Donnerstag , 9 April 2020
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Massen-Demo in Montreal legt Stadtzentrum lahm

montreal demo march 22

Montreal/Kanada – Die Studenten-Demo, die am Donnerstag ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte, verfolgt ein ganz bestimmtes Ziel. Es geht darum, den Verkehr im Zentrum zum Erliegen zu bringen. Die Zahl der Teilnehmer dürfte gestern die 100.000 deutlich überschritten haben. Manche Schätzungen sprechen sogar von 300.000. Die Demo ist völlig frei von jeglicher Gewalt. Und sie hat Auswirkungen, die jede Stadt an ihrer empfindlichsten Stelle treffen: Sie paralysiert das Geschäftszentrum!

Nach der Veröffentlichung des jüngsten Budgetbeschlusses in der kanadischen Provinz Quebec, steht es nun endgültig fest, dass die Studiengebühren empfindlich erhöht werden. Noch sind sie mit durchschnittlich Can$ 2.600 (€ 2.000) jährlich die niedrigsten im ganzen Land. Im Laufe der kommen fünf Jahre soll nun schrittweise eine Anhebung um Can$ 1.625 (€ 1.230) erfolgen. Einzelne Protestkundgebungen erfolgten schon während der vergangenen Wochen.

Am Mittwoch begann sich die Situation zuzuspitzen. Um den Druck auf die Provinzregierung zu verstärken, konzentrieren sich die Aktionen auf Montreal, die größte Stadt in der Provinz. Aus allen Regionen, insbesondere aus der Hauptstadt Quebec-Ville, reisen Tausende von Studenten vorwiegend mit Bussen an, um sich an den Demonstrationen zu beteiligen. Es geht nicht mehr einfach darum, seinen Unmut über die finanzielle Belastung auszudrücken. Ziel der Aufmärsche ist es, das Verkehrssystem in der Stadt lahmzulegen, um dadurch die Regierung zu raschem Handeln zu zwingen. Das Titelbild zeigt die Rue Sherbrooke, die wichtigste Verkehrsader im Zentrum.

Die Bürger der Stadt wurden durch die Medien dringlichst aufgefordert, ihre Autos zu Hause zu lassen. Zwar bringt dies zweifellos eine Erleichterung des Problems mit sich, doch handelt es sich bei der Anfahrt zum Arbeitsplatz natürlich nicht um die einzige Ursache für das üblicherweise sehr hohe Verkehrsaufkommen. Blockierte Straßen lassen keinesfalls eine reguläre Auslastung der wirtschaftlichen Kapazitäten zu.

Dass herkömmliche Kundgebungen, auch wenn sich noch so viele Menschen daran beteiligen, selten zum gewünschten Erfolg führen, haben die weltweiten Demonstrationen gegen den Irak-Krieg im Jahr 2003 deutlich unter Beweis gestellt. Kommt es zu Gewalttätigkeiten, werden Auslagenscheiben zertrümmert und Polizeiautos in Brand gesteckt, räumt dies den Autoritäten Möglichkeiten zu massiven Gegenmaßnahmen ein. Die Aufmärsche in Montreal sind jedoch absolut friedlich. Die jungen Menschen sind teils in fröhliche Farben gekleidet, sie schwenken die Flagge der Provinz und jeder zeigt sein Gesicht. Sicherheitskräfte sind zwar in großer Zahl präsent, doch bietet sich nicht der geringste Anlass zum Einschreiten. Teils ziehen die Massen geschlossen durch eine Straße, dann teilen sie sich in kleinere Gruppen auf, wandern über Seiten- und Parallelstraßen, um sich letztendlich wieder zusammenzufinden. Auf mehreren Plätzen gleichzeitig versammeln sich wiederum jeweils ein paar hundert, teils ein paar tausend Demonstranten, um Reden zu lauschen. Und der Verkehr steht still.

In gewissem Sinne erinnert es an seltene Manifestationen von Landwirten, wenn sie mit ihren Traktoren und Landmaschinen langsam über die Straßen rollen und den Verkehr zum Schneckentempo zwingen. Die Montrealer Studenten verfolgen das gleiche Prinzip. Doch nicht auf Landstraßen, nicht auf Verbindungswegen, nein, direkt im Finanz- und Wirtschaftszentrum der Stadt.

Die kanadischen Medien – die Weltpresse hält sich mit der Berichterstattung zurück –  kritisieren natürlich. Die Leidtragenden seien Arbeitnehmer, Geschäftsinhaber und Konsumenten. Ihr gewohnter Tagesablauf ist gestört. Die Umsätze sinken. Allerdings, von den lokalen Medien wurde erwähnt und auch durch Bilder belegt, dass nicht nur Studenten an den Märschen beteiligt sind. Teils sind es die Eltern, die sich den Demontranten anschließen, teils sollen es ganz normale Bürger sein, die sich nach Verlassen ihrer Büros unter die Jugendlichen mengen.

Wie gefährlich ein Anhalten derartiger Proteste für die Wirtschaft einer Stadt – und mit der Zeit vielleicht auch für das ganze Land – werden könnte, dazu finden sich so gut wie keine Hinweise. In Montreal geht es um Studiengebühren. In anderen Städten oder Ländern könnte eine ähnliche Strategie vielleicht eines Tages gewählt werden, um wirtschaftliche Reformen zu erzwingen.

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