Montag , 26 August 2019
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Manipulation der Massen

oympic_games_2010_german_flagBei der Reaktion der Bevölkerung Nordkoreas, nach dem Ableben des Regierungschefs Kim Jong Il, handelt es sich nur um eines von vielen Beispielen. Menschenmassen zeichnen sich immer wieder durch sonderbares Verhalten aus. Politische, aber auch religiöse, Anlässe führen nicht nur zu Manifestationen, an denen sich Millionen beteiligen, sondern oft genug auch zu tiefen Gefühlsausbrüchen. Wie gelingt es den Machthabern und Führern, derartigen Einfluss auf diese Menschen auszuüben? Warum zeigen sich solche Massenerscheinungen nicht bei uns? Sind wir zu intelligent, um uns manipulieren zu lassen? Unterlässt man es, uns zu manipulieren? Oder werden wir in einer Art beeinflusst, sodass wir es gar nicht bemerken?

Abgesehen davon, dass Nordkorea seit Bush dem Jüngeren der „Achse des Bösen“ angehört, wissen wir relativ wenig über dieses Land. Natürlich sind wir informiert, dass es sich um eine Diktatur handelt. Und mit „eisernern Hand“ regierte Kim Jong Il über sein Volk.

Welche Reaktionen würde man von Menschen erwarten, deren Tyrann plötzlich stirbt? Im Falle, dass Hoffnung auf ein Ende der Tyrannei besteht, vermutlich Jubel. Wird erwartet, dass der Despot schlicht durch einen anderen ersetzt wird, so sollte man erwarten, dass das geknechtete Volk sein Schicksal in Teilnahmslosigkeit hinnimmt. Doch, wie die Bilder aus Nordkorea zeigen, führte die Nachricht vom Ableben Kim Jong Ils zu spontanen Tränenausbrüchen. Und zu viele von Betroffenheit gezeichnete Menschen sind zu sehen, um anzunehmen, dass diese Szenen gestellt seien. Es bleibt also nur ein Schluss: Die staatlichen, gleichgeschalteten Medien haben es im Laufe der 17-jährigen Herrschaft des Tyrannen geschafft, die Bevölkerung von den guten Absichten Kim Jong Ils zu überzeugen.

Natürlich wissen die Menschen im Westen es besser. Denn wir leben mit einer freien Presse, die nicht unter staatlicher Kontrolle steht. Wenn in Nordkorea oder in einer anderen Diktatur alle Medien dasselbe berichten, dann liegt es daran, dass der Diktator es so bestimmt hat. Berichten im Westen, wo die Presse frei ist, alle Kanäle dasselbe, dann kann es nur daran liegen, dass es sich um die Wahrheit handelt. Logisch, nicht wahr?

libyen_massendemo_june_17Doch diese Massenhysterie, von der die Nordkoreaner plötzlich ergriffen sind, ist kein Einzelfall. Wir erinnern uns an Bilder, in denen verblendende und manipulierte Iraker ihren Saddam Hussein begeistert umscharten. Während die proamerikanischen Medien über Proteste in Venezuela berichten, finden sich Bilder von Massen, die Hugo Chavez zujubeln. Im Juni, als der Rest der Welt schon lange überzeugt war, dass Oberst Muammar Gaddafi ein rücksichtloser Diktator war, versammelten sich Hunderttausende – Schätzungen unabhängiger Journalisten vor Ort reichten bis zu 1,7 Millionen – Menschen in Tripolis, um ihrer Unterstützung für die damalige Regierung Ausdruck zu verleihen. (Abgesehen von The Intelligence, hat kaum ein Medium darüber berichtet.) Und selbst ein Blick in die eigene Geschichte versetzt uns in Staunen, ob der Bewunderung, die den rücksichtslosesten Volksverhetzern einst entgegeben gebracht wurde.

Wenn wir also in unseren Wohnzimmern sitzen und die Bilder aus der Welt betrachten, dann finden wir immer wieder Bestätigungen dafür, dass wir selbst doch eigenständig denkende Wesen sind. Nicht nur, dass unsere eigene Objektivität ausreicht, um uns ein korrektes Bild über unsere Politiker zu machen, auch die Presse stellt immer wieder ihre Bereitschaft zur Kritik unter Beweis. In manchen Fällen, zumindest.

Würden wir uns mit jenen Nordkoreanern, die Kim Jong Ils Tod beweinen, über ihre Gründe für die überwältigende Trauer unterhalten, so können wir Gift darauf nehmen, dass sie davon überzeugt sind, dass der Schmerz in ihren eigenen Herzen entstanden ist. Schließlich zählt es zu den Grundelementen der Manipulation, dass sich der Manipulierte der gesteuerten Einflüsse nicht bewusst ist. Und wie ein Blick auf andere Staaten – oder die eigene Geschichte – belegt, ist kein Volk frei von der Gefahr, einem Personenkult zu verfallen.

Außer, man ist sich bewusst, wohin ein Personenkult führen kann.

Nur wer nicht manipulierbar ist, so wie wir, ist auch entsprechend frei, um sich seinen eigenen, von außen unbeeinflussten, Interessen zu widmen. Wir, die Bürger westlicher Staaten, entscheiden selbst, ob wir uns ein Fußballspiel ansehen, ob wir alle Verabredungen streichen, weil gerade eine Weltmeisterschaft im Laufen ist oder Olympische Spiele. Wir haben aus völlig eigenem Antrieb erkannt, was im Leben wichtig ist. Und wir üben unser Recht aus, uns diesen Interessen mit Begeisterung zu widmen.

Gelegentlich, aber wirklich sehr selten, bringen wir vielleicht etwas Mitgefühl für jene armen Geschöpfe auf, die sich durch eine staatlich gleichgeschaltete Presse manipulieren lassen. Und wenn nötig, dann unterstützen wir auch Bestrebungen, diesen unterdrückten Völkern mit Hilfe von Militärgewalt Freiheit zu bescheren, aufdass sie nicht länger durch die Tentakel der Manipulation eingeengt werden.

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