Montag , 22 Juli 2019
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EU-Gipfel: Wie halte ich die Bürger kurz, bei gleichzeitigem Wachstum

bettelmusikant lissabonWieder einmal eine dieser nichtssagenden und doch so beruhigenden Schlagzeilen: „120 Milliarden Euro mehr für Wachstum!“ Die Wirtschaft braucht höhere Umsätze, dass der Staat mehr Steuern einnimmt, um den Finanzsektor weiter befriedigen zu können. Mehr Konsum? Ausgeschlossen! Die Leute sollen schaffen, nicht prassen. Wir brauchen Investoren. Die kommen am ehesten, wenn ihnen die notwendigen Gelder für ihre Vorhaben gleich mit zu Verfügung gestellt werden.

Wie schon mehrmals erwähnt, handelt es sich um eine Unmöglichkeit, Sparmaßnahmen zu verstärken und gleichzeitig das Wachstum der Wirtschaft zu fördern. Entweder sorge ich für gute Umsätze in meiner Stammkneipe oder ich versuche, mein überzogenes Konto auszugleichen. Beides zur selben Zeit lässt sich nie und nimmer bewerkstelligen.

In der EU ist das natürlich anders. In der EU arbeitet der Bürger ja auch nicht für sich selbst, sondern er ist produktiv, um das Rad der Wirtschaft in Bewegung zu halten – und dabei dürfen die Früchte ruhig anderen zugutekommen. Neue Arbeitsplätze werden grundsätzlich nicht im Bereich von Service oder Dienstleistungen geschaffen, sondern vorwiegend in der Herstellung von Exportprodukten und in der Bauwirtschaft.

Ein kleiner Denkanstoß: Wie viele neue Arbeitsplätze würden entstehen, gäbe es an Tankstellen wieder Bedienung? Wie viele Mitarbeiter könnten neu eingestellt werden, um lästiges und zeitraubendes Schlangestehen zu vermeiden, ungeachtet, ob im Supermarkt, auf der Bank oder sonst wo? Der Beispiele ließen sich noch viele anführen.

Doch der Komfort der Bürger, von denen all die Gelder für die Zinsleistungen, den Rettungsschirm und die Subventionen für angelockte Investoren zur Verfügung gestellt werden – nicht freiwillig, sondern durch legalisierte Enteignung, gemeiniglich „Steuern“ genannt – ist ohnehin schon viel zu hoch. Hören und lesen wir nicht immer wieder, wie gut es uns allen doch geht? Wir können ruhig noch ein paar Abstriche machen.

Was mit den angesprochenen 120 Milliarden nun wirklich geschehen soll, ist noch nicht bekannt. Wo sie genau herkommen, auch nicht. In „unmittelbare Wachstumsmaßnahmen“ sollten sie investiert werden, gab EU-Ratspräsident Hermann Van Rompuy von sich. Was immer damit gemeint sein könnte, den Bürgern der EU mehr Geld für Konsum zu überlassen, schwebt ihm dabei garantiert nicht vor.

Rund 55 Milliarden Euro sollen aus „ungenützten EU-Mitteln“ kommen. Interessant! Wo nimmt die EU das viele Geld her? Ja, natürlich ist es nachvollziehbar. Doch, ohne nach den Details zu suchen, das Geld kommt natürlich von den Bürgern der EU.

Und was lesen wir dann noch? Zehn Milliarden Euro werden der Europäischen Investmentbank zur Verfügung gestellt, damit diese im Laufe der kommenden drei Jahre Kredite in Höhe von 60 Milliarden Euro vergeben kann! Das schreibt unter anderem Die Zeit. Leser von The Intelligence wissen natürlich, wie es möglich ist, dass einem Geldinstitut zehn Milliarden überlassen werden, damit dieses das Sechsfache verborgen kann. Doch, so fürchte ich, der Mehrzahl der Zeit-Leser ist keineswegs klar, wie diese wunderbare Geldvermehrung funktioniert. Wundert sich niemand darüber? Wohl kaum. Dass Banken ein Vielfaches ihres Eigenkapitals verleihen, weil sie Geld aus „dünner Luft“ erschaffen, fällt leider für einen Großteil der Opfer der Massenmedien in den Bereich von Verschwörungstheorien, obwohl sich der Prozess der Geldschöpfung in jeder Enzyklopädie nachlesen lässt.

Was kündigt diese „Rettungsbotschaft“ nun wirklich an? Öffentliche Gelder in Höhe von 55 Millarden Euro werden Internationalen Investoren in Form von Subventionen zur Verfügung gestellt werden, um schlecht bezahlte Arbeitsplätze zu schaffen, am besten im Exportsektor. Weitere zehn Milliarden werden der Europäischen Investmentbank überalssen, damit diese mehr Geld verleihen kann, um dadurch der Schuldenkrise Herr zu werden. Klingt der letzte Satz unlogisch? Nicht unlogischer als unser gesamtes Geldwesen, das ausschließlich auf Schulden basiert. Nicht unlogischer als unsere moderne Wirtschaftspolitik, die den Bürger mittlerweile ausschließlich als Arbeitskraft betrachtet, die zum Nutzen des Finanzsektors einzusetzen ist. Der Begriff „Human Resources“, zu deutsch: Humankapital, als Ergänzung zu den „Natural Resources“, den Rohstoffen, wird ja ohne Scheu verwendet. Solange der Bürger sich’s gefallen lässt!

Und abschließend: 120 Milliarden Euro entsprechen einem Prozent des gesamteuropäischen Wirtschaftsvolumens. Das dadurch einzuleitende Wachstum reicht mit Sicherheit nicht aus, um das Schuldgeldsystem weiter zu finanzieren. Es dient bestenfalls einer Verzögerung des Zusammenbruchs. Hauptsache, die Mittel fließen noch rechtzeitig in die gewünschten Kanäle.

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