Samstag , 26 September 2020
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Politisch korrekt – Wer zieht die Grenzen

deutsche_briefmarkeEines Tages, vor rund zwanzig Jahren, tauchte dieser Begriff, „politische Korrektheit“, in den Medien der Vereinigten Staaten auf. Wie nicht anders zu erwarten war, pflanzte sich die damit verbundene Umerziehung nach Europa fort. Mittlerweile verfügt praktisch jeder über eine gewisse Vorstellung darüber, was gesagt oder geschrieben werden darf, ohne Anstoß zu erregen. In vielen Fällen korrespondieren die neuzeitlichen Richtlinien schlicht mit Respekt. Gleichzeitig schleicht sich aber auch eine Untergrabung althergebrachter Wertmaßstäbe ein. Und wer gibt eigentlich die vorhandenen Richtlinien vor? 

Alles „Gute“ kommt aus Amerika! Wikipedia berichtet über eine Analyse ausgewählter US-Medien zwischen 1989 und 1994. Im ersten Jahr des in Frage stehenden Zeitraumes tauchte der Begriff der „politischen Korrektheit“ nicht öfter als 15 Mal auf. 1990 stieg die Zahl auf 65. Und siehe da, plötzlich, von einem Jahr aufs andere, wurde der Begriff fast 30 Mal öfter verwendet. Und schon im Jahr 1994 wurden die Leser damit 6.985 Mal bombardiert. Was ist 1991 passiert? Wurden alle amerikanischen Journalisten plötzlich von einer Erleuchtung befallen? Wir können davon ausgehen, dass die Chefredakteure die Verwendung nahegelegt haben. Doch wer hat diese beeinflusst?

Bei einigen eingeschlossenen Formulierungen, deren Verwendung systematisch ausgemerzt werden soll, bedurfte es wohl keiner neu erfundenen Ideologie, sondern bloß eines gewissen Feingefühls und Respekts. Einen Menschen, der unter einer Behinderung leidet, als „Krüppel“ zu bezeichnen, war seit jeher geschmacklos. Doch was soll am lateinischen Wort für „schwarz“ falsch sein, „niger“, wovon sich das Unwort „Neger“ ableitet? Sonderbarerweise ist es durchaus politisch korrekt, die Einwohner Afrikas als „Farbige“ zu bezeichnen. Schwarz ist keine Farbe. Es ist das Nichtvorhandensein von Farbe.

Hat wirklich jemand das Wort „Zigeuner“ mit „ziehender Gauner“ assoziiert? Steckt nicht eine gewisse Romantik von freiem Leben, Ungebundenheit und ausgelassenen Festen hinter diesem Begriff? Sollen wir uns wirklich eines Tages nach dem Besuch der Operette „Der Sintibaron“ ein „Romaschnitzel“ zu Gemüte führen? Wann wird die französische Zigarettenmarke „Gitanes“ vom Markt genommen werden, so wie es in Konditoreien schon lange keine „Negerküsse“ mehr gibt?

Übrigens, seit dem Auftauchen der „politischen Korrektheit“ wird es immer schwieriger, Witze zu erzählen. Gegen irgend jemanden muss sich die Pointe schließlich richten, und, wenn der Scherz auch noch so unterhaltsam sein mag, wehe dem, der da zu lachen wagt, wenn eine geschützte Minderheit im Kernpunkt steht. Allerdings, sonderbarerweise, manche Gruppen dürfen angegriffen werden. Warum?

Es soll bei einer Versammlung von Feministinnen der Fall gewesen sein, dass eine Vortragende einen Witz erzählte: Einem Patienten wurde mitgeteilt, dass er eine Gehirntransplantation bräuchte. Es stünden auch schon zwei Gehirne zur Verfügung. Das Gehirn eines Mannes, für 10.000 Euro, und das Gehirn einer Frau, zum Sonderpreis von 2.000 Euro. „Und warum ist das Gehirn der Frau um so vieles billiger?“, wollte der Patient wissen. „Es ist gebraucht!“, war die Antwort.

Nun, der Erzähler dieser Geschichte war ein Mann und hinterfragte, zu welchem Aufruhr der gleiche Witz geführt hätte, wäre er umgekehrt erzählt worden. Sexismus, Diskriminierung, Frauenfeindlichkeit, was auch immer man dem Erzählenden sogleich vorgeworfen hätte.

Wäre es für einen Autor ein Problem, einer, mit der Mafia in Verbindung stehenden, Romanfigur einen italienischen Namen zu geben? Mir ist keine Organisation bekannt, die deswegen auf die Barrikaden gehen würde. Taucht in der gleichen Geschichte jedoch ein Wucherer auf, dann sollte er sich tunlichst hüten, diesen David Goldstein oder Joshua Silbermann zu nennen. Schließlich wurde sogar Shakespeares „Kaufmann von Venedig“, zumindest für Aufführungen in Amerika, umgeschrieben.

Noch Mitte der 1980er Jahre wagte es ein Lehrer von mir, zu behaupten, es gäbe keine außereuropäische Philosophie. Heutzutage würde er sich damit wohl auf Glatteis begeben. Auch die Musikwissenschaften haben sich damit abzufinden, dass die Kompositionen von Mozart und Beethoven zwar anders klingen als afrikanisches Urwaldgetrommel, aber keinesfalls qualitativ höher stehend zu bewerten sind.

Wie hätte die Öffentlichkeit vor, sagen wir, zwanzig Jahren noch reagiert, wenn ein Politiker seinen homosexuellen Liebhaber zu offiziellen Anlässen mitgenommen hätte, so wie andere ihre Ehepartner? Die moderne Aufgeschlossenheit verdient Respekt. Warum sollte man Menschen ihre Veranlagung vorwerfen? Warum sollte man sich über Männer lustig machen, weil ihr Auftreten sanft und zartfühlend wirkt? Was sich in der privaten Atmosphäre von Schlafzimmern abspielt, muss man sich ja nicht unbedingt im Detail ausmalen.

Was ich allerdings nicht ganz verstehe, sind die überalterten Vorurteile gegen Menschen, die sexuelle Beziehungen zu ihren Geschwistern unterhalten. Das sei abstoßend? Das hätte man früher auch über die Homosexualität geäußert. Es sei illegal? Warum eigentlich? Auch homosexuelle Aktivitäten waren vor wenigen Jahrzehnten noch vom Gesetz verboten. Die Gefahr für den Nachwuchs? Wenn Sexualität der Fortpflanzung dienen würde, wäre dies ein Argument. Wenn sich zwei Männer im Bett vergnügen, ist das Ziel wohl kaum der Versuch, eine Familie zu gründen. Vielleicht findet sich einmal ein Bürgermeister, der stolz verkündet: „Ich bumse meine Schwester, und das ist gut so!“

Seit wir im sogenannten Informationszeitalter leben, werden wir ständig mit Eindrücken berieselt. Dabei schenken wir den Details immer weniger Aufmerksamkeit. Je öfter sich Begriffe, Äußerungen, Bilder wiederholen desto mehr gewöhnen wir uns an den neuen Zeitgeist. Und wie oft fragen wir nach dem Sinn der Veränderungen? Wir finden uns damit ab, andere Religionen zu respektieren, während wir gleichzeitig zusehen, wie christliche Symbole als „politisch unkorrekt“ verdrängt werden. Während wir regelmäßig Auspuffgase einatmen, ohne Unterbrechung, durch Luft, Nahrung und Hautkontakt, gesundheitsschädigende Chemikalien aufnehmen, verfällt so Mancher in Panik, wenn er jemanden in seiner Nähe eine Zigarette rauchen sieht.

Während der Jahrhunderte hat sich das gesellschaftliche Leben weltweit verändert. Doch diese Entwicklungen nahmen nicht nur deutlich mehr Zeit in Anspruch, sie verbreiteten sich regional. Plötzlich, seit der Existenz der Massenmedien, fegen neue Ideologien mit unglaublicher Geschwindigkeit über die westliche Welt. Berichten die Medien in einer bestimmten Richtung, weil die Menschen plötzlich so denken, oder entwickeln sich die Veränderungen genau umgekehrt? Doch, wenn dies der Fall wäre, wer beeinflusst die Berichterstattung? Wird diese von bestimmten Lobbys oder Kreisen gesteuert, zu welchem Zweck? Die Antwort darauf muss ich leider schuldig bleiben. Trotzdem würde ich jedoch raten, der Diktatur der sogenannten „politischen Korrektheit“ entsprechende Aufmerksamkeit entgegen zu bringen. Die persönliche Meinung ist letztendlich die Schlussfolgerung aller zur Verfügung stehenden Informationen. Unterliegt der Fluss dieser Informationen einem gesteuerten Umerziehungsprozess, könnte es leicht zum Fall werden, dass mein persönliches Weltbild nicht meinem eigenen Denken, sondern einem vorgegebenen Schema entspricht.

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