Samstag , 25 September 2021
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„Gaddafis Vermögen“: 200 Milliarden Dollar

gaddafi_szarkozySchon kurz nach Ausbruch des, durch NATO-Kräfte mittlerweile entschiedenen, Bürgerkriegs in Libyen, entdeckten die US-Behörden libysche Guthaben in Höhe von 37 Milliarden Dollar auf amerikanischen Konten. Nach dem Einfrieren weiterer Guthaben in einigen europäischen Ländern, wird das Vermögen, das Gaddafi im Laufe seiner 42-jährigen Herrschaft angehäuft haben soll, mittlerweile auf insgesamt 200 Milliarden Dollar (143 Milliarden Euro) geschätzt. Allerdings handelt es sich dabei keineswegs um Privatkonten, sondern um libyschen Staatsbesitz. Demzufolge wird es interessant sein, zu beobachten, was mit diesen Geldern in der demokratischen Zukunft des Landes wohl geschehen wird.

Die Schlagzeile ist irreführend. Ich hoffe man verzeiht es mir. Doch schrieb auch die österreichische Presse: „Gaddafi soll 200 Milliarden gehortet haben“. Das Schweizer Fernsehen: „Gaddafis Vermögen auf 200 Milliarden geschätzt“. Und der Sidney Morning Herald: „Gaddafi hat rund 200 Milliarden auf die hohe Kante gelegt“.

Allerdings, die letztgenannte australische Zeitung lässt in diesem Artikel auch folgendes wissen:

„Der größte Teil des Geldes wurde unter dem Namen staatlicher Institutionen geführt, wie die libysche Zentralbank, der Staatsfond, die libysche Auslandsbank, die staatliche libysche Ölgesellschaft und das libysch-afrikanische Investment-Portfolio.“

Aha!

Natürlich, nachdem einem bösen Diktator auch immer böse Absichten unterstellt werden, weist der Sydney Morning Herald im Anschluss sogleich darauf hin, dass Gaddafi und seine Familienmitglieder Zugriff zu diesen Konten gehabt hätten – wäre es in ihrer Absicht gestanden.

Zweifellos lässt sich leicht wirtschaften, wenn sich in einem Land mit 6,5 Millionen Einwohnern täglich zwei Millionen Fass Öl aus dem Boden pumpen lassen. Und noch dazu, wenn ein nennenswerter Teil der Erträge dem Staatsbudget zugute kommt, anstatt „internationalen Investoren“. Dann lassen sich auch Leistungen wie die Wasser- und Stromversorgung ebenso wie das Gesundheits- und Bildungswesen kostenlos zur Verfügung stellen. Darüber hinaus – und diesem Punkt sollte vielleicht besondere Beachtung geschenkt werden – blieb der libysche Staat unter Gaddafi praktisch schuldenfrei. Das CIA-Word-Factbook bietet eine Liste, in der die öffentlichen Schulden von 133 Ländern im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt einzusehen sind. An erster Stelle steht dort Zimbabwe mit einer Verschuldung von 234,1 % des BIP. Japan steht mit 197,5 % an zweiter Stelle. Griechenland thront mit 142,8 % auf Platz 4. Deutschland nimmt zwischen Kanada und Frankreich den 16. Rang ein. Und wer steht da wohl mit 3,3 % an 133. und somit letzter Stelle? Libyen!

Gewiss lässt es sich nicht ignorieren, dass Oberst Muammar Gaddafi und seine Verwaltung gegen politische Aufwiegelein mit unverhältnismäßiger Härte vergegangen sind. Es ist aber auch eine Tatsache, dass es ihm gelungen ist, während seiner 42-jährigen Herrschaft Stammesfehden weitgehend zu unterbinden. Es ist ebenso eine Tatsache, dass in seiner Amtszeit das Bildungsniveau der Bevölkerung gravierend angestiegen ist. Dass er durch eine hervorragende technische Leistung im Bereich der Wasserversorgung (Great Manmade River) die Fruchtbarkeit des Wüstenstaates deutlich verbessert, und somit die Abhängigkeit von Nahrungsmittelimporten reduziert, hat. Und während der Jahrzehnte, in denen praktisch alle europäischen Staaten in eine unlösbare Schuldenkrise schlitterten, führte Gaddafis Politik zum genauen Gegenteil. Einer Verschuldung von rund 3 Milliarden Dollar steht ein Staatsvermögen von 200 Milliarden gegenüber.

Ja aber, haben nicht einige Söhne und andere Familienangehörige regelmäßig Unmengen an Geld für Luxus und Eskapaden verschwendet? Handelt es sich dabei nicht um Korruption? Nun, wenn es der politischen Führung eines Landes gelingt, dieses vor dem internationalen Kapital zu schützen, wenn landeseigene Werte und der Profit aus der Rohstoffgewinnung in Staatsbesitz verbleiben, dann – so würde ich meinen – lässt sich über ein paar verjubelte Millionen wohl hinwegsehen. Hätten europäische Politiker ähnlich gehandelt, anstatt Schuldenberge in Billionenhöhe anzuhäufen, dann gäbe es keine Krise.

Viel lässt sich darüber spekulieren, wie hoch oder wie niedrig der Anteil der Libyer ist, der sich dem bewaffneten Aufstand angeschlossen hat. Ob es wirklich notwendig war, die Zivilbevölkerung durch Tausende von Bomben- und Raketenangriffen gegen die staatliche Armee zu schützen, wird wohl auch für immer ein Geheimnis bleiben. Die Zahlen bezüglich der wirtschaftliche Führung Libyens unter Gaddafi liegen jedoch auf dem Tisch.

Was mit dem, während so vieler Jahre angesammeltem, Vermögen nun geschehen wird, lässt sich leicht abschätzen. Die am Krieg beteiligten NATO-Staaten werden fordern, die Kosten für die „Befreiungsaktion“ erstattet zu bekommen. Die Instandsetzungsarbeiten nach monatelangen Kämpfen und Luftangriffen werden ebenfalls Unsummen verschlingen. Der Rest wird wohl für Förderungen aufgehen, um „internationale Investoren“ ins Land zu holen. Nachdem es, ebenfalls internationale, Ölkonzerne sein werden, die man mit der Förderung des begehrtesten aller Rohstoffe betrauen wird, ist in diesem Bereich mit einem Einnahmenausfall zu rechnen. Aber das ist schließlich alles kein Problem. Denn bei nicht mehr als 3,3 % Schulden, gemessen am BIP, ist die Kreditwürdigkeit des Landes erstklassig. Mit Freuden wird der internationale Finanzsektor jede gewünschte Geldmenge zinsgünstig zur Verfügung stellen. Und dann wird sich auch endlich ein Anlass finden, die lächerlich niedrige Einkommensteuer für Arbeitnehmer endlich dem internationalen Standard anzugleichen. Ob es den Libyern, die nicht zu den Waffen gegriffen haben, um ihr Land gegen den international geförderten Aufstand einiger Stämme zu verteidigen, vielleicht schon bald leid tun könnte? Aber die in Libyen neu zu gründenden Medien werden schon Wege finden, den dortigen Massen zu erklären, dass jede wirtschaftliche Verschlechterung letztendlich auch die Schuld Gaddafis sei.

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