nicht an die Öffentlichkeit. So schnell finden sie keine Verbreitung, schon gar nicht in israelischen Medien. Es scheint sich also eher um eine bewusste Drohung zu handeln. Oder um eine Beschönigung, um eine Beruhigung der Weltöffentlichkeit. Es wird ja nichts geschehen. Es kämen ja keine Zivilisten zu Schaden – außer wenn sie sich um den letzten Laib Brot im Laden prügeln. Dass durch einen derart vernichtenden Militärschlag die Infrastruktur nicht nur zusammenbricht, sondern es gleichzeitig auch an den Möglichkeiten fehlt, diese wieder herzustellen, ließe sich im Nachhinein ja immer noch als „unvorhersehbare“ Konsequenz darstellen. Es bleibt zu hoffen, dass die Entscheidungsträger vielleicht doch noch über einen Funken Vernunft – oder einen Hauch von Menschlichkeit – verfügen.

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