Samstag , 25 September 2021
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Die Befreiung aus dem alten Denken

chain brokenHeute, im Zeitalter der Information, wo wir per Satellit aus hundert Kilometer Höhe ein Nummernschild am Erdboden lesen können, scheinen die technischen Möglichkeiten unseren in alten Strukturen feststeckenden Denkgewohnheiten weit vorauszueilen. Nun wo das Internet zu einem zusätzlichen Sinnesorgan, Lebensort und Arbeitsplatz gleichzeitig wird, tritt deutlicher hervor als je: Erziehung ist Denken. Wobei es um die Fähigkeit zu kreativem Denken geht, welches nur stattfinden kann bei freier Wahl über was man überhaupt nachdenken möchte. Und: Das Entstehen eines kreativen Gedankens kann man sich für kein Gold der Welt kaufen.

Wir wurden in der Geschichte bereits wiederholt Zeuge von Hinweisen, die uns lehren können, unser Denken zu verfeinern und so auch dieses in ein neuartiges Werkzeug zu verwandeln.        

In seinem Essay Of Seditions and Troubles schrieb Francis Bacon: „Vor allem braucht man eine gute Politik, damit sich die Schätze und das Geld des Staates nicht in wenigen Händen konzentrieren. Ein Staat kann sonst reich sein und trotzdem eingehen. Geld ist wie Mist: es stinkt, wenn es nicht gerecht verteilt wird.“

Die größte Stärke des Gedankens hinter dem kapitalistischen System liegt in der Idee der Freisetzung des Menschen durch eine Gesellschaft, die jedem die Möglichkeit gibt, seine Kreativität zu entfalten. In der momentanen Form von Kapitalismus wird jedoch der materialistische und individualistische Aspekt überbetont. So wird jedes tiefere Denken sowie echte Zusammenarbeit behindert und das individuelle Wohl über das Wohl der Gemeinschaft gestellt. Was auf die Dauer fatale Folgen hat, wie wir gerade schmerzhaft erfahren.    

Jeder Versuch auf die Gesellschaft positiv einzuwirken, sollte beim eigenen Denken beginnen. Unsere Gedanken bestimmen nicht nur unsere Sicht auf unsere Umwelt und uns selbst, sie liegen auch all unseren zum Teil unbewussten Motivationen zugrunde. Wir können nur andere klar sehen, indem wir uns selbst zunächst objektiv betrachten lernen. Es sind nur oberflächlich blindmachender Stolz, Eifersucht und Begehren, die all unser Konkurrenzverhalten auslösen. Die Geißel dieses Verhaltens wurzelt eigentlich in bloßer Angst voreinander.

Die einzige Bedingung dafür, uns aus uralten Angstmustern zu befreien und den momentan notwendigen Wandel hin zu einer globalen Gesellschaft, die allen Menschen gleichermaßen gerecht wird, auch im Alltag spontan zu leben, finden wir in unserer Bereitschaft zu umfassender Zusammenarbeit. Aber dafür müssen wir zunächst kollektiv aus Ignoranz und uralten Vorurteilen erwachen. Wir werden dabei nun unterstützt, etwa durch eine populäre animierte Software, die Hans Rosling von der Gapminder Foundation entwickelt und die uns zum ersten Male in der Menschheitsgeschichte eine gemeinsame, auf Fakten basierende, Weltsicht bietet, die jeder sofort verstehen kann.  

Dem Novum Organum von Francis Bacon zufolge, muss die Menschheit sich von vier Arten von Trugbildern befreien, welche von Selbsterkenntnis und vom Erlangen echten Wissens abhalten: Dem Trugbild der Gattung, welches dafür steht, dass die Menschen fälschlicher Weise sich selbst zum Maß aller Dinge erheben. Dem Trugbild der Höhle, welches andeutet, inwiefern jeder individuelle Mensch in der Höhle seiner eigenen Vorurteile eingesperrt ist. Dem Trugbild des Markplatzes, welches den allgemein gültigen Auffassungen der Zeitgenossenschaft eine falsche höhere Wahrheit verleiht. Schließlich auch von dem Trugbild des Theaters, welches die von den Institutionen und Religionen verkündeten Dogmen nicht als die modischen und austauschbare Szenerien sehen lässt, die sie nun einmal sind. Wenn wir andere idolisieren oder irgendeinem „Starkult“ folgen, verlieren wir zwangsläufig den Kontakt zu uns selbst und sehen alles nur noch verzerrt.    

