Sonntag , 26 Mai 2019
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Formel-I-Wochenende – Montreal versinkt im Chaos

montreal protest June 9Montreal – Halb Montreal ist in Party-Stimmung. Gleichzeitig sorgen die Proteste der Studenten für Nervosität. Die Sicherheitskräfte sind zu voller Stärke vertreten – und sorgen für mehr Chaos als die wesentlich geringere Zahl von Demonstranten. Doch das System unterliegt einer gewaltigen Belastungsprobe. Die Sorge um Ausschreitungen legt öffentliche Einrichtungen, wie den Polizeinotruf, vorübergehend lahm. Die Behörden sehen sich mit unzähligen Anschlagsdrohungen konfrontiert. Randgruppen nutzen die unkontrollierbare Situation für Einzelaktionen. Selbst in den Montrealer Medien sinkt die Berichterstattung gleichzeitig auf ein Minimum, um keine weitere Beteiligung zu provozieren.

Jedes Jahr, wenn der Große Preis von Kanada auf der Formel-I-Strecke von Montreal abgehalten wird, verwandelt sich die Stadt in ein riesiges Festareal. Besucher kommen aus aller Welt, um dem unterhaltsamen Großereignis beizuwohnen. Unzählige teure Sportwagen, Ferrari, Maserati und Porsche, bieten sich in den Straßen als Blickfang. Freiluftbühnen sorgen für Unterhaltung. Wer Party-Stimmung liebt, den zieht es ins Zentrum von Montreal.

Doch gleichzeitig protestieren seit Monaten die Montrealer Studenten. Nun nicht mehr bloß gegen die Erhöhung der Studiengebühren, sondern auch gegen neu erlassene Einschränkungen öffentliche Kundgebungen betreffend, gegen Geldverschwendung, gegen Koruption, gegen das ungeschickte Verhalten der Provinzregierung. Eine ganze Menge von Leuten, und nicht nur Studenten, haben einfach die Nase voll.

Doch welche Auswirkungen könnten die Kundgebungen, teils angemeldet, teils illegal, auf die Festlichkeiten im Rahmen des Formel-I-Wochenendes mit sich bringen? Schon während der vergangenen Tage stieg die Nervosität. Polizeieinheiten aus der gesamten Umgebung wurden im Zentrum der Stadt zusammengezogen. Es herrschte höchste Alarmbereitschaft.

Neben einer Gruppe von rund 600 Demonstranten, zeigten sich überall in der Stadt kleinere Ansammlungen. Für die Behörden war es völlig unklar, welche davon anwachsen würden, und welche sich wieder zerstreuten.

Gleichtzeitig regnete es von Drohungen, sowohl durch direkte Anrufe bei der Polizei als auch durch Ankündigungen bei Facebook und Twitter. Anschläge gegen das U-Bahn-Netz wurden befürchtet. Ein Aufruf wollte dazu motivieren, durch eine Konzentration von Anrufen die Notrufnummer der Polizei lahmzulegen. Straßenbanden mischten sich ins Geschehen. Obwohl es zu einigen Fällen von Vandalismus kam, hielten sich nicht nur die Medien mit ihrer Berichterstattung zurück, auch bei Youtube finden sich auffällig wenige Videos über die chaotische Situation in der Nacht von Samstag auf Sonntag. Der Verdacht liegt nahe, dass Youtube hier verzögernd oder auch blockierend wirkt.

Unterstützt wurde die Polizei auch durch private Sicherheitsdienste, die zum Schutz der einzelen Veranstaltungen engagiert wurden. Nicht glücklich über den gestörten „Geschäftsbetrieb“ waren aber auch organisierte Banden. Sowohl Prostitution als auch der Handel mit Kokain erfreut sich an diesem Wochende eines gewaltigen Aufschwungs. Das bedeutet, dass es zu mehreren gewalttätigen Auseinandersetzungen in der Stadt kam, über die jedoch keine Details bekannt wurden, nachdem sich die Medien – nicht ohne Grund – zu einer extrem reduzierten Berichterstattung entschlossen hatten.

Nicht glücklich sind viele Montrealer über Äußerungen ihres Formel-I-Helden Jacques Villeneuve, der sich offen gegen die Demonstrationen ausgesprochen und sie u. a. als „internationale Peinlichkeit“ bezeichnet hatte. Den Studenten hatte er geraten, anstatt faul herumzuspazieren, an die Universitäten zurückzukehren. Nun, seine persönliche Einstellung mag – von seinem Standpunkt aus – gerechtfertigt sein. Sympathien büßte er, seiner Stellungnahmen wegen, gewiss eine Menge ein. Allerdings, für einen Rennfahrer in der Formel I zählt die gute Zusammearbeit mit Sponsoren wesentlich mehr als die Beliebtheit beim Publikum.

Wie nicht anders zu erwarten, kam es auch zu Drohungen, das Rennen am Sonntag direkt zu sabotieren. Der Möglichkeiten gäbe es viele. Ungeachtet, inwieweit dieser Gefahr wirklich Bedeutung zuzumessen ist, bei derartigen Ankündigungen ist es meist unmöglich, deren Ursprung zu verifizieren. Dem gesamten Charakter der überwiegend friedlichen Massenkundgebungen würde eine Störung des Formel-I-Rennens keineswegs entsprechen. Doch auch maskierte Randalierer, die Auslagenscheiben zertrümmern oder geparkte Fahrzeige beschädigen, entstammen schließlich nicht dem Kreise der Studenten. Bei einer derart außer Kontrolle geratenen Situation, handelt es sich für gewisse Randgruppen um einen Freibrief für Einzelaktionen. Organisierte Plünderungen vermischen sich mit den leeren Drohungen verwirrter „Scherzbolde”.

Zu Verhaftungen kam es in der letzten Nacht kaum. Die offiziellen Zahlen werden mit 38 angegeben. Lokale Fernsehsender zeigen wenige Bilder von Handgreiflichkeiten, teils auch gegenüber Polizisten. Doch, um es noch einmal zu wiederholen, es herrscht Zensur. Das Formel-I-Rennen, das heute Sonntag, um 14:00 Uhr Ortszeit (20:00 Uhr in Deutschland) gestartet wird, könnte dieses Mal jedenfalls besonders spannend werden.

Kurze Aufzeichnungen im französischsprachigen kanadischen Fernsehen zeigen Bilder von Hundertschaften der Sicherheitskräfte, die drohend mit ihren Schlagstöcken auf ihre Schilder hämmerten. Beim folgenden Video handelt es sich um eines von sehr wenigen, das die Veröffentlichung bei Youtube geschafft hat. Es bietet zwar leglich einen ganz beschränkten Einblick in die Situation, doch so sah es gestern nacht im Zentrum von Montreal aus. Wer es tatsächlich gewagt hatte, mit dem Auto unterwegs zu sein, der blieb of mehrere Stunden lang im Stau stecken:

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