Dienstag , 21 Mai 2019
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Lena, Osama und Reklama – Pardon: Reklame

wellmanns_wilde_wochenWenn man sich nicht mitten ins Getümmel wirft, bekommt man von der „Größten Show der Welt“, in Düsseldorf nicht viel mit. Aus den Fenstern hängen keine Deutschland Fahnen und Autokorsisten sind, bis jetzt, auch recht selten. Vielleicht ändert sich das heute Abend, denn wer sich die Schnelldurchläufe der Halbfinale angesehen hat, der wird der kleinen Lena, die inzwischen ganz schön gewachsen ist, schon berechtigte Chancen auf den Sieg einräumen, auch wenn die Buchmacher eine andere Meinung dazu haben.

Vielleicht war es nicht nur der Zwang, diese Sendung sehen zu müssen, dem ich als Kind ausgesetzt war, sondern vor allem die Tatsache welch unerklärliche Unmusik, welche Angriffe auf Trommelfell und jeder Art von Geschmack, welches präzedenzfällige Fremdschämen, mir da jedes Jahr aufs Neue zugemutet wird, die mir das Anschauen der „Größten Show der Welt“ etwas verleidet hat. Da mutet ein „Taken by a stranger“ fast wie ein Geschenk an.

Meine Frau schaut mich in den letzten Tagen auch öfter mal ungläubig an, wenn ich mir das ganze „Hinter den Kulissen“ und die Interviews anschaue und antwortet auf meinen Einwand, dass ich über nichts reden, oder schreiben kann, wenn ich´s nicht gesehen habe, auch nur mit einem schmunzelnden „Iss Klar, Schatz…“

Aber wie komme ich jetzt von der süßen Lena zum Allzweck-Untoten Osama Bin Laden…? Vielleicht ist das Stichwort „Ablenkung“ hier wieder mal gefragt. Denn was macht doch der moderne Mensch am liebsten, wenn es anstrengend wird? Sich ablenken, genau. Da ist, so gesehen, ja auch erst mal überhaupt nichts falsch dran, denn mich jeden Tag fanatisch mit dem Gräuel der Welt zu beschäftigen, erhöht nicht nur auf Dauer das Herzinfarktrisiko, sondern führt auch dadurch, dass das allermeiste Geschriebene, oder Gesagte nur unwichtiges Geplapper ist, welches einen in einer Weise anöden kann, dass man verzweifelt zur Ablenkung greift.

Paradebeispiel dafür ist wohl, unerreicht, der letzte Streich der tapferen Schneiderlein, aus der Peripherie des Weißen Hauses zu Washington, und ihr wirklich jämmerlicher Versuch, wenigstens eine Klappe mit zwei Fliegen zu schlagen. Ich könnte mir wirklich vorstellen, dass Barack Obama abends weinend auf der Bettkante sitzt und in sich hinein murmelt: „Ich bin hier doch nur ein besserer Hausboy…, ich bin doch hier nur…”

Und auch Frau Merkel wird sich in den letzten Tagen hier und da mal gesagt haben: „Wenn du bloß nicht immer jeden Scheiß labern würdest, den die dir aufschreiben…“

Das diese ganze Schmierenkomödie um Osama Bin Laden, als was anderes darf man es nicht mehr bezeichnen, nicht den Aufschrei mindestens der Hälfte der Weltbevölkerung, sondern 13 % Steigerung der Umfragewerte des amerikanischen Präsidenten zur Folge hat, ist in einer Weise paradox, die mir inzwischen einfach nur die Worte verschlägt. Na ja…, nicht ganz, aber immer wieder…

Vielleicht macht sich mal jemand die Arbeit und rechnet ungefähr aus, was die Deutschen, nur im letzten Monat, für Anrufe bei DSDS, oder eben dem ESC, oder sonst einem verblödeten Gewinnspiel ausgegeben haben, während die Welt mit einer neuen, im wahrsten Sinne des Wortes, fragwürdigen, scheinheiligen Terrorismusgefahr überzogen wird, die den ausschließlichen Nutzen hat, noch mehr, noch doller, noch enthusiastischer Krieg führen zu können. Und dann nehmen wir unsere Finger zur Hand und zählen mal durch, wie viele 50 Cent dafür ausgegeben wurden, den Regierenden zu sagen, dass sie auf keinen Fall noch über Menschenverstand verfügen können, von gesundem ganz zu schweigen.

Wir wünschen dir viel Geld…, Glück Lena, viel Glück heute…

Bei all diesen Gedanken will ich aber natürlich nicht vergessen, dass ich selbst nur von meinem Beruf leben kann, wenn es Publikum gibt, das in irgendeiner Weise dafür bezahlen. Ob mit Eintrittsgeld, oder für Tonträger, oder einfach weil sie nicht wissen wohin mit ihrem Geld (was in meinem Fall noch nie vorgekommen ist). Auch mir bleibt nur das Mittel der Werbung, wenn auch nur in verhältnismäßig kleinem Rahmen und vor allem recht widerwillig. Aber gut, ich bin Kabarettist, kein Heiliger…, wahrlich nicht.

Aber frei nach dem Motto meiner kaum noch vorhandenen Familie: „Wir sind krank, aber nicht doof!“ und noch freier nach dem Motto der Kriegskunst: „Wenn du einen Feind besiegen willst, musst du erst einmal sein Freund werden“, nutze ich das Geschenk ihrer Aufmerksamkeit hier, um all denen die sich gefragt haben, vor allem aber all jenen, die sich nicht gefragt haben, warum sich der Wellmann in letzter Zeit so rar macht mit dem schreiben, zu sagen, dass es vor allem das neue Solo-Programm und dessen Entwicklung ist, das mich gerade sehr in Beschlag nimmt.

„Die Zukunft ist Jetzt – Reloaded“, wird hoffentlich auch in einem Theater ihres Vertrauens zu sehen sein, so ab Spätherbst. Falls nicht, oder wenn sie sogar ein Theater haben und völlig konsterniert sind, weil der Wellmann nicht bei Ihnen spielt, können Sie ihn hier noch schnell buchen.

„Die Zukunft ist Jetzt – Reloaded“ Oliver Wellmann Live 2011 auch in ihrem Theater?

Gut, das war jetzt nicht so ein Geniestreich, wie die wirklich großartige Arbeit der Werbeagentur, die sich diesen Darth Vaderchen/VW Spot hat einfallen lassen, aber ich denke Sie wissen worum es geht. Ob es Sie interessiert, oder ob Sie für so was keine Zeit haben, weil sie noch ein paar 50 Cent Stücke verteilen müssen, liegt natürlich, wie immer ganz bei Ihnen.

So… und wir legen jetzt mal los, mit dem Wochenende.

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