Die vier Trugbilder, die Bacon benennt, finden durch analoges Denken ihre Auflösung in der Grundlage der buddhistischen Lehre von den Vier Edlen Wahrheiten. Das erste Trugbild verdeckt die erste Wahrheit: Das Leben im Daseinskreislauf ist letztendlich leidvoll. Das zweite Trugbild verdeckt die Ursache des Leidens: Gier, Hass und Verblendung. Das dritte Trugbild verdeckt die Einsicht vom Erlöschen des Leidens, wenn die Ursachen des Leidens erlöschen. Das vierte Trugbild schließlich verdeckt den achtfachen Pfad zum Überwinden dieser Ursachen: Rechte Sicht, rechte Entschlossenheit, rechtes Reden, rechtes Handeln, rechter Lebenserwerb, rechtes Bemühen, rechte Aufmerksamkeit und rechte Konzentration.

Um uns von diesen falschen Bildern in unserem Denken befreien zu können, müssen wir unser Denken, unsere Worte und unsere Taten beobachten lernen und sie durch Gelassenheit und Ehrlichkeit in Übereinstimmung miteinander bringen. So werden wir zum Zeugen unseres ganzen Denkprozesses und erkennen: Wir sind nicht unsere Gedanken, sondern der Denker hinter diesen. Schließen Verstand und Glaube sich gegenseitig per Definition aus, so sind sie doch durch Analogie miteinander verbunden. So entkommen wir dem Feld des Relativen und finden uns inmitten des Unbegrenzten wieder. Die gesellschaftlichen Auswirkungen eines solchen integralen Denkens, welches ein Gefühl für rechte Entsprechungen verbindet mit dem Willen zur Verbesserung, sollen hier im Folgenden angedeutet werden.            

Hin zu neuen Regierungs- und Wirtschaftsformen

Die politischen Systeme, die auf die Schaffung von Armut und Reichtum angewiesen waren, brechen endlich an den von ihnen selbst hervorgebrachten Ungleichgewichten zusammen. Die Strukturen dieser Systeme basierten auf illusorische Trennungsvorstellungen, die Angst, Umweltzerstörung, Misstrauen und soziale Verelendung in unerhörten Ausmaße generierten. Zudem sind inzwischen bezüglich der Korruption die meisten Medien in einem ähnlich schlechten Zustand wie die politischen Parteien. Konnten die Medien bisher unser Weltbild und unsere Wahrnehmung erfolgreich als einseitiges Denken formen, erkennen sekündlich mehr Menschen diese als Propagandamaschinen für Politik im Dienste bestimmter Wirtschaftsinteressen und informieren sich daraufhin selbst. Was zu sehr herausfordernden Einsichten führen kann, denn oft sind gerade die wichtigsten Ereignisse der Gegenwart von den als verlässlich eingestuften Medien überhaupt nicht, oder offenbar vorsätzlich falsch, dargestellt worden. In dem wir Bürger nun so zu Selbstbewusstsein erwachen, können wir die alten Regierungsformen der Parteiendemokratie friedlich in direkte basisdemokratische umwandeln, die den grundlegenden Rechten allen Lebens auf diesem Planeten Unterstützung leisten. Dies erfordert das Implementieren, nicht von Anarchie, sondern von neuen Strukturen, die den Bedürfnissen nach Frieden, Harmonie, Gerechtigkeit und richtigen Beziehungen für Menschen, egal welcher Hautfarbe, Religion oder Rasse, Ausdruck geben.

Dieser gerade stattfindende Übergang bedeutet den Wechsel von einer Ära des unkontrollierten Wettbewerbs zu einer der Zusammenarbeit. Das vollständige Akzeptieren der Vorteile der Zusammenarbeit kann nun die ganze Menschheit einen großen Schritt voranbringen. Und es ist auch nur dieser Schritt, der all unsere tiefgreifenden Probleme – spirituell, ökologisch und ökonomisch – überwindet. Wer einmal die einfache Freude wahrer Zusammenarbeit erleben durfte und das vollständig neue Weltwild sich erschließen sah, zu welchem diese der Schlüssel, der zweifelt nicht mehr an einer möglichen grandiosen Zukunft für uns alle.

