Montag , 20 Januar 2020
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Verraten und verkauft – Rund 1000 Menschen bei Occupy-Demo in München

occuoy_muenchenZehntausende haben gestern in deutschen Städten bis in den späten Abend hinein gegen Bankenrettung und das derzeitige Wirtschaftssystem demonstriert. Auch in München fanden sich zur Spitzenzeit am Nachmittag rund 1000 Leute am Stachus ein. Rund 1100 Demonstranten hatten sich zuvor bei Facebook angemeldet; so viele, dass die Organisatoren von „Echte Demokratie jetzt“, Attac und ISW München kurzfristig den Veranstaltungsort an den Stachus verlegten. Als Hauptredner sprach Finanzexperte Georg Zoche zu der Menge, die so bunt gemischt war wie ihre Forderungen. In Gesprächen mit den Demonstranten und am offenen Mikrofon wurde aber eines deutlich: Die Menschen haben Angst und fühlen sich von Politik und Wirtschaftselite verraten und verkauft.

Nur junge Leute waren es jedenfalls nicht, die sich in München eingefunden hatten. Viele der Demonstranten waren deutlich über 40 Jahre alt, auch Familien mit Kindern waren gekommen. Von „Wutbürgern“ fehlte sowieso jede Spur. „Der Protest ist global und friedlich“, betonte Ludo Vici von „Echte Demokratie jetzt“ im Hinblick auf die Republikaner-Veranstaltung am nahen Marienplatz. Dort war es zu verbalen Attacken zwischen 1200 Gegendemonstranten und Republikanern gekommen. Auch die Polizei bestätigte, dass die Occupy-Demonstranten völlig friedlich seien.

Trotzdem blicken die Menschen mit großer Sorge auf die Ereignisse in den USA und Europa. „Geld muss wieder im Dienst der Menschen stehen, nicht umgekehrt“, sagte Vici. Er forderte eine ethische Revolution und erntete dafür viel Applaus. Auf die Kritik, dass die Demonstranten keine Ziele und Alternativen zum bisherigen System hätten, antwortete Vici, man befinde sich in einem Entwicklungsprozess.

Dass dieser Prozess schwierig werden kann, deutete sich am offenen Mikrofon an. Von Ärger über die sinkenden Reallöhne bei hohen Unternehmensgewinnen über heftiger Kritik am Kapitalismus bis hin zu Verschwörungstheorien und antidemokratischen Tendenzen sprachen sich die Leute alles von der Seele. Gemeinsam war ihnen vor allem ein überwältigendes Misstrauen gegen die Politik. Vielen der gestern Anwesenden gilt sie nur noch als Erfüllungsgehilfe von Wirtschaftslobbyisten. Angesichts der Euro-Krise und dem erneuten Bankenrettungs-Plan fühlen sie sich von ihren gewählten Vertretern betrogen und im Stich gelassen. „Geld für Arbeit und nicht zum Zocken“, forderte etwa eine ältere Demonstrantin. „Das jetzige System belohnt nicht den, der hart und gut arbeitet, sondern den, der andere über den Tisch zieht.“ Dagegen wolle sie ein Zeichen setzen. 2008 sei eine Regulierung der Märkte versprochen worden, passiert sei aber nichts, sagte ein anderer Demonstrant. „Die Banken erpressen den Staat.“

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