Samstag , 25 September 2021
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Mittelpunkt Mensch

frankfurt_skyline_nightEs gibt viele Wörter, die mit „M“ beginnen. Etwa „Macht“, „Manipulation“, „Masse“ oder auch die Bezeichnung für die Geldmenge als „M“ (Money). Zur Zeit leiden wir unter einer Schuldenkrise, Wirtschaftskrise, Finanzkrise – und somit muss jeder Opfer bringen. Jeder Mensch. Die Summe der Menschen schart sich als Masse um den Mittelpunkt. Schenken wir den verschiedenen Diskussionen, Analysen und Kommentaren Beachtung, so stellen wir rasch fest, worum sich mittlerweile alles dreht: Um den Finanzsektor! Denn von diesem sind die verschuldeten Staaten abhängig und die, auf Investitionen angewiesene, Wirtschaft und somit wiederum jeder einzelne Mensch.

Wie lässt sich der Begriff Mittelpunkt konkret deuten? Es handelt sich um jenen Punkt innerhalb eines Kreises, von dem jeder Teil des Umfanges gleich weit entfernt liegt.

Als sich der Mensch noch in aller Bescheidenheit als Kind Gottes betrachtete, überließ er diesen Ehrenplatz, also den Mittelpunkt, natürlich seinem Schöpfer. Nachdem dessen Existenz mangels wissenschaftlicher Beweiserbringung aber mittlerweile in Frage gestellt wird, gibt sich der „materiell orientierte Idealist“ in freudiger Überzeugung dem Glauben hin, dass es nun endlich der Mensch selbst sei, der den Mittelpunkt einnehme.

Verdient es der Mensch als Individuum aber tatsächlich, jenen Platz in der Welt für sich in Anspruch zu nehmen, der einst für seinen angenommenen Schöpfer vorgesehen war? Lassen wir die Frage, ob es sich um Manipulation durch den Klerus oder um eigenen Antrieb gehandelt haben könnte, beiseite. Wo suchte der Mensch lange vergangener Zeiten nach Hilfe für seine Pläne, für die Verwirklichung seiner Hoffnungen oder schlicht für seinen eigenen Fortbestand? Auch wenn er das seine dazu beitrug, was spätestens seit der Renaissance als Gepflogenheit gilt, mit Sicherheit richtete er seinen Blick darauf, was er für das Zentrum jeglicher Existenz hielt: Auf Gott. Doch, wie gesagt, die Idee eines Schöpfers als Ursprung der Schöpfung ist lange überholt. Wer oder was hat also dessen Platz nun wirklich eingenommen?

Die wohl treffendste Antwort dafür findet sich bei Heinrich Heine und ist somit mehr als 150 Jahr alt. Übermittelt in seiner Schriftensammlung „Lutetia“, findet sich der Satz: „Das Geld ist der Gott unserer Zeit und Rothschild ist sein Prophet!“

waddesdon_manorWas die Erwähnung des Namens Rothschild betrifft, einer einest überaus erfolgreichen Bankiersfamilie mit Niederlassungen in Frankfurt, Wien, Paris, London und Neapel, scheint diese dem Wandel der Zeit ebenfalls unterlegen zu sein. Selten gelingt es den heute lebenden Mitgliedern dieser Familie, in den Medien Erwähnung zu finden und – sofern wir dem Forbes-Magazin glauben schenken dürfen – auch der Einzug in die Riege der Milliardäre ist ihnen nicht gelungen. (Behauptungen, dass es ihnen gelänge, ihr noch immer vorhandenes Vermögen zu verheimlichen, fallen in den Bereich von Spekulationen!) Was Heines Feststellung bezüglich des Geldes jedoch betrifft, diese ist heutzutage gültiger denn je. Was sonst könnte darüber bestimmen, ob wir unser Leben genießen, uns mit den Dingen umgeben, die uns mit Freude erfüllen, ob wir Ansehen und Respekt genießen, ob wir Herr unserer eigenen Zeit sind, wenn nicht die Verfügbarkeit von Geld? Und dieses neuen Gottes Prophet verfügt über einen Namen, der keine Assoziation mit bestimmten Personen zulässt. Man nennt ihn, den Finanzsektor. Und nachdem von diesem alles Geld erschaffen, verwaltet und verteilt wird, können wir auch unumstritten davon ausgehen, dass dieser nun endlich den verdienten Mittelpunkt in unserem modernen Weltbild einnimmt.

Wie The Intelligence und so viele andere sich immer wieder zu erklären bemühen, Geld wird vom Finanzsektor „aus dünner Luft“ erschaffen. Es ist wirklich sonderbar, doch die überwiegende Mehrheit der Menschen interessiert sich für den Ursprung von Geld herzlich wenig. Experten weisen gerne darauf hin, dass die Geldschöpfung durch Geschäftsbanken natürlich strengen Regelungen unterliege. Wie diese aussehen, darüber findet sich bei Wikipedia eine kurze, doch äußerst aufschlussreiche Erklärung:

Gemäß Basel I war jeder Kredit mit einheitlich 8 % Eigenmitteln zu unterlegen. An dieser Vorgehensweise hat sich mit Basel II grundsätzlich nichts geändert. Jedoch werden die ausstehenden Forderungen der Bank nunmehr, je nach Rating des Geschäftspartners, mit einem Prozentsatz zwischen 0 % (beispielsweise Forderungen gegenüber OECD-Ländern) und 1250 % gewichtet. Die daraus resultierenden „risikogewichteten Aktiva“ sind mit jeweils 8 % Eigenkapital zu unterlegen. Die hier getroffenen Aussagen beziehen sich auf den Standardansatz. Die Vorgehensweise in den IRB-Ansätzen ist deutlich komplexer.

„Kredite sind mit 8 % Eigenmittel unterlegt!“ Es ist nicht ganz so einfach, doch im Prinzip funktioniert es folgendermaßen: Sie verfügen über 8.000 Euro Eigenmittel und stellen einen Scheck über 100.000 Euro aus, wofür Sie 8 % Zinsen verlangen. Diese werden, sobald sie bezahlt sind, zu Eigenmitteln und Sie dürfen einen neuen Scheck über 100.000 Euro ausstellen. Am Ende des zweiten Jahres nehmen Sie von beiden Kreditnehmern jeweils 8.000 Euro an Zinsen ein und dürfen somit bereits 200.000 an Krediten zur Verfügung stellen. Buchhalterisch betrachtet, bewegt sich dies natürlich alles im Rahmen der Korrektheit. Sollte ein Schuldner nämlich ausfallen, so sind Sie für die Bereitstellung der nichteinbringlichen Summe verantwortlich. Sind Sie groß genug, also systemrelevant, hilft Ihnen dabei dann natürlich der Staat.

„Aber, das kann doch nicht sein!“, mag der Mensch hier denken. Das wäre doch der größte Beschiss, den es je gegeben hat. Das würden doch unsere Politiker und all die rechtschaffenen Fachleute nicht zulassen.

hoermann_franz_wienNun, die rechtschaffenen Fachleute, die sich dagegen aussprechen, gibt es ja. Etwa die beiden Professoren Franz Hörmann und Otmar Pregetter. Doch diese werden der Angstmacherei beschuldigt. Und was die Politiker betrifft, die scheinen wohl schon seit langem erkannt zu haben, dass sie nicht wie einst Könige ihre Position „Gottes Gnaden“ verdanken, sondern jenen Kräften, die nach Gottes Rückzug das Vakuum im Mittelpunkt begeistert füllten. Dem Finanzsektor. Denn dieser stellt ja, oft über den Umweg der Konzerne, jenen Medien, insbesondere durch Werbung, die Mittel für ihren Fortbestand zur Verfügung. Und ohne deren Unterstützung hat noch niemand eine Wahl gewonnen.

Und wehe dem, wenn ein Politiker da glaubt, er könne auf eigene Faust … Populisten nennt man sie, um noch ein harmloses Wort zu verwenden. Und wie unzuverlässig diese Leute sind, hat sich ja gerade vor drei Jahren in Österreich gezeigt, wo einer dieser Populisten betrunken mit seinem Dienstwagen über die Landstraße in den Tod raste.

Zu Kennedys Zeiten hat es den Begriff des Populismus noch lange nicht gegeben. Doch irgendwie scheint es, als hätte dieser am Finanzsystem basteln wollen. Den Wortlaut des von ihm unterzeichneten Präsidentschaftserlasses mit Nummer 11110 haben wir in einem speziellen Artikel bereits zitiert. Er könnte dahingehend ausgelegt werden, dass er den Staat berechtigt hätte, eigenes, von der privaten Zentralbank (genannt: Federal Reserve) unabhängiges, Geld in Umlauf zu setzen. Ob dies Lee Harvey Oswald ein Dorn im Auge war, der von der Warren-Kommission zum alleinigen Täter erklärt wurde? Diesem „unabhängigen“ Untersuchungsausschuss gehörte übrigens auch ein gewisser John J. McCloy an, der von 1947 bis 1949 als Präsident der, 1945 gegründeten, Weltbank agierte.

Nicht in direktem Zusammenhang stehend, doch beachtenswert ist auch die Begnadigung mehrerer Personen durch McCloy, in seiner Eigenschaft als amerikanischer Hochkommissar im besetzten Deutschland (1949 – 1952), die im Nürnberger Prozess als Kriegsverbrecher verurteilt worden waren. Wie bei Wikipedia erklärt, wurden Friedrich Flick und Alfred Krupp von Bohlen und Halbach nicht nur vorzeitig aus der Haft entlassen, auch ihre, 1945 beschlagnahmten, Vermögen wurden ihnen wieder ausgehändigt. Doch, wie gesagt, diese Erwähnung flechte ich hier nur ein, weil es mich beim Nachlesen über McCloy irgendwie überrascht hat.

Doch kommen wir zurück zur Beziehung des Menschen zum Mittelpunkt, in dem er doch so gerne selbst stehen würde. Dass wir für Leistungen, die wir in Anspruch nehmen, auch eine Gegenleistung zu erbringen haben, wird gewiss jeder ohne Einspruch akzeptieren. Üblicherweise nennen wir diese Leistung auch Arbeit. Allerdings, während der vergangenen Jahrzehnte wurde dieses Wort etwas verlängert. Heute spricht man vom Arbeitsplatz. Dabei handelt es sich um die Vereinbarung zwischen dem sogenannten Arbeitnehmer – also dem, der seine Arbeit „gibt“ – und dem Arbeitgeber, der dafür Geld aushändigt. Und ohne der Existenz von Geld wäre dieses Übereinkommen natürlich absolut undenkbar. Schließlich wäre weder ein Chirurg damit einverstanden, sich durch Gratisoperationen entschädigen zu lassen, noch ein Straßenfeger, durch die Aushändigung des eingesammelten Staubs.

Behandeln wir nun kurz den ursprünglichen Gedanken der Gegenleistung. Also, Sie arbeiten z. B. als Buchhalter und beziehen ein Gehalt von 2.500 Euro im Monat. Bei 40 Wochenstunden entspricht dies 14,47 Euro für jede Stunde ihrer erbrachten Leistung. Nach Abzug der Einkommenssteuer (Steuerklasse I), hat sich dieser Betrag auf 12,34 Euro reduziert. Am späten Nachmittag haben Sie einen Termin in ihrer Autowerkstatt. Es handelt sich um ein kleines Problem, das durch genau eine Arbeitsstunde, ohne der Verwendung von Ersatzteilen, behoben war. Ihre Rechnung: 50 Euro, zuzüglich 9,50 Euro an Mehrwertsteuer. Mit weniger als 60 Euro sind Sie ja noch einmal billig weggekommen.

Jetzt rechnen Sie aber trotzdem kurz nach. Als Buchhalter mit einem Monatseinkommen von 2.500 Euro gelten Sie gewiss als qualifizierte Arbeitskraft. Um jedoch genügend Geld zu verdienen, um eine Mechanikerstunde begleichen zu können, müssen Sie 4 Stunden und 49 Minuten arbeiten, 46 Minuten allein für die Mehrwertsteuer.

Ja, natürlich, Steuern müssen halt bezahlt werden und Miete muss bezahlt werden und die teueren Geräte und die Zinsen für die Kapitalbereitstellung. Solange die Rechnung aufgeht, solange dieses System krisenfrei funktionierte, haben wir alle damit gelebt und der Eine oder Andere mag es vielleicht sogar geschafft haben, sich ein paar Groschen zur Seite zu legen. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass immer irgend jemand mitverdient, wenn der Mensch eine Leistung erbringt und im Gegenzug eine Leistung in Anspruch nimmt.

Eine kleine Überlegung möchte ich hier auch noch einflechten, die ursprünglich amüsant gedacht war. Einem kanadischen Freund gegenüber habe ich erklärt, wie wir gemeinsam rasch 20.000 Dollar verdienen könnten. Ich schlug folgendes vor: Ich gebe ihm einen Intensivkurs in der deutschen Sprache und er bezahlt mir dafür 10.000 Dollar. Gleichzeitig könnte er mich in Französisch unterrichten, und ich würde ihm ebenfalls 10.000 Dollar dafür bezahlen. Zusammen wären das also 20.000 Dollar. Er dachte kurz nach und fragte mich, wo wir wohl das viele Geld hernehmen würden, um die Steuern dafür entrichten zu können.

Stünde der Mensch im Mittelpunkt, müsste es eigentlich mehr Bestrebungen geben, ihn Geld verdienen zu lassen, ohne gleichzeitig den gesamten Staats- und Wirtschaftsapparat und den Finanzsektor mitzufinanzieren. Händigen Sie jedoch jemandem 100 Euro dafür aus, dass er Ihnen ihr Wohnzimmer ausmalt, dann wird dies „Parallelwirtschaft“ genannt. Die freie Marktwirtschaft drückt sich zwar in internationalen Handelsbeziehungen aus, sie ist aber nicht frei genug, dass Sie in ihrem eigenen Haus gegen Entgelt Essen servieren könnten. Dafür müssen Sie die Räumlichkeiten eines Restaurants anmieten, kostenpflichtige Bewilligungen einholen – und natürlich regelmäßig Steuern bezahlen. Dafür haben Sie nicht genügend Kapital? Pech für Sie – dann suchen Sie sich eben einen Job. Sie finden keinen, hätten aber genügend Freunde, die Gäste in Ihrem Haus wären? Unvorstellbar, „wo kämen wir denn da hin“? Parallelwirtschaft.

Stünde der Mensch im Mittelpunkt, müsste es auch mehr Interesse geben, wieder besseren Service zu bieten. Mehr Angestellte in den Supermärkten, dass die Kunden nicht endlos vor den wenigen geöffneten Kassen Schlangen stehen müssen. Erinnern Sie sich vielleicht, als es an jeder Tankstelle noch Bedienung gab? Wie viele Arbeitsplätze wären damit wohl geschaffen, wenn man so etwas wieder einführen würde?

Der Konsument würde sich dagegen wehren, weil dies den, dank Spekulation ohnehin hoch überzahlten, Treibstoff geringfügig verteuern würde? Er wehrt sich ja auch nicht gegen 19 Prozent Mehrwertsteuer! Und jeder neu geschaffene Arbeitsplatz spart letztendlich Sozialhilfe. Um als Tankwart arbeiten zu können, bedarf es nicht einmal guter Deutschkenntnisse.

Um noch einmal auf von Bürgern direkt bezahlte Leistungen zu sprechen zu kommen, der sogenannten Parallelwirtschaft. Handelt es sich dabei nicht um die Mentalität der Griechen? Und wir sehen ja, wie weit sie’s damit gebracht haben. Ja, natürlich, denn im Mittelpunkt steht ja schließlich nicht der Mensch, sondern der Finanzsektor. Und je mehr sich dieser aufbläst desto unersättlicher wird er.

Abschließend möchte ich aber auch noch erwähnen, dass dank jahrzehntelanger Gewohnheit, seine Arbeitszeit gegen einen Monatslohn zu verkaufen und damit recht und schlecht sein Auslangen zu finden, der Mensch so sehr an dieses System gewöhnt ist, dass er es selten zu hinterfragen bereit ist. Im Gegenteil, er bemüht sich eher, es zu verteidigen. Der unfehlbare Finanzsektor kann mit dieser Einstellung seiner Vasallen durchaus zufrieden sein. Wichtig ist bloß, seinen „Glauben“ an dessen Allmacht nicht zu verlieren.

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