Einen ersten Vorgeschmack darauf, wie wahre Zusammenarbeit unsere Gesellschaft tiefgreifend zum besseren nun transformieren kann, liefern nicht nur die kreativen und friedlichen Proteste, die sich seit einiger Zeit im Sinne einer neuen Basisdemokratie und gerechten Weltordnung ausbreiten, sondern auch seit längerem schon Bewegungen, wie The World Social Forum, Jubilee South, World March of Woman, Our World Is Not For Sale, Via Campensina und unzählige andere. Verbindend im Sinne der Zusammenarbeit ist zwischen all diesen Bewegungen, die Einsicht in die Notwendigkeit der Einführung einer echten Demokratie; einer Politik, die nicht mehr dem Geld und den Markkräften dient, sondern den Menschen und allem Leben auf diesem Planeten.

Gregg Hill, der Co-Producer des für 2012 angekündigten Films Occupy Love, der die Frage stellt, wie wir die momentanen ökologischen und ökonomischen Krisen in eine große Liebesgeschichte verwandeln können, schreibt in diesem Sinne: „Es geht darum, dass unsere mächtigsten Führer in der Finanzindustrie sitzen und die meisten von ihnen wirken in unqualifizierter Weise. Sie sind vom Herzen und von zeitlosen menschlichen Weisheiten getrennt. Es gibt einen Mangel an Verständnis und Mitgefühl, welches endemisch ist und auch noch in dieser Kultur gefeiert wird. Es ist eine Welt, die all die Fülle und Frivolität großer Privilegien wünscht, ohne jedes Gewicht auf Verantwortung zu legen. Dies ist soziopathisch.

Hier ist ein Anfang: Beginne damit, die Leute um Dich herum zu fragen: Wie können wir uns das nur weiter antun? Stellen wir Fragen und hören genau auf die Antworten. Organisieren wir uns rund um Wahrheiten, die universell sind, und profitieren durch Balance und Harmonie. Geben wir den Veränderungen Glaubwürdigkeit. Und am wichtigsten, in den Hallen der Unternehmen oder auf den Bürgersteigen unserer Nachbarschaft, seien wir mutig. Seien wir bereit, echte Risiken einzugehen, und ändern wir unser Verhältnis zur Welt. Menschen finden so Gleichgesinnte und holen sich so die Allgemeingüter zurück. Wir unterstützen einander und finden so Freunde!“

Charles Eisenstein ist einer der Visionäre und Helden des Alltags die in Occupy Love zu Worte kommen. Er schreibt in seinem Buch Sacred Economics über ein kommendes Geldsystem, welches wir in den nächsten Jahren installieren können und bei dem u.a. alle Geldgeschäfte transparent sind. So ein System würde die Art, wie wir über Wirtschaft denken, radikal ändern.

Eine Lebensweise die intelligente Liebe ausdrückt

All dies sind erste Anklänge einer sich immer rasanter nun ausbreitenden Lebenseinstellung, die sich in dem Maße durchsetzen wird, in dem die Menschen sich als Einheit erkennen – als harmonische Synthese aus individuellen Charakteren, Nationen und Kulturen, die alle gleichermaßen einen wertvollen unersetzbaren Beitrag zum Ganzen leisten. Diese Selbst-Befreiung der Menschen aus uralten Gewohnheiten der Rivalität bringt auch ein umfassenderes Erkennen derjenigen Energieform mit sich, die allem Dasein zu Grunde liegt, und die wir allgemein Liebe nennen.

Wahre Liebe ist eigentlich ein aktiver Zustand, der die analogen Kräfte von Gefühl und Verstand miteinander verbindet und zu einer höheren Synthese vereint, wann immer ein Mensch seinen Mitmenschen selbstlos dient. Denn nur die Bereitschaft zu einem solchen selbstlosen Einsatz für seine Mitmenschen, oder für andere Lebensformen, ermöglicht, in Kontakt mit der eigenen Seele zu treten, deren Qualitäten zu manifestieren und so die Einheit allen Seins zu erfahren und zu bestätigen. Die so ausgedrückte Liebe, die potentiell in jedem Menschen schlummert und nur darauf wartet, erweckt zu werden, ist mit dem Willen unmittelbar verbunden. Liebe, Intelligenz und Willen spielen als Energiedreieck gleichermaßen Schlüsselrollen, bei der sich nun zum ersten Male auf diesem Planeten formierenden globalen Zivilisation.

