Dienstag , 17 September 2019
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Das Schicksal von 25.000 Juden im Iran

synagoge_iranEs kann wohl kaum jemandem entgangen sein, dass Irans Präsident, Mahmud Ahmadinedschad, sich der Welt als Anti-Semit präsentiert, als Judenhasser. Sollte er wirklich jemals eine Atombombe in seine Hände bekommen, wäre sein erstes Interesse, so die Medien, diese auf Israel abzuwerfen. Ahmadinedschad leugnet die zweifellos bewiesene Tatsache des jüdischen Völkermordes, als Holocaust bekannt, und soll sogar von sich gegeben haben, dass „Israel von der Landkarte gefegt“ werden müsse. Wie leben Angehörige der jüdischen Glaubensgemeinschaft in so einem Land? Welches Schicksal erleiden sie?

Zweifellos ist Ahmadinedschads Politik dem Staat Israel gegenüber feindseelig eingestellt. Meistens unterlässt er es sogar, diesen beim Namen zu nennen. Er spricht vom „zionistischen Regime“, anstatt von einer israelischen Regierung. Im Dezember 2006 lud er Holocaust-Leugner aus 30 Ländern zu einer „Konferenz“ ein. Doch, all dies ist ohnehin hinlänglich bekannt.

Einer kleinen, wenn auch nicht wirklich wesentlichen, Korrektur bedarf seine Äußerung, dass Israel von der Landkarte gefegt werden müsse. Was Ahmadinedschad von sich gab, lautete (in Farsi):  „In rezhim-e eshghalgar bayad az safhe-ye ruzgar mahv shavad.“ Zu deutsch: „Das Regime, das Jerusalem besetzt hält, muss aus den Annalen der Geschichte getilgt werden.“ Von manchen Analytikern wird diese Formulierung dahingehend ausgelegt, dass der Lauf der Geschichte zu einer Veränderung führen wird, ähnlich dem Ende der Apartheid in Südafrika oder dem Fall des Kommunismus in Osteuropa. Wie erwähnt, es handelt sich um ein Detail, das am Gesamtbild nichts verändert.

Doch, kommen wir zur Kernfrage: Wie ertragen 25.000 Juden das Leben in einem Land, in dem sich der Präsident offen und ungestraft gegen dieses Volk ausspricht? Welche Repressalien erleiden sie? Welcher Bürgerrechte sind sie beraubt? Sind sie in Ghettos oder gar Lager gesperrt? Werden ihre Geschäfte boykottiert? Warum verhilft ihnen niemand zur Flucht?

Um sich ein Bild vom Schicksal dieser Menschen zu machen, ist es ratsam, nicht auf persische, sondern auf jüdische Quellen zurückzugreifen. Informationen finden sich in großer Menge. Unter anderem, auf einer Webseite namens Sephardicstudies. Dort wird es als Paradoxon erklärt, dass in der Islamischen Republik Iran, die sich offen gegen den Staat Israel ausspricht, die größte jüdische Gemeinde in einem islamischen Land existiert, die, manschen Schätzungen zufolge, sogar aus 35.000 Mitgliedern bestehen soll. In Teheran gibt es elf aktive Synagogen, einige von ihnen mit hebräischen Schulen. Neben mehreren koscheren Metzgern gibt es zwei koschere Restaurants, ein jüdisches Krankenhaus, ein Seniorenheim und einen Friedhof.

Was daneben jedoch als wesentlich bedeutender erscheint, die jüdische Gemeinde von Iran ist sogar im Parlament vertreten. Von den insgesamt 290 Sitzen entfallen fünf auf religiöse Minderheiten. Drei für armenische, assyrische und chaldäische Christen, einer für Anhänger des Zoroastrischen Glaubens und einer für die im Iran lebenden Juden.

Einem Artikel in der englischen Ausgabe von Wikipedia entsprechend, wird von den US-Behörden behauptet, dass es Juden im Iran nicht möglich sei, politische Führungspositionen einzunehmen. Zwar werden ihnen Reisepässe ausgestellt, doch, so steht geschrieben, in vielen Fällen ohne multiple Ausreisemöglichkeit. Dazu die, im gleichen Artikel veröffentlichte, offizielle Erklärung der Assoziation der Juden in Teheran: „Wir iranische Juden verurteilen die Behauptungen des US-Außenministeriums in bezug auf religiöse Minderheiten im Iran und erklären, dass es uns völlig frei steht, unsere religiösen Pflichten auszuüben und wir empfinden keinerlei Einschränkungen in der Ausübung unserer religiösen Rituale.“

Der jüdische Bevölkerungsanteil war vor der Islamischen Revolution im Jahr 1979 deutlich größer. Viele von ihnen flüchteten aus Angst vor Repressalien in die USA oder nach Israel. Doch, nach dem Eintreffen von Ayatollah Khomeini wurde religiösen Minderheiten, Christen eingeschlossen, verfassungsmäßiger Schutz gewährt.

Kontakte mit Israel aufrecht zu erhalten, ist jedoch problematisch. Es werden weder Briefe von oder nach Israel befördert noch gibt es Telefonverbindungen zwischen den beiden Ländern. Auch wenn es iranischen Juden grundsätzlich frei steht, das Land zu verlassen, ein Besuch Israels ist iranischen Staatsbürgern grundsätzlich nicht gestattet. Insbesondere für die Mitglieder der jüdischen Gemeinde würde eine, auf Umwegen durchgeführte, Reise nach Israel mit Sicherheit Anschuldigungen von Spionage mit sich bringen.

Auch wenn sich, naturgemäß, Kontakte zwischen muslimischen und jüdischen Iranern in Grenzen halten, von offenen Aggressionen gibt es keine Berichte. Trotz eines landesweiten strikten Alkoholverbotes, ist Juden der Besitz und Genuss von Wein, offiziell aus religiösem Anlass, erlaubt. Ebenso wie es keine Einwände gibt, wenn auf jüdischen Festen Männer gemeinsam mit Frauen tanzen, was, muslimischen Grundsätzen zufolge, ebenfalls einem landesweiten Verbot unterliegt. Ein, kürzlich in der englischen Ausgabe der Prawda erschienener Artikel, setzt das Leben der Juden im Iran in Vergleich mit dem der Palästinenser im Gazastreifen, was immer die Ursachen für das dort regelmäßig wiederholte militärische Einschreiten auch sein mögen.

Mahmud Ahmadinedschad gibt unumstritten immer wieder merkwürdige Äußerungen von sich. Regelmäßig provoziert er die Welt durch verbale Drohungen. Kategorisch unterlässt er es, sich den Forderungen Israels und der Vereinigten Staaten zu unterwerfen. Internationale Konzerne und Banken finden sich beim Erobern iranischer Märkte mit Restriktionen und unüberwindbaren Hindernissen konfrontiert. Er beweist, dass er, und vermutlich ein nennenswerter Anteil der Bevölkerung,  es vorzieht, sich von der internationalen Gemeinschaft auszuschließen. Dieses kaum zu verstehende Festhalten an nationaler Souveränität basiert auf Ideologien, die wir, wenn wir sie zu analysieren versuchen, nur Verwunderung wecken können. Eines zeigt sich jedoch am Beispiel des Schicksals von zumindest 25.000 Angehörigen der jüdischen Glaubensgemeinde im Iran. Rassenhass kann als Anlass für Ahmadinedschads unverständliche Politik weitgehend ausgeschlossen werden. Aus anderen islamischen Ländern, zu denen, so die bereits zitierte Webseite Sephardicstudies,  Syrien, der Irak, Jemen, Ägypten, Marokko und Algerien zählen, sind jüdische Gemeinden schon lange verschwunden.

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