Freitag , 29 Mai 2020
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Facebook, der Schnellkochtopf des 21. Jahrhunderts

schnellkochtopfLange Zeit verschloss ich mich dem neuen Medium »Facebook«. Und zwar derart, dass ich mich sogar weigerte, die Seite auch nur zu besuchen. Angestachelt durch Berichte in den Medien und Meinungen von Freunden und Bekannten, mied ich diese Seite wie eine Bahnhofstoilette. Doch dann merkte ich irgendwann, dass mir zwar nichts Essentielles fehlte, doch in Gesprächen über Facebook musste ich die Segel streichen. Ich erinnerte mich an den Spruch »Du musst deine Feinde kennen« und beschloss kurzerhand, das große Unbekannte zu besuchen.

Ach herrje, was man dort alles eintragen kann. Ok, wer meint er muss, der soll es machen. Ich will hier auch gar nicht groß vom Datenschutz erzählen. Diese Themen sind bekannt und jeder sollte sich ernsthaft Gedanken machen. Vor allem seit Einführung des »Like-Buttons« außerhalb der Gemeinde. Das soll es aber gewesen sein, zur Sicherheit.

Nachdem ich jetzt auch ein Facebooker war, suchte ich Freunde. Ich fand Bekannte und Verwandte auf Facebook, von denen ich das nicht erwartete. Aber das Leben ist grundsätzlich mit Überraschungen gespickt, warum also nicht hier auch? Mit der Zeit wächst die Gemeinde. Irgendwann wird klar, dass nicht nur reale Bekannte zum Freundeskreis gehören, sondern auch virtuelle Bekanntschaften in den erlauchten Kreis der Freunde aufgenommen werden. Es ist gewöhnungsbedürftig. Mir mutet es immer noch seltsam an, Menschen dort als Freunde einzuladen, die ich bisher nur »gelesen« habe.

Das Problem von Facebook kristallisiert sich schnell heraus. Es ist wie ein Druckkochtopf. Die besondere Eigenart dieses Netzwerkes ist, dass es nur aufnimmt, aber nichts nach außen abgibt. Will heißen, solange ich mich nur auf Facebook bewege, kann ich zwar viele Freunde haben, aber alle nur auf Facebook beschränkt. Suchmaschinen, die helfen Dinge in die Welt zu tragen die mir wichtig sind, müssen an der Tür stehen bleiben. Auf lange Sicht wird es ein sehr einsames Leben und man kocht sich lediglich untereinander weich.

Von meinem Wesen her teile ich gerne. Vor allem mit. Deswegen tippe ich oftmals wie besessen Buchstaben in den Rechner, die sich auf dem Weg in das Internet zu Sätzen zusammenfinden, am Ende auch mal eine Geschichte mit Sinn ergeben. Facebook befriedigt mich da nicht. Zu plump, zu unschön, zu kurz die Möglichkeiten und zu klein die Gemeinde. Was macht der freie Mensch? Klar, er hat ein oder zwei Weblogs, er twittert und macht Fotos mit seinem iPhone. All diese Dinge will er einem möglichst breiten Publikum zur Verfügung stellen. Und natürlich auch den vielen Bekannten und Freunden.

Aus Facebook heraus kommt zwar erst einmal nichts, aber rein! Also setzt man kleine Programme ein, manchmal Widgets genannt, die sich mit Facebook verbinden und die Inhalte anderer Netzwerke in Facebook zusammenführen. Dies hat bei mir nun dazu geführt, dass ich keine »echten« Facebook-Inhalte erstelle. Der sogenannte Stream meiner Seite dort besteht zu 100% aus extern erstellten Inhalten, plus allen anderen Inhalten, die meine Freunde dort erstellen. Eine große Sammelzentrale aller Inhalte. Gigantisch.

Und wo ich nun hier unten in meinem Text angekommen bin, frage ich mich wieder laut und deutlich nach dem eigentlichen Sinn dieses geschlossenen Netzwerkes. Was ist der Nutzen für die Gemeinschaft? Ist man ehrlich, muss schnell zugegeben werden, dass ab einer gewissen Anzahl von Freunden und Inhalten, die Übersicht hilflos verloren ist. Die Frage ist für mich nun, wer hat einen Nutzen davon? Ich bin ja keine Kartoffel, die in einem Schnellkochtopf weichgekocht werden muss. Und Schnellkochtöpfe mit eklatanten Mängeln, wären meiner Mutter früher nicht in die Küche gekommen.

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