Mittwoch , 21 August 2019
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Wikileaks – Die bittere Wahrheit des Krieges

us_panzer_bagdadIn Kriegen werden Menschen getötet, verwundet, in Angst versetzt, gefoltert, ihres Besitzes beraubt. Die üblichen Berichte der Medien sind einseitig, beschönigend, die wahren Schrecken verharmlosend, die Hintergründe verschweigend. Plötzlich wird eine Unzahl neuer Dokumente veröffentlicht, die bisher geheimgehaltene Fakten der Öffentlichkeit preisgeben. Julian Assange hat wieder einmal Geschick darin bewiesen, die Aufmerksamkeit zwingend auf Wikileaks zu lenken. Für diejenigen, die dem Irak-Krieg von Anfang an skeptisch gegenüber standen, kommen kaum Überraschungen zutage. Die große Frage bezieht sich darauf, ob es der Weltöffentlichkeit nun endlich gelingen wird, restlose Aufklärung und ein Ende der bestehenden Konflikte zu erzwingen.

Mehrere Tage lang war die Webseite von Wikileaks unzugänglich. Kein Wort darüber, ob es sich um einen Cyber-Angriff oder um wirkliche Wartungsarbeiten handelte. Dann sickerten Informationen durch, dass 400.000 neue Geheimdokumente über den Irak-Krieg vor der Veröffentlichung standen. Einigen ausgewählten Redaktionen standen diese Dokumente schon länger zur Verfügung, um ohne Verzögerung über Details zu berichten. Dann folgte die Ankündigung einer Pressekonferenz für Samstag früh, 10 Uhr Ortszeit, in London.

Ein erster Blick auf die Enthüllungen zeigt wenig Überraschendes. Mehr Zivilisten als bisher angegeben fielen dem Konflikt zum Opfer. Mehr Menschen wurden gefoltert und misshandelt. US-Soldaten töteten Kämpfer, die ihre Waffen niedergelegt hatten. Brutale Übergriffe wurden geduldet, Aufklärungen unterbunden. Trotzdem spielen diese neuen Enthüllungen den Kriegsgegnern Argumente in die Hand. Analysten und Juristen stehen Fakten zur Verfügung. Sollten die Verantwortlichen für die unzähligen Blutbäder eines Tages zur Rechenschaft gezogen werden, so liegen endlich gewaltige Mengen von Belastungsmaterial vor.

hillary_clinton_changeDer kanadische Kriegs-Historiker Sunil Ham erklärte in einem Gespräch mit dem TV-Sender CBC, dass die meisten Dokumente deswegen unter Verschluss seien, um den jeweils betroffenen Verantwortlichen peinliche Rechtfertigungen zu ersparen. In einer ersten Stellungnahme meinte die US-Außenministerin Hillary Clinton-Rodham: „Wir sollten die Veröffentlichung geheimer Informationen durch einzelne Personen oder Gruppen scharf verurteilen. Solche Enthüllungen gefährden amerikanische und deren verbündete Militärangehörige sowie Zivilisten.“

Während Julian Assange in aller Deutlichkeit erklärte, dass weder die Veröffentlichung der Geheimdokumente über den Afghanistan-Krieg noch die jüngsten Irak-Protokolle Leben gefährden, scheint es, als bemühten sich offizielle Stellen in den Vereinigten Staaten, das Augenmerk gerade auf derartige mögliche Gefahren zu lenken. Für Amerika gilt der Vorfall als Hochverrat. Und der Schuldige scheint ebenfalls festzustehen. Der 23-jährige Bradley Manning, der schon vor Monaten Wikileaks das Video zugespielt hatte, das aufzeigte, wie US-Soldaten aus einem Hubschrauber auf unbewaffnete Zivilisten, zwei Reuters-Journalisten, einen Verletzten und dessen Helfer eingeschlossen, feuerten. Mehreren US-Fernsehstationen zufolge, soll Manning auch für die Übermittlung der fast 400.000 Geheimdokumente an Wikileaks verantwortlich sein. Dass Julian Assange für die US-Führung ebenfalls als Verräter gilt, bedarf keiner gesonderten Erwähnung.

Doch was wird nun weiter passieren? Die Vereinigten Staaten sind zur Zeit mit den Propaganda-Aktionen für die Kongresswahlen beschäftigt. Das drängt die Aufdeckung möglicher Kriegsverbrechen natürlich in den Schatten. Außerdem haben sich die dortigen Medien bis jetzt bemüht, den Irak-Feldzug als Notwendigkeit, als „gerechten Krieg“ darzustellen, und daran wird sich wohl kaum etwas ändern.

Und wie wird Europa reagieren, wo zu Beginn des Jahres 2003, vor dem Überfall auf den Irak, ebenfalls Millionen von Menschen durch die Straßen zogen, in der Hoffnung, diese Bluttat verhindern zu können? Wird ein anhaltender Ruf nach Aufklärung erklingen? Oder werden die Medien, die Politiker und die Bürger – wie es leider zu erwarten ist – nach kurzer Entrüstung wieder zur Tagesordnung übergehen?

Ungeachtet wie viel Neues durch die heute veröffentlichten Dokumente ans Tageslicht kommt, dieser Krieg gegen den Irak war von Anfang an undurchsichtig, die offiziellen Gründe fadenscheinig. Was war das wirkliche Motiv dafür, über dieses Land herzufallen? Einen Mann, Saddam Hussein, zu entmachten? Insbesondere die heute gegebene Situation, unzählige Tote, ein zerstörtes Land, ein anhaltender brutaler Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten, sollte eigentlich verdeutlichen, was der amerikanische Angriff diesem Land angetan hat. Die Annahme, dass damit nicht gerechnet werden konnte, ist mehr als nur naiv. Natürlich musste damit gerechnet werden. Und auch wenn Saddam Hussein durch die einseitige Berichterstattung selbst in seinem Andenken als internationales Feindbild gilt, auch wenn man ihm wirklich Fehler vorwerfen kann, zu wessen Vorteil hat sich die Situation seit Husseins Entmachtung entwickelt? Mit Sicherheit diente die grausame Zerstörung dieses Landes nicht dem irakischen Volk.

Julian Assange und Wikileaks haben einige Steine ins Rollen gebracht. Ob sich daraus eine Lawine entwickeln wird, hängt zu einem wesentlichen Teil von uns, von den Bürgern ab. Lassen wir uns rasch wieder ablenken, werden wir die neuen Fakten ebenso verdrängen wie die niemals existierenden Massenvernichtungswaffen, die ignorierten Demonstrationen, die Berichte um Folter und Mord? Oder werden wir immer wieder neue Fragen stellen, Aufklärung fordern, offenes Interesse bekunden? Es geht nicht nur um den Krieg im Irak. Es geht um unser aller Zukunft. Doch, um sich dessen bewusst zu werden, wird es notwendig sein, die wahren Hintergründe für den Überfall auf Irak in ihrem vollen Umfang aufzudecken. Wir leben in einer Demokratie. Wir haben ein verbrieftes Recht auf Offenheit, ein Recht auf die Wahrheit!

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