Samstag , 24 August 2019
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Mañana – Lösung der Atommüllfrage auf Spanisch

spanien_flagge_atomWährend in der Bundesrepublik seit langem heftig über Sicherheit, Notwendigkeit und Ausbau von Gorleben, Asse und Co gestritten wird, bedurfte es in Spanien einer äußerst angespannten Wirtschaftslage, um nochmals ernsthaft über den Bau landeseigener Atommülllager nachzudenken. Bis 1994 wurden Brennstäbe aus den spanischen Atomeilern zur Wiederaubereitung nach Frankreich geschickt – und bis heute noch nicht zurückgeholt. Für diesen Müll wird ab 1. Januar 2011 die Rechnung präsentiert: Knapp 250 Mio. € müssen die Spanier berappen und sollten sie den Müll zum Stichtag nicht zurücknehmen, fallen Verzugszahlungen an: 60.000 € pro Tag, fast 22 Mio. € allein im Jahr 2011.

Die am 14. Januar 2010 gestartete Ausschreibung eines “Almacén Temporal Centralizado“, (übersetzt: Temporäres Zentrallager), kurz: ATC, gab die Auswahlkriterien vor: Neben der sofortigen Verfügbarkeit von ca. 20 ha Land, bestehenden Infrastrukturen sowie geologischer Eignung des Geländes u.ä. wurde zur Bedingung gemacht, dass das Terrain bereits als Industriegelände ausgewiesen ist und einer zügigen Baugenehmigung nichts im Wege steht; angesichts der drohenden Zahlungen ein Muss. Zusätzlicher Anreiz für die von massiver Arbeitslosigkeit bedrohten Gemeinden – die Quote liegt in Spanien bei durchschnittlich 20 % – sind sicher auch ein Investitionsvolumen von rund 700 Mio. € und die Schaffung von bis zu 500 Arbeitsplätzen.

Mitte September gab Industrieminister Miguel Sebastián bekannt, dass das in der Region Valencia gelegene Dorf Zarra, nur wenige Kilometer vom Atomkraftwerk Cofrentes entfernt, als vorläufiger Favorit unter den 14 Bewerbern auserkoren wurde. Von 7.000 Tonnen hochradioaktivem Müll ist die Rede, der hier 60 Jahre gelagert werden könnte.

Angesichts der massiven Proteste, die auf die Bekanntgabe folgten, ist die erfolgreiche Durchführung des Projektes mehr als fraglich. Die Opposition wirft der Regierung Zapatéro vor, von Ascó in Katalonien abzulenken, dem eigentlich favorisierten Standort. Da sich die Katalanen aber als starke Atomkraftgegner geben und zudem Regionalwahlen anstehen, käme eine Entscheidung hierfür zur Unzeit. Die von störanfälligen Atommeilern geplagte Bevölkerung wehrt sich vehement gegen weiteren Müll. Andererseits sind die unterlegenen Mitbewerber verstimmt, hatten sie doch auf einen dringend erforderlichen Geldsegen für ihre Regionen gehofft.

Am 19. November bezog auch Greenpeace Stellung: Die Regierung wird aufgefordert, das Vergabeverfahren für den ATC auf Grund formaler Mängel einzustellen. Die Diskussion über den Umgang mit atomaren Abfällen solle mit Beteiligung der Öffentlichkeit geführt werden, es müsse über Umweltfragen sowie ökologische, soziale und territoriale Aspekte gesprochen werden.

Angesichts des breiten Widerstandes verschob die Regierung die Entscheidung über ein ATC und den Umgang mit dem Atommüll auf unbestimmte Zeit. Mañana – mindestens auf morgen – angesichts der maroden Kassen des auf den EU-Rettungsschirm schielenden Landes fatal. Und der Begriff „strahlende Zukunft“ hat einen bitteren Beigeschmack.

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