Donnerstag , 18 Juli 2019
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Warum mischen sich EU-Politiker ins Familienleben?

mutter_mit_tochterEs war einmal Familienleben. Kinder, die in Geborgenheit aufwuchsen. Kinder, die während der ersten, und für ihre Entwicklung überaus bedeutenden, Lebensjahre emotionale Beziehungen aufzubauen lernten. Die erleben durften, bedingungslos geliebt zu werden. Der moderne Zeitgeist ist dagegen. Die EU ist dagegen. Die Märkte sind dagegen. Seine eigenen Kinder zu erziehen, sie zu gesunden und wertvollen Menschen zu formen, bringt keine Umsätze, keine Steuern, keine Steigerung des Bruttoinlandsproduktes. Wie erst kürzlich bekannt wurde, fordert die EU-Kommission, dass Hausfrauen ins Berufsleben einzugliedern seien. Sie fordert, mehr Kindergärten zu schaffen. Und niemand scheint sich dagegen zu wehren.

Die moderne Denkweise verlangt, so scheint es, sich von Stereotypen zu befreien, während sich – wie könnte es anders sein – neue Stereotypen bilden. Eines der augenfälligsten davon wäre: Alles, was in der Vergangenheit geschätzt wurde, muss schlecht sein. Unsere Vorfahren waren arm, unterdrückt, krank und starben früh. Am schlimmsten waren Frauen dran. Sie galten als dem Manne untergeordnet und verschwendeten ihr Leben mit der Betreuung der Familie. Und jeder hat irgendwann, irgendwo von einem Beispiel gehört, dass diese Annahmen auch durchaus bestätigt. Unsere bedauernswerten Groß- und Urgroßmütter, die trotz all der Qualen, die sie während ihres Lebens erlitten, immer noch dieses warmherzige Lächeln zeigen konnten.

Zwar braucht die Gesellschaft Nachwuchs, die Arbeitskräfte und Steuerzahler von morgen, doch darf das derzeit verfügbare Arbeitsvolumen natürlich nicht unter der Vermehrung leiden. Stellen Sie sich vor, es gäbe keine Arbeitslosigkeit. Heute stehen Unternehmen nur bezüglich des Absatzes ihrer Produkte in Konkurrenz zueinander. Wäre es dazu noch von Nöten, die Bedingungen – vor allem die Löhne und Gehälter – für ihre Mitarbeiter zu verbessern, würde dies die „freie Marktwirtschaft“ in ihren Grundfesten erschüttern. Arbeitskraft muss billig sein. Konkurrenz drückt den Preis. Je mehr Arbeitslose, desto niedriger die Forderungen der Arbeitnehmer.

Ein Bericht des ORF verkündigte stolz, dass mittlerweile mehr als 90 Prozent der drei- bis fünfjährigen österreichischen Kinder in Kindergärten erzogen werden. Ein Problem gäbe es jedoch bei den unter Dreijährigen. Da seien es nur 17 Prozent und somit nur die Hälfte der EU-Forderung von 33 Prozent.

Die EU fordert, dass ein Drittel der Kleinkinder, von der Familie getrennt, in Tagesheimstätten untergebracht werden soll? Gewiss finden sich Psychologen, die zu erklären verstehen, dass sich dies auf die Entwicklung des Nachwuchses durchaus positiv auswirkt. Wer sonst, als ausgebildetes Fachpersonal, könnte es besser verstehen, die Bürger von morgen zu nützlichen Mitglieder der zukünftigen Gesellschaft zu erziehen. Leistungs- und konsumorientiert, um den Anforderungen des Wirtschaftswachstums auch gerecht zu werden. Die Kommunisten wussten dies schon vor Jahrzehnten. Unsere Zivilisation braucht keine Menschen mehr, die im frühen Kindesalter lernen, Beziehungen aufzubauen. Schließlich gibt es genügend Gesetze, durch welche das Zusammenleben reguliert wird, selbst innerhalb der Familie. Wir brauchen Menschen, die hart arbeiten und so wenig Ansprüche wie möglich für sich selbst stellen.

Die Bürger werden über derartige Pläne nur beiläufig in Kenntnis gesetzt. Und sobald die Diskussion auftaucht, ob Kinder nicht doch von ihren Müttern betreut werden sollten, treten planmäßig die Frauenrechtlerinnen auf die Bühne. „Was heißt von den Müttern?“, lautet der Einspruch. Auch Väter hätten sich um ihre Sprösslinge zu kümmern. Und natürlich nicht in der traditionellen Form. Mama wechselt die Windeln und Papa spielt Eisenbahn. Alles muss fair geteilt werden. So gleitet die Diskussion dann auch auf eine andere Ebene ab. Gender-Mainstreaming. Wenn es schon Hausfrauen gibt, dann müsse es gleich viele Hausmänner geben. Wenn nicht, dann sei es allemal noch besser, alle gingen einer Erwerbstätigkeit nach – was bei der derzeitigen Lohnsituation in den meisten Fällen ohnehin bereits unumgänglich ist. Also, doch mehr Kindergärten.

Bis Mitte der 1990er-Jahre war es in Italien üblich, während der Mittagspause nach Hause zu fahren, mit der Familie zu essen, und danach eine kurze Siesta. Was für eine Verschwendung wertvoller Arbeitszeit. Innerhalb weniger Jahre war die drei- bis vierstündige Mittagspause abgeschafft. Gleichzeitig schossen Imbissbuden aus dem Boden, denn irgendwo musste das Mittagsmahl schließlich eingenommen werden. Mehr Arbeitsleistung, mehr Konsum – da lacht die Wirtschaft. Vorübergehend, halt.

Es war einmal Familienleben. Und es war einmal der Mensch. Ja, den gibt es ja unumstritten auch heute noch. Doch nicht mehr so wie früher, als Individuum mit schöpferischen Qualitäten, inneren Sehnsüchten und Leidenschaften, Respekt und Würde. Der moderne Mensch ist ein winziger Bestandteil des Humankapitals, dessen erste Aufgabe es ist, sich den Bedingungen der modernen Wirtschaft anzupassen. Dafür darf er auch mit Computern spielen und mit iPhones, darf sich gelegentlich wie Schlachtvieh durch Sicherheitskontrollen schleusen lassen, darf sich frei entscheiden, durch welchen Fernsehsender er sich beeinflussen lässt.

Eigentlich sollte die Wirtschaft dem Menschen dienen, ihn mit dem versorgen, was er zum Leben braucht. Dafür entrichtet er auch den notwendigen Anteil an Arbeitsleistung. Heute dient der Mensch jedoch der Wirtschaft. Zu welchem Zweck? Vielleicht gibt es Einige, die von dieser Entwicklung profitieren. Um eine einzige Milliarde zu verdienen, bedarf es einer Million Menschen, denen man einen Tausender wegnimmt. Nachdem die Zahl derer, die über materiellen Besitz verfügen, bloß einer Minderheit entspricht, was kann man den besitzlosen Massen wegnehmen? Da gäbe es nur eines, und zwar ihre Zeit. Und damit diese nicht unproduktiv mit Kindererziehung verschwendet wird, fordert die EU eben mehr Kindergärten. Wer dagegen protestiert, grenzt sich von selbst aus, denn er idealisiert die lange überholten Grundsätze der Vergangenheit. Da schaut man doch lieber voller Zuversicht in die Zukunft, auch wenn diese nicht wirklich viel zu bieten hat.

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