Samstag , 25 Mai 2019
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Besuch bei zu Hause – Wir fahren nach Berlin Teil 2

wellmanns_wilde_wochenMit dem Bus durch die Straßen von Berlin zu fahren, ist wie ein Bilderbuch meines Lebens. An jeder Ecke steckt eine Erinnerung. Auf dem Weg von Lichterfelde im Süden, bis nach Waidmanslust im Norden der Stadt, der je nach Verkehrslage, Wartezeiten beim Umsteigen und Tageszeit schon mal zwei Stunden dauern kann, gibt es keinen Straßennamen, den ich nicht kenne und kaum eine Haltestelle, zu der mir nicht eine kleine Anekdote einfällt. Natürlich verändert sich die Stadt. Wo früher nur ein altes Kino stand, protzt heute ein Einkaufscenter und unzählige kleine Läden haben inzwischen zum zwanzigsten Mal den Besitzer gewechselt, oder sind einfach nicht mehr da. Vielleicht ist es auch genau diese Veränderung, die bei allen Erinnerungen dennoch kein Gefühl von zu Hause aufkommen lässt.

In der U-Bahn steht auf einmal eine Frau vor mir und ich denke noch, die fragt mich gleich, ob ich mal einen Euro für sie habe, damit sie sich etwas zu Essen kaufen kann, da zückt die einen Ausweis und will meine Fahrkarte sehen. Früher hatten die Kontrolleure noch Uniformen und man konnte, wenn man sie früh genug erkannt hatte, weg rennen. Heute bleibt dir nichts als spontan einen Herzinfarkt vorzutäuschen, was die Damen und Herren der Kontrolliererei aber nicht im Geringsten interessiert.

Vor allem aber die allgemeine Stimmung in der Stadt hat sich in einer Weise gewandelt, die mich, wie wahrscheinlich auch alle Anderen, in einer Weise bedrückt, die ich kaum beschreiben kann. Vielleicht am Besten mit einem kurzem Video, das ich machen konnte und das ein wenig verdeutlicht, dass aus der viel gerühmten Berliner Schnauze das verschwunden ist, was sie trotz der vordergründigen „Pampigkeit“, immer sympathisch hat bleiben lassen. Nämlich das Herz.

Vielleicht ist es ein sehr extremes Beispiel, aber in diesem Fall kann man selbst mir das mal glauben, dass man so was an jeder Ecke treffen kann. Oder eben nach drei Minuten im Bus. Denn auch wenn es bei dem folgenden Herren die Politiker, das Fernsehen, aber vor allem die Ausländer sind, denen die Schuld in die Schuhe geschoben wird, ist es ein Beispiel für Viele, die im Grunde genauso denken, es aber vielleicht anders, oder sogar nie äußern würden…

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Vielleicht schauen Sie jetzt in diesem Augenblick mal in sich hinein. Sind sie geschockt, belustigt, angewidert? Auf jeden Fall aber mal froh, dass es Ihnen doch noch um einiges besser geht als dem Herren mit dem lustigen Bart? Dann genießen Sie dieses Gefühl und teilen sie sich den Genuss ein, denn wer weiß, wo einen das Leben bald mal hinführt.

Auf jeden Fall sind die Zeiten, in denen ein paar 13 jährige auf ihrem, selbst gebastelten „Chopper-Fahrrädern“, ihr Gebiet im Wedding mit lustigen Aktionen und spontanen Partys unsicher gemacht haben, vorbei. Heute gehst du im Wedding, als 13 jähriger unbewaffnet nicht mal mehr zur Mülltonne.

Natürlich hat da jeder seine eigenen Gefühle. Für mich zumindest ist deutlich geworden, dass es an der Zeit ist, ein neues Zuhause zu suchen. Womit wir den Besuch in Berlin auch wieder beenden.

Schöne Restwoche, wie ein Freund immer zu sagen pflegt.

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