Dienstag , 2 März 2021
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Die Katastrophe von Fukushima übertrifft Tschernobyl

fukushima_mapTokio könnte unbewohnbar werden! Diese Meinung gab der altgediente Politiker Ichiro Ozawa in einem Interview von sich. Beschönigende Kommentare von Experten erachtet er als bedeutungslos, denn diese seien wirtschaftlich von der Atomindustrie abhängig. Nicht der Betreiber des Atomkraftwerkes von Fukushima, TEPCO, sei für die Entwicklungen nach der Naturkatastrophe zu kritisieren, sondern die Regierung Japans, die sich bislang ihrer Verantwortung entzieht. Sowohl Ozawa als auch russische Experten erachten die Ausmaße der Katastrophe von Fukushima als wesentlich dramatischer als jene von Tschernobyl.

Der 69-jährige japanische Politiker Ichiro Ozawa bekleidete von 2006 bis 2009 die Position des Präsidenten der Demokratischen Partei Japans.  Seit seinem offiziellen Rücktritt, der in Zusammenhang mit einem Finanzskandal steht, wird er, aufgrund seines weiterhin bestehenden Einflusses, gerne als Schatten-Shogun bezeichnet. Kürzlich veröffentliche das Wallstreet Journal ein Interview mit Ozawa, in dem er nicht nur die Situation in Fukushima als wesentlich dramatischer erklärt als es in den japanischen (und internationalen) Medien getan wird, auch gibt er sich überzeugt, dass die Regierung ihre Aufgabe nicht verantwortungsbewusst wahrgenommen hat.

Wie mittlerweile bekannt ist, trat die Kernschmelze in einem der Reaktoren schon wenige Stunden nach dem katastrophalen Erdbeben der Stärke 9,0, dem ein vernichtender Tsunami folgte, ein. Dass während dieses ersten Schocks die Freigabe von Informationen unterblieb, dafür zeigt Ozawa noch Verständnis. Doch nicht nur, dass er davon ausgeht, dass die japanische Öffentlichkeit ein Recht darauf hat, über die Ausmaße der Katastrophe in Kenntnis gesetzt zu werden, TEPCO sei mit Problemen konfrontiert, die das Unternehmen alleine nicht zu bewältigen fähig ist. Ozawa geht davon aus, dass die Regierung von Anfang an bescheid wusste und sich der Kontrolle sofort hätte annehmen müssen. „Wir bewegen uns auf eine Tragödie zu, Tag für Tag!“, gab er wörtlich von sich.

Die Zahl der Uran-Brennstäbe sei in Fukushima um ein Vielfaches größer als in Tschernobyl. Auf diesen Umstand verwies auch ein Artikel in The Voice of Russia. Darin wird der Direktor des Russischen Instituts für Kernenergie, Igor Ostretsov, zitiert, der die Folgen des Unfalls von Fukushima ebenfalls als schwerwiegender als jene von Tschernobyl einstuft. Das Graphit des Reaktorkerns sei damals verbrannt und hätte sich in der Atmosphäre aufgelöst. In Fukushima jedoch ist der Kern des Reaktors geschmolzen.

„Wenn wir nichts unternehmen, könnte sogar Tokio unbewohnbar werden“, drückt Ozawa seine Besorgnis in dem besagten Interview aus. Die, von den Medien nicht ausreichend informierte, Bevölkerung sei verängstigt und frustriert. Geld dürfte in diesem Zusammenhang keine Rolle spielen. Was würde es helfen, sich vor einem Ansteigen von Verbindlichkeiten zu scheuen, während gleichzeitig ganz Japan verseucht werden könnte? Zum gegebenen Zeitpunkt, so der Politiker, ließe man Radioaktivität absichtlich austreten, um eine Explosion des Reaktors zu vermeiden. Und dieses Freisetzen radioaktiver Strahlung würde noch für lange Zeit weiter gehen. Und dabei handle es sich nicht um eine Frage des Geldes, sondern um eine Entscheidung über Leben und Tod. „Falls Japan nicht gerettet werden kann, dann ist es auch um das japanische Volk geschehen“, untermauert Ozawa, dass wirtschaftliche Bedenken jetzt keineswegs im Vordergrund stehen dürfen. Es handle sich dabei sogar um eine typisch japanische Denkweise. Ungeachtet wie hoch die Kosten wären, Maßnahmen müssen einfach gesetzt werden. Natürlich müssen entstehende Schulden zurückbezahlt werden. Doch in erster Linie geht es darum, Menschenleben zu retten.

Dass in der derzeitigen Krise wenig politischer Druck auf die Regierung unter Premierminister Naoto Kan ausgeübt wird, erklärt Ozawa ebenfalls als Teil der japanischen Denkweise. Gerade in schwierigen Zeiten bemühen sich die Menschen, nett zueinander zu sein. Doch in einer Krise, so der Politiker, wäre eine stärkere Führungskraft erforderlich. Auf die Frage, ob es in Japan eine für diese Aufgabe besser geeignete Persönlichkeit gäbe, antwortet Ozawa: „Es gibt eine Menge!“

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