Donnerstag , 9 April 2020
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Ein Gespräch mit Mahmud Ahmadinedschad

ahmadinedschad zdfIn der Nacht von Montag auf Dienstag strahlte das ZDF ein Gespräch mit Mahmud Ahmadinedschad aus. Nicht viel Neues kam zutage. Trotzdem wurde auf diese Weise dem iranischen Präsidenten die Möglichkeit gegeben, persönlich zu den verschiedenen Vorwürfen gegen ihn und sein Land Stellung zu nehmen. Die Reaktionen der Presse erfolgten, wie es nicht anders zu erwarten war. Während Bloombergs Business Week sehr objektiv berichtete, verloren sich deutsche Zeitungen in den üblichen Anschuldigungen, ohne auf andere Inhalte des Gespräches sonderlich einzugehen.

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad vertritt bezüglich des Holocausts eine Meinung, die gegen deutsches Recht verstößt und auch in jenen Ländern der westlichen Welt, in denen es keine gesetzliche Regelungen zum Schutz des Angedenkens der Opfer dieses Völkermordes gibt, auf strikte Ablehnung stößt. Und, wie es von ihm schon mehrmals unter Beweis gestellt wurde, er schafft es einfach nicht, dieses Thema aus dem Spiel zu lassen. Wieder verwendete er das Wort „Lüge“, behauptete, dass die Gründung des Staates Israel auf dieser beruhe, kritisierte, dass es in Europa keine „freie Forschung“ bezüglich des Holocausts gebe, als hätte er niemals ein Geschichtsbuch in Händen gehalten. Er scheint einfach nicht fähig zu sein zu begreifen, dass dieses tragische Ereignis der Geschichte in allen Details zweifelsfrei belegt ist. Und es scheint ihm auch nicht klar zu sein, dass er sich mit derartigen Äußerungen in der westlichen Welt mit Sicherheit keine Freunde schafft.

Dementsprechend wählten deutsche Zeitungen auch ihre Schlagzeilen. „Holocaust ist eine Lüge Israels“ ist in der Überschrift bei Welt-Online zu lesen, gefolgt von einem kurzen Artikel, der sich lediglich mit dieser Aussage Ahmadinedschads, herausgelöst aus einem 40 Minuten dauernden Gespräch, befasst. Bild betitelt ihn als „Irans irren Präsidenten“ und Reuters glaubt zu erkennen, dass er Europa mit einem Handelsboykott droht.

Was wurde zwischen Mahmud Ahmadinedschad und Claus Kleber nun wirklich besprochen?

Natürlich ging es um den bevorstehenden Krieg, um die Drohung Israels, einen Angriff durchzuführen. „Warum muss Israel drohen?“, wollte Ahmadinedschad wissen. „Weil sich der Iran bis heute weigert, sein Atomprogramm restlos offenzulegen!“

Ahmadinedschad bezeichnete die israelische Regierung, wie es seiner Art entspricht, als Zionisten. Dementsprechend lautete seine Frage: „Zeigen die Zionisten Klarheit und Transparenz in ihrer Nuklearfrage? Sie haben mehr als 250 atomare Sprengköpfe. Ist das kein Problem, wenn sie so ausgestattet sind?“

Kleber hat die Antwort parat: „Israel gehört nicht zum Atomwaffensperrvertrag. Es hat keine vertragliche Verpflichtung, das offenzulegen. Iran hat diese Verpflichtung.“

Ahmadinedschad: „Das heißt, jeder der nicht Mitglied des NPT-Vertrages (Non-Proliferation of Nuclear Weapons – Atomsperrvertrag) ist, ist frei zu tun, was er will?“

Klebers Antwort: „So ist das wohl!“

Wäre Ahmadinedschad nicht in erster Linie für seine mehr als nur fragwürdige – nach deutschem Recht sogar kriminelle – Einstellung zum Holocaust bekannt, würde er nicht wiederholt behaupten, die Existenz des Staates Israel basiere auf einer Lüge, hätte er hier wohl einen Punkt für sich verbuchen können. Denn mit Logik hat die gegebene Situation tatsächlich wenig zu tun.

Ahmadinedschad kleidet es in Worte: „Wenn jemand Mitglied des NPT-Vertrages ist, darf er entrechtet werden? Und Israel darf einem Mitgliedsland der IAEA drohen?“ Er führt weiter aus, dass der Iran gegen Atomwaffen eingestellt sei. Bezeichnete sie als unmenschlich und unmoralisch. Fügt hinzu, dass der Iran weder ein besetztes Land ist, noch handle es sich um ein Besatzungsregime.

Mehrmals äußert er Kritik an der Politik der Vereinigten Staaten und in diesem Zusammenhang auch, dass Europa die gleiche Politik betreibe. Erinnert daran, dass im ersten Golfkrieg, also in dem sieben Jahre andauernden Konflikt zwischen Iran und Irak, Saddam Hussein von praktisch allen Westmächten unterstützt wurde. Und dass heute der Irak ebenso wie Afghanistan vom Westen besetzt seien.

Claus Kleber wollte wissen, warum der Iran den internationalen Inspektoren nicht mehr Einblick gewähre. Auch hier war die Antwort eindeutig. In allen nuklearen Forschungsanlagen seien Kameras angebracht, die alle Details aufzeichneten. Doch was machte die IAEA? Sie veröffentlichte die Namen der Wissenschaftler und mehrere von ihnen wurden durch Terroranschläge getötet. Außerdem, die Westmächte würden sich damit nicht zufrieden geben. Sie wollen Einblick in alle Militäreinrichtungen. Wie könne ein Land sein gesamtes Verteidigungskonzept an seine Feinde preisgeben?

Nicht ohne Grund kritisierte er die Wirtschaftssanktionen. Von einem objektiven Standpunkt aus betrachtet, muss erwähnt werden, dass es sich dabei tatsächlich um eine Provokation größten Ausmaßes handelt, wenn ein Staat zum Boykott eines anderen souveränen Staates aufruft. „Kauft nicht bei Iranern!“

Er verwies darauf, dass der Iran keine Anstalten gemacht hätte, aus der europäischen Wirtschaftskiese Nutzen zu ziehen. Das Handelsvolumen zwischen Iran und Europa belaufe sich auf 24 Milliarden Dollar. Dies würde 300.000 Arbeitsplätze schaffen. Der Iran könne seine Handelsbeziehungen auch mit anderen Ländern pflegen. Zwar sprach er damit keine direkte Drohung aus, im diplomatischen Jargon könnte dieser Hinweis aber durchaus als eine solche ausgelegt werden, was zum Kern des Artikels bei Reuters wurde.

Spricht bloß Stolz aus ihm, wenn er sich bedingungslos bereit erklärt, im Falle eines Angriffes einen Vergeltungsschlag durchzuführen? Ist der Rest der politischen Führung Irans der selben Auffassung? Er stellt jedenfalls die Frage in den Raum, wie ein anderes Land auf einen Angriff reagieren würde. Erfolgte ein Angriff auf die USA, würde man dort die Waffen strecken, aufgeben und lächeln? „Sie werden sich verteidigen und das werden wir auch tun. Wir sind eine große Nation und wir sind auch stark“, erklärte er wörtlich.

Von der internationalen Presse wurde dieses Interview, „auf das die Welt schaue“, wie Claus Kleber ausdrückte, aus verschiedenen Blickwinkeln behandelt. Bloomberg Businessweek veröffentlichte dabei eine durchaus objektive Zusammenfassung. Insbesondere der unmissverständliche Ton des iranischen Präsidenten tritt dort in den Vordergrund. „Wir sind gegen die Atombombe. Wir würden niemals eine Atombombe bauen. Aber wenn wir eine Atombombe bauen wollten, dann haben wir keine Angst vor jemandem. Wir würden es ganz klar und deutlich erklären, dass wir so etwas tun.“

Was ließe sich zusammenfassend über dieses Gespräch, um das sich das ZDF zwei Jahre lang bemühte, feststellen?

Ahmadinedschad vertritt die Meinung, dass es einigen Staaten, allen voran den USA und Israel, daran gelegen sei, über andere Staaten zu herrschen. Menschenrechtsverletzungen werden nur in jenen Ländern kritisiert, die nicht zu den Bündnispartnern zählen. Dies untermauert er durch die seinerzeitige Unterstützung des Schah-Regimes, das er als Diktatur bezeichnet. Seit 33 Jahren, seit der Iran eine Republik ist, würden die USA dieses Land als Feind behandeln.

Den Inspektoren der IAEA sei, so die Behauptung, uneingeschränkter Einblick in die Atomforschung, die ausschließlich zivilen Zwecken diene, gewährt. Der Iran ist aber nicht bereit, alle konventionellen militärischen Einrichtungen preiszugeben, eine Einstellung, der, auf sich selbst bezogen, wohl auch alle andere Staaten der Welt folgen.

Ahmadinedschads Äußerungen zufolge, scheint er nicht bereit zu sein, sich … ja, wie lässt es sich formulieren, wozu er nicht bereit ist? Also, die Einen würden sagen, dass er sich gegen eine Zusammenarbeit mit der „internationalen Gemeinschaft“ verschließt. Die Anderen, dass er den Iran als souveränen Staat erhalten möchte, frei von der Dominanz der „internationalen Investoren“. Die Meinungen sind hier wohl vorgeformt.

Das ZDF hat seinen Beitrag geleistet, dem Gespräch einen nicht gerade objektiven Rahmen zu verleihen. Schon zu Anfang wird auf Ahmadinedschads Einstellung zum Holocaust verwiesen, und der Sinn des Interviews wird mit folgenden Worten erklärt: „…um deutlich zu machen, mit wem es die Welt zu tun hat!“ Am Ende erkärt sich Ahmadinedschad zu jedem Dialog bereit und – scheinbar im Namen aller Iraner sprechend – sagt er: „Und wir lieben das deutsche Volk, sogar ziemlich stark.“ Dann folgte der Kommentar des ZDF: „Freundliche Worte zum Abschluss, die nicht darüber hinwegtäuschen, dass Ahmadinedschads Äußerungen zum Holocaust in Deutschland strafrechtlich relevant sind. Wir haben sie wiedergegeben, damit deutlich wird, wie einer der umstrittensten Politiker der Welt tickt.“ Hoffnung, dass es zu einer friedlichen Lösung der immer weiter eskalierenden Spannungen kommen könnte, werden durch dieses Interview gewiss nicht geschürt.

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