Es ist gerade der Dreiklang dieser Attribute, welcher in einem Menschen dessen innewohnende Göttlichkeit offenbart. Wir erkennen uns in dem Maße als potentiell eins mit dem göttlichen Prinzipien der Schöpfung, in dem wir unseren Willen gezielt einsetzen, um auf intelligente Art Liebe auszudrücken. Eine solche Einsicht liefert nun auch die Basis für eine neue ganzheitliche Wissenschaft, welche die uralten Weisheitslehren aller Weltkulturen von der Existenz und Wirkungsweise der Seele bestätigen wird.

Womit wir bei einem erweiterten Menschenbild wären, welches mit der beginnenden neuen Ära nun aufscheint. Die Menschen werden sich ihrem göttlichen Ursprung zunehmend gewahr werden und dementsprechend auch motiviert sein, diesem umfassend Ausdruck zu verschaffen. Die kommende Wissenschaft wird sich mit Energie als Gesamtproblem befassen: Wissen und Weisheit als Analogie zu Kraft und Energie. Diese Wissenschaft wird sich ganz natürlich aus den beiden Hauptwegen ergeben, welche seit Alters her den Ausdruck des höchsten Potentials im Menschen fördern: Dienst an seinen Mitmenschen und Meditation. Meditation richtig ausgeführt ist eine wissenschaftliche Technik, die zunächst den Kontakt zur eigenen Seele herstellt und dann zu immer umfassenderen Erkennen der Schöpfung und der Rolle, die man in ihr spielt. Die Wirkungsweisen dieser Technik sind für alle nachprüfbar in der Leere des Yoga überliefert. Wobei es, wie bei jeder konkreten Technik, wesentlich ist, die verschiedenen Yoga-Formen in ihrer Relevanz zu erkennen und je nach der jeweiligen Gegebenheit richtig anzuwenden. Universitäten werden sich entsprechend an der Wissenschaft der Bewusstseinsentwicklung ausrichten.

Eine ganzheitliche Wissenschaft

Diese neue ganzheitliche Wissenschaft bringt ein Weltbild mit sich, welches den Menschen als bewussten Mit-Schöpfer innerhalb einer allgemeinen kreativen Genese begreift. Die Basis der neuen Kultur wird also eine künstlerische sein. Da das kreative Potenzial eines Menschen sich aber in allen Lebensbereichen gleichermaßen entfalten kann, wird deutlich werden, inwiefern unser jetziger Kunstbegriff vor allem auch ein Gefängnis war. Das bisherige Idealbild des Künstlers als unverstandenem Genie wird durch den Blick abgelöst, der in jedem Menschen den potentiellen Künstler des Lebens sieht, den es in der Gemeinschaft gemeinsam zu entdecken und zu unterstützen gilt.

Wenn wir nun begreifen, dass es nur das Geschwür des Konkurrenzdenkens war, welches uns vom Erkennen der uns gemeinsamen Göttlichkeit abhielt, werden die tieferen Zusammenhänge unseres bisherigen zerstörerischen Verhaltens deutlich werden. Das Bewusstsein unserer Verbundenheit miteinander – mit der Natur, dem Kosmos und dem geistigen Reich – wird uns eröffnen, inwiefern das Innenleben eines jeden Menschen heilig ist. Jeder äußere übermäßige Wohlstand (oder der Mangel an dem zum Überleben notwendigsten) hielt uns bislang nur von unserer geistigen Entwicklung und der höheren Schulung des Denkens ab und verdeckte so den Blick auf den eigentlichen Sinn unserer Existenz. Im Widerspruch zur bisherigen westlichen Ideologie des übermäßigen Materialismus und des Zwangs zum Wirtschaftswachstum, werden wir eine Welt schaffen, in der inneres Wohlbefinden, eine einfache nachhaltige Lebensweise und wahres Glück zum eigentlichem Gradmesser werden.

Natürlich wird es in einer solchen Kultur dann auch weiterhin spielerischen Wettbewerb zur gegenseitigen Inspiration geben, doch keinen Kampf mehr des einen gegen den anderen im Sinne einer Ideologie des Überleben des Stärkeren. Wir können eine solche Kultur als die eines gegenseitigen Ausgleichs der positiven Elemente, der analogen Konzepte von Kapitalismus und Sozialismus beschreiben. Eine solche Balance der Grundlagen von Gleichheit und Freiheit ermöglicht einen nächsten Entwicklungsschritt, der in eine Weltkultur der friedlichen Kooperation münden wird, deren Grundprinzip nur das gerechte Teilen aller Weltressourcen sein kann.

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