Mittwoch , 23 Juni 2021
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Die scheinheilige UN und die „Befreiung“ der Elfenbeinküste

laurent_gbagboDas muntere Spiel der Regime-Wechsel geht in die nächste Runde: Nachdem nun auch die Elfenbeinküste „befreit“ wurde, darf sich die hiesige Bevölkerung auf die Regentschaft eines ehemaligen IWF-Mitarbeiters freuen, der Gbagbo in Sachen Skrupellosigkeit in Nichts nachsteht. Das ivorische Volk ist vom Regen in die Traufe gekommen. Nach langem Rückzugsgefecht scheint der Sieger des blutigen Machtkampfes gefunden zu sein und es überrascht nicht, dass es Ouattara geschafft hat, konnte er sich doch der Unterstützung der westlichen Staatengemeinschaft sicher sein.

Insbesondere Frankreich mischte auf dem Schlachtfeld mit, ob aus eingebildeter kolonialer Verantwortung oder aus geopolitischen Gesichtspunkten heraus, kann indes nur vermutet werden. Die eher spärlichen Bodenschätze, 600-700 Millionen Barrel Öl vor der Küste, die im besten Fall etwa 10 Tage des weltweiten Verbrauchs abdecken, dürften jedenfalls nicht ausschlaggebend gewesen sein. Allerdings kann es natürlich auch passieren, dass just nach der Übernahme des von Westens Gnaden beseelten Ouattara neue Ölfelder oder anderweitige Bodenschätze „entdeckt“ werden.

Die interventionistische Politik ist die eine Sache. Die andere ist die Frage, ob es zu einem derartigen Blutvergießen auch gekommen wäre, wenn sich die UN nicht blitzschnell auf Ouattara als legitimen Nachfolger Gbagbos verständigt hätte. Jedenfalls wurde so die Tür für Neuwahlen geschlossen. Bei den Wahlen im November 2010 hatten beide Kandidaten der Gegenseite massive Wahlfälschung vorgeworfen. Auch wenn Gbagbo nun der internationale Buhmann ist, der einen Bürgerkrieg vom Zaun gebrochen haben soll, darf nicht vergessen werden, dass Ouattara ebenfalls verschiedenster Gräueltaten verdächtigt wird. So sollen seine Truppen unter anderem an einem Massaker beteiligt gewesen sein, an dessen Ende mindestens 800 Tote standen bzw. lagen. Was erhofft sich die Staatengemeinschaft von Ouattara? Demokratie nach westlichem Vorbild? Seine Tätigkeit beim IWF jedenfalls dürfte nicht dazu beigetragen haben, ihn in der Schule der Demokratie zu bilden. Überhaupt ist es nur schwer zu verstehen, warum ausgerechnet Ouattara der Elfenbeinküste Frieden und Wohlstand bringen sollte.

Er, der nun als Kämpfer für die Freiheit verklärt wird, ist kein Deut besser als der vorherige Despot Gbagbo. Dies scheint bei den Planspielen allerdings auch eine eher untergeordnete Rolle zu spielen. Wichtiger ist doch, dass nun in einem afrikanischen Land ein Präsident des Westens wirken kann. Es darf spekuliert werden, welche Firmen beim (Wieder-)Aufbau des Landes helfen werden.

Die ehemals friedensstiftenden Blauhelme der UN haben jedenfalls tatkräftig am Sieg Ouattaras mitgewirkt, zusammen mit französischen Elitesoldaten, deren Anzahl in der Elfenbeinküste derzeit etwa 1600 Mann beträgt. Dieser Sieg kann allerdings sehr schnell zu einem Pyrrhussieg des Westens werden. Wie brüchig die Entscheidung zu Gunsten Ouattaras ist, werden die nächsten Wochen zeigen. Es wäre allerdings naiv, wenn man davon ausgehen würde, dass die Anhänger Gbagbos ihre Niederlage akzeptieren und fortan unter dem Präsidenten Ouattara zu Menschen werden, die der Gewalt entsagen.

Viel eher steht zu befürchten, dass die Elfenbeinküste einen andauernden Bürgerkrieg erlebt, sobald die Franzosen verschwunden sind und die UN-Soldaten ihre Waffen wieder zur Abschreckung, denn zur Tötung einsetzen.

Die Doppelmoral jedenfalls wird im Gedächtnis bleiben. Während die libyschen Rebellen zu Freiheitskämpfern und Zivilisten unbenannt werden, sind die Truppen Gbagbos weder das eine, noch das andere. Es ist eben alles eine Frage der Nützlichkeit